Holstein hört : VCMG: "Spock"

Es ist 30 Jahre her, dass Vince Clarke die von ihm gegründete Band Depeche Mode verließ. Genau genommen war er nur bei der Produktion des ersten Albums dabei, "Speak And Spell" von 1981. Darauf findet sich einer der besten Songs der Gruppe: "Photographic". Kann man heute noch hören, ist ganz toll und nicht so abgespielt wie "New Life" oder "Just Can't Get Enough".

Vince Clarke wollte Synthie-Pop machen, und was die Kollegen dann im Sinn hatten, war ihm zu düster. Also gründete er zuerst Yazoo (unbedingt mal wieder den Titel "Nobody's Diary" auflegen) und dann Erasure (unbedingt mal wieder "The Circus" auflegen), und zwischendurch nahm er mit Feargal Sharkey unter dem Namen The Assembly den Song "Never Never" auf.

Martin L. Gore wurde nach dem Ausstieg Clarkes zum Chef von Depeche Mode, das weiß man ja, und wer sie noch nicht kennt, sollte sich rasch seine erste Soloplatte anhören: die "Counterfeit EP" aus dem Jahr 1989. Gleich der erste Song "Compulsion" gehört zum Besten, was nie unter dem Namen Depeche Mode erschienen ist.

Jedenfalls haben Vince Clarke und Martin Gore nun eine Single gemeinsam produziert — drei Jahrzehnte nach der letzten Zusammenarbeit. Herausgekommen ist ein Technotrack ohne Vocals, sie nennen ihr Projekt nach ihren Initialen VCMG, und das Stück heißt "Spock".

Es ist eine Enttäuschung, das muss man leider sagen; Haudrauf-Techno, den man in niederländischen Großraum-Discos sicher gerne auflegen wird. Aber: Auf der Maxi-Single sind zwei tolle Remixes. Wenn Clarke/Gore in den eigenen Produktionen vielleicht nicht mehr am Puls der Zeit sind, so wissen sie doch, wer heute in House und Techno zu den Besten zählt. DVS1 und Regis steuern also ihre Versionen von "Spock" bei, und beide sind großartig. Es hat sich also doch gelohnt, das Clarke und Gore wieder Freunde sind.

(das)
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