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Hombroich Raketenfestival: Programm des Festivals in Neuss

„Hombroich Raketenfestival“ in Neuss : Musik hören in der Natur

Bei der ersten Ausgabe des „Hombroich Raketenfestivals“ treten Musikerinnen und Musiker auf der Raketenstation auf. An beiden Tagen spielt der Ort die Hauptrolle.

Das ist ein Traum: ein Musikfestival, das sich wie ein Urlaubstag anfühlt. Man reist mit dem Rad an, sieht einen Ort, den man vielleicht nicht oder zumindest nicht so gut kennt, und erlebt Künstlerinnen und Künstler, die das alles überhaupt erst zum Klingen bringen. Das „Open-Source-Festival“ auf der Galopprennbahn in Düsseldorf-Grafenberg war so ein Ereignis, doch das gibt es nicht mehr. Es sieht nun aber so aus, als gebe es Ersatz: Am 28. und 29. Mai beginnt auf der Raketenstation in Neuss das erste „Hombroich Raketenfestival“.

Das Ereignis verbindet Musik, Natur und Architektur zu einem sinnlichen Erlebnis. Jeweils zwischen 16 und 21 Uhr präsentieren zwölf Künstlerinnen und Künstler bei freiem Eintritt aktuelle Formen von experimenteller, elektronischer und improvisierter Musik, Klang- und Radiokunst. Alle reflektieren in ihren Werken oder ihrem Spiel den Platz, an dem sie agieren: Stefan Schwander etwa tritt mit seinem Dub-Techno-Projekt A Rocket In Dub vor dem Objekt „Stahlkochen ist Kunst“ von Anatol Herzberg auf.

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Die künstlerische Leitung des Festivals haben Miki Yui und Stefan Schneider. Sie wurden vor anderthalb Jahren von der auf der Raketenstation lebenden Künstlerin Katharina Hinsberg angesprochen. Die beiden hatten direkt ein Konzept im Kopf: Der Ort sollte in all seinen Vorzügen und auch mit allen Einschränkungen genutzt werden und zur Geltung kommen. Architektur und Natur sollten sich mit der Musik verbinden, und dazu brauche es keine Bühne und keine bunten Lichter, meinen sie. Und: Das Programm soll auch für Leute von außerhalb interessant sein.

Die Komponistin Susanna Gartmayer macht mit einer eigens für das Festival geschriebenen Komposition für Bassklarinette die Eigenschaften des Ortes durch die Bewegung des Klangs hörbar. Der Künstler Akio Suzuki veranstaltet einen Klangspaziergang. Und zwischendurch kann man sich an verschiedenen Stationen hinsetzen oder -legen und das Programm der festivaleigenen Radiostation hören: Aiko Okamoto und Waltraud Blischke senden gemeinsam mit Callshop Radio ein Live-Programm, bestehend aus Wortbeiträgen, Field Recordings und Musik sowie Kurzbeiträgen eines Radio-Workshops von Kindern und Jugendlichen.

 Stefan Schwander alias A Rocket In Dub.
Stefan Schwander alias A Rocket In Dub. Foto: Hendrik Krawen

Darum geht es Miki Yui und Stefan Schneider: dass die Gäste ins Gespräch kommen, dass sie einen Tag miteinander verbringen, der an den Ort gebunden ist. Und dass sie Verbindungen zwischen Künstlerpersönlichkeiten knüpfen, die man auf den ersten Blick nicht wahrgenommen hätte. So ist der 88 Jahre alte Komponist, Organist und Kirchenmusiker Oskar Gottlieb Blarr ebenso Teil des Programms wie der Produzent und DJ Jan Schulte. Blarr war Kantor der Düsseldorfer Neanderkirche und organisierte dort jahrzehntelang Konzerte für experimentelle Musik. Außerdem engagierte er sich für die Band Kluster, half 1970 etwa bei der Veröffentlichung von deren „Klopfzeichen“-LP. Für sein Konzert auf der Raketenstation präsentiert er eine Bearbeitung von „Meteoron“, einem Stück des Düsseldorfer Komponisten Günther Becker aus dem Jahr 1969.

Die Komponistin Barbara Morgenstern, die den Chor im „Haus der Kulturen der Welt“ in Berlin leitet, hat für die Eröffnung des Raketenfestivals für den Jazzchor Roundabout/Neuss (unter Leitung von Anne Hartkamp) internationale Sprichwörter als Kanons vertont. Sie wird den Chor gemeinsam mit dem Schlagzeuger Sebastian Vogel (Kante) am Piano begleiten. Die beiden Documenta-Teilnehmer Natascha Sadr Haghighian und Rolf Julius zeigen Installationen. Und der Künstler Arpad Dobriban wird dem Publikum seine neue Arbeit „Essbare Botschaft“ vorstellen und zum Verzehr anbieten. Die Speisen dieser schmackhaften Botschaft, die teilweise aus Zutaten gemacht sind, die auf der Raketenstation wachsen, folgen traditionellen und komplexen Bearbeitungen.

„Mit japanischer Perfektion und rheinischer Lässigkeit“ hätten sie das Festival vorbereitet, sagen Miki Yui uns Stefan Schneider. Klingt jetzt schon gut.