Drei Schwüre

1. Ich schwöre, das ist das beste Buch, das ich in den letzten Jahren gelesen habe: "Empörung" von Philip Roth. 50er Jahre, ein Student erzählt aus dem Jenseits. Wie es dazu kam, dass er sterben musste.

Er hatte einen Vater, der koscherer Schlachter und geradezu hysterisch um sein Wohl besorgt war. Er hatte eine Freundin, die schön war und umwerfend und alles. Aber sie hatte doch auch ein Geheimnis. Und dann war da noch dieses Widerständische im Wesen des Ich-Erzählers und dieser unüberlegte Spruch: "Sie können mich mal". Und — wie gesagt — die 50er Jahre. Alles zusammen führt in die Katastrophe, in diesem Fall den Korea-Krieg, vor dem der kurze und reiche Roman spielt. So gut!<br />2. Ich schwöre, diese Platte hat mich umgehauen wie zuletzt wenige: "Ege Bamyasi" von Can, die mit der Büchse Okraschoten auf dem Cover. Spät habe ich die Kölner Band für mich entdeckt, eigentlich erst über den tollen Remix, den Carl Craig kürzlich von "Future Days" gemacht hat. Inzwischen habe ich aber die meisten Platten von Can gehört, und sie faszinieren mich. Rockiger als Neu!, chaotischer, aber vergleichbar in der Verwendung der repetitiven Muster. "Future Days" ist gut, "Tago Mago" ist gut, "Soundtracks" ist gut, "Monster Movie" ist anders, aber auch gut. Die beste LP ist jedoch "Ege Bamyasi", und das liegt natürlich zum großen Teil an den Stücken "Vitamin C", das man heute noch problemlos im Club spielen kann, und "Spoon", der Titel, der der große Hit von Can ist, weil es die Titelmelodie eines der Durbridge-Straßenfeger war, den Millionen geschaut haben. Wer sich jemals gefragt hat, warum Can so einflussreich ist, und zwar bis jetzt, sollte sich "Sing Swan Song" anhören, das ist 1:1 Radiohead, bloß 30 Jahre früher.
3. Ich schwöre, dass ich keine Platten mehr bei ebay ersteigere. Das Suchtpotential ist einfach zu hoch. Man hat seine Liste mit Beobachtungen und wird von ebay immer wieder heiß gemacht: "Achtung, 2 Angebote enden bald." Dann bietet man mit, und es ist ein Nervenkitzel und kostet Zeit und so viel Geld, denn beim Mitgehen vergisst man die blöden Versandkosten, die bei 12" Vinyl je nach Anbieter um 5 Euro liegen. Am Ende hat man mehr bezahlt, als man auf der Plattenbörse gegeben hätte. Und das Kauferlebnis ist auch nicht dasselbe. Und dann die Angst, dass auch alles ankommt und so aussieht wie erwartet. Nee, nie wieder.