Vatertag mit krankem Kind

David ist krank, Erkältung mit allem drum und dran, ich bin mit ihm zuhause, wir sind allein. <br />Ich passe mich seinem Tagesablauf an. Sechs Uhr aufstehen, frühstücken, zwei Stunden tüdeln, noch mal ein Stündchen hinlegen.

Danach losgehen, raus, vielleicht ins Café oder in die Drogerie, dort ist man oft als Vater. Unterwegs essen, Möhre-Kartoffel-Rind aus der Warmhalte-Bombe, und wieder heim, Stündchen schlafen. Nachmittags ganz langsam wach werden, auf den Balkon gehen, rumgucken, spielen, Sachen machen, die man eigentlich nicht machen darf, die aber durchgehen, man ist ja krank. Später Aufbruch, schön in die Stadt, Kaffee, Brötchen, dran rummümmeln, Kinderwagen. Abends zuhause spielen, Wimmelbuch lesen, Brei, Fläschchen, Medizin schlucken, endlich pofen.

So ein Tag mit Kind kann verdammt lang werden. Man sollte die Schlafpausen auf jeden Fall mitmachen, sonst werden vor allem die kniffligen letzten Stunden zwischen fünf und acht eine Nervenprobe. Allerdings gibt es auch ziemlich viele schöne Ereignisse. Die selbstgemachte Saftmischung mit Strohhalm, die gut ankommt: Möhre, Apfel, Rotfrucht plus Sprudel. Der Flirt der Bedienung im Rosie's mit dem Sohn samt Kompliment an den Vater. Die als Zustimmung erkannte Tanzbewegung, nachdem man die erste Devo-Platte aufgelegt hat, obwohl man befürchtete, sie könnte zu rumpelig für ein 13 Monate altes Kind sein. Die mit einem Lächeln quittierte Idee, Papierbahnen im Wohnzimmer auszulegen, sich darauf zu setzen und mit den eben gekauften Filzstiften in Hasenform zu malen.

Man denkt zwischendurch immer mal wieder an Dinge, die man jetzt lieber machen würde. Sozusagen ein Phantomschmerz aus der Zeit vor David: Proust lesen oder Debug, Texte schreiben, Filme gucken, rumliegen oder ausschlafen. Das Komische: Wenn man es dann aber tatsächlich könnte, nach acht Uhr etwa, sitzt man da und denkt: Schade, dass er schon schläft. Meistens fallen einem aber einfach die Augen zu.