Holstein hört: Julia Holter: "Tragedy"

Holstein hört : Julia Holter: "Tragedy"

Eines meiner Alben des Jahres: "Tragedy" von Julia Holter. Die Musik changiert zwischen Synthie-Pop und Ambient, und der Platte liegt ein Konzept zugrunde, es will nämlich die Vertonung von Euripedes "Hippolytus" sein, und wie den Ansatz fast aller Konzeptalben kann man auch diesen direkt wieder vergessen.

"Tragedy" erinnert an Alben von Kate Bush und Laurie Anderson. Julia Holters Stimme ist das wichtigste Instrument. Sie flüstert und singt, Engelschöre begleiten sie, manchmal sagt sie ihren Text zu Beats auf, manchmal wischt sie ihn über Fieldrecordings. Und selbt wenn man ihre Stimme nicht hört, meint man Holter im Hintergrund zumindest atmen zu hören.

Holter arbeitet viel mit Geräuschen, das Kratzen eines Tonabnehmers auf der Platte, Sounds aus der Natur. Man mag gar nicht sagen, ob das Laptop-Musik ist oder modernes Singer-/Songwritertum. Auf "So Lilies" gibt es sogar Anklänge an Kraftwerk.

"Tragedy" ist ein Album im ursprünglichen Sinn, man kann keinen Song herausnehmen, man muss sich alles anhören und geht dabei durch verschiedene Gestimmtheiten: langsam sich aufbauende Instrumentalpassagen, dramatische Ausbrüche, tanzbare Songminiaturen. Manchmal prätentiös, wie Filmmusik vielleicht, jedenfalls sehr spannend.

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