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Haydns „Schöpfung“ in der Tonhalle

Oratorium : Bibel mit Charme: Haydns „Schöpfung“ in der Tonhalle

Ádám Fischer dirigierte das beliebte Oratorium mit feinen Solisten und dem Chor des Musikvereins.

Der Hörer des ersten städtischen Symphoniekonzerts der Saison tat gut daran, das Kind in sich zu wecken und damit auf das Wahrnehmungsniveau des Komponisten zu gelangen. Joseph Haydn wollte in seiner „Schöpfung“ keinen evolutionswissenschaftlichen Beitrag leisten, sondern mit großen, naiven Augen die Geschichten der Bibel zu Wort und Klang werden zu lassen.

In der Tonhalle zog das erste Buch Mose in freudigem Realismus an uns vorbei. Ádám Fischer legte Wert auf frische Farben, lebendigen Gestus und jenen Schwung, der alles beflügelt und ohne den jede „Schöpfung“ eine zähe Angelegenheit ist. Die Symphoniker ließen sich nicht bitten und statteten das Chaos mit Drastik und die Erschaffung von Mensch und Tier mit einem Charme aus, der uns klarmachte: Diese Sache kann, trotz der vielen Komplikationen, die wir Menschen der Schöpfung einbrocken, eigentlich nur gut ausgehen.

Die Solisten sangen glänzend, harmonierten fein und waren auf heitere Weise ironisch begabt, vor allem Miklós Sebestyén (Bass-Bariton) und Fatma Said (Sopran). Uwe Stickert (Tenor) fiel dagegen etwas ab. Dem rundum prachtvollen Musikverein merkte man das Vergnügen an, wieder mal ein Werk aus seinem Kernrepertoire singen zu dürfen. – Dankbarer Beifall.