Heino verabschiedet sich auf Abschiedstour 2019 und geht mit 80 Jahren in den Ruhestand

Karriereende: Heino geht mit 80 Jahren auf Abschiedstour

Mit seinem blonden Haar und der schwarzen Sonnenbrille machte er sich optisch unverwechselbar. Nun geht Heino auf Abschiedstournee - mit seinem 80. Geburtstag sagt er: „...und tschüss“.

Mit dem gleichnamigen Album und der Tournee verabschiedet sich einer der erfolgreichsten, aber auch streitbarsten Künstler in Deutschland.

Heino sagt selbst, 80 sei das neue 50\. Wer ihn sieht, findet daran keinen Grund zum Zweifeln. Der aktuelle Heino scheint gegenüber dem Heino der 80er Jahre optisch kaum verändert. Mit einem Unterschied: Während der Sänger in der Hochphase des Schlagers eher bieder auftrat, stieg er inzwischen auf Lederjacke und Schmuck mit Totenkopf um.

Dies ist Folge seines Imagewandels, den der am 13\. Dezember 1938 als Heinz-Georg Kramm zur Welt gekommene Sänger kurz vor seinem 75\. Geburtstag vollzog. Damals gelang ihm mit dem Rockalbum "Mit freundlichen Grüßen" das erste Nummer-1-Album seiner Karriere. Sein gerade veröffentlichtes Abschiedsalbum stieg immerhin direkt in die Top 30 ein, darauf singt er etwa mit Wolfgang Petry "Ich atme" oder covert Trios "Da Da Da".

Anders als viele aus der Wahrnehmung verschwundenen Sänger der goldenen Schlagerjahre der 60er und 70er Jahre hat Heino ein enormes Gespür für den Trend der Zeit. Denn ihm gelang nicht erst mit dem Rockalbum ein Comeback. Schon 1988 war ihm mit Rapversionen seiner zwei Volksmusikhits "Blau blüht der Enzian" und "Schwarzbraun ist die Haselnuss" ein Erfolg beim jungen Publikum gelungen.

Der Sohn eines kurz nach Heinos Geburt gestorbenen Zahnarzts aus Düsseldorf hatte von Anfang an gelernt, außer mit seiner tiefen Stimme auch mit geschickter PR die Plattenverkäufe anzuheizen. "Heino, du musst arm und einsam sein, blass aussehen und schön singen", habe ihm sein Entdecker Ralf Bendix mit auf den Weg gegeben, berichtete er einmal.

Seine Sonnenbrille trägt er weiter, obwohl die zu Karrierebeginn erkrankten blauen Augen schon lange gesund sind. Der gelernte Bäcker konnte sich trotz vieler Flopphasen immer im Gespräch halten und sang unverdrossen in Fernsehshows alte Hits wie "Karamba, Karacho, ein Whisky".

Das Trommeln gehörte für den Sänger stets zum Geschäft. In den 90er Jahren fand eine Umfrage heraus, dass er fast allen Bundesbürgern bekannt war - allerdings mochte ihn nur etwa die Hälfte der Befragten, die andere Hälfte lehnte ihn ab.

Das lag nicht allein an der Musik, die ja Geschmackssache ist. Heino polarisierte und polarisiert auch durch sein Verhalten. In den 70er Jahren sang er das Deutschlandlied auf einer Schallplatte inklusive der ersten Strophe, in den 80er Jahren tourte er trotz Boykotts zur Zeit der Apartheid durch Südafrika.

Und als Heimatbotschafter des Landes Nordrhein-Westfalen sorgte er im März für Empörung, als er Nordrhein-Westfalens Heimatministerin ein Album mit Liedern schenkte, von denen mehrere im Nationalsozialismus zum Liedgut der SS gehörten.

Doch die Kritik wies er wie stets in seiner Karriere zurück - "die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert worden sind", sagte er der "Bild"-Zeitung. Rückendeckung bekam er von seiner Frau Hannelore, die adelige Sängerin heiratete er 1979\. Es ist Heinos dritte Ehe.

Das Paar suchte sich an ihrem Wohnort in Bad Münstereifel auch schon eine gemeinsame Grabstätte aus. Während Heino seinem Sohn nach seinem Tod nur den Pflichtteil im Erbe zukommen lassen will, lockt er für den Lebensabend Menschen, die sich um ihn kümmern. "Wer uns pflegt, erbt unsere Millionen", sagte Heino jüngst der "Bunten".

(özi/AFP)
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