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Eurovision Song Contest: Grün statt glitzernd: Malmö und sein herzlicher „Billig-ESC“

Eurovision Song Contest: Grün statt glitzernd : Malmö und sein herzlicher „Billig-ESC“

Von wegen größer, teurer, protziger: Die Zeiten des zunehmenden Gigantismus beim Eurovision Song Contest scheinen vorbei zu sein. Bei der 58. Ausgabe in Schweden ist alles eine Nummer kleiner, dafür herzlicher. Die wohl größte Musikveranstaltung der Welt befindet sich im Wandel. Einen Wandel durchlebt auch der Austragungsort Malmö.

Der ESC muss in Zeiten der europaweiten Finanzkrise auch für kleinere Länder finanzierbar bleiben, dachten sich die schwedischen Organisatoren und verpassten dem Event, das in ganz Europa Jahr für Jahr rund 125 Millionen Menschen vor die Fernseher lockt, einen Einschnitt. Anstatt in die neugebaute, 65.000 Zuschauer fassende Friends Arena in Stockholm ging es ins mit rund 300.000 Einwohnern verhältnismäßig kleine Malmö, wo in der Malmö Arena, der Spielstätte der heimischen Eishockeyklubs, rund 12.000 Zuschauer die einzelnen Shows verfolgen werden. Mit Comedian Petra Mede als alleiniger Moderatorin sowie mit Einspielfilmen zu den einzelnen Interpreten anstatt zu Land und Leuten des Gastgebers setzt sich die Veranstaltung zusätzlich von den vorherigen ab.

Der Kontrast vom neureichen aserbaidschanischen Baku, wo im Vorjahr mit Öl-Millionen nur so um sich geworfen wurde, zur geerdeten Ostseestadt Malmö könnte kaum größer sein. Blitzte und blinkte in Baku noch alles und war brandneu, statteten die Organisatoren das anliegende Pressezentrum mit Equipment aus Omas Gerümpelschrank aus. Die Tische und Steckdosen haben beim ersten Grand Prix d'Eurovision de la Chanson in Malmö im Jahr 1992 wohl auch schon ihre Dienste erledigt. Unter dem Veranstaltungsmotto "We Are One" soll Herzlichkeit im Vordergrund stehen, nicht Pomp. Den Grand-Prix-begeisterten Schweden gelingt das spielend.

Bereits fünf Siege für Schweden

Das Land der Elche ist nämlich nicht nur durch ABBA die heimliche Heimat des Eurovision Song Contest. Mit fünf Siegen ist Schweden zusammen mit dem Vereinigten Königreich nach Irland das zweiterfolgreichste Land der ESC-Geschichte, im vergangenen Jahr stammten 16 der 42 internationalen Beiträge aus schwedischer Komponistenfeder. Schon die sechsteilige einheimische Vorentscheidung, das Melodifestival, ist in jedem Jahr ein Straßenfeger. Die Schweden lieben ihre "Schlager-EM", wie sie die Veranstaltung gerne nennen.

Schmetterling als ESC-Symbol

So steht ganz Malmö bereits eine Woche vor dem Finale am 18. Mai, bei dem das Bonner Dance-Projekt Cascada mit ihrem Hit "Glorious" die deutschen Farben vertritt, im Zeichen des Schmetterlings. Das farbenfrohe Symbol des diesjährigen ESC ist an allen wichtigen Knotenpunkten der Stadt gegenwärtig, die Sehenswürdigkeiten mit ihnen geschmückt. Der Weg vom Hauptbahnhof, wo rund um die Uhr die Beiträge der vergangenen Jahre abgespielt werden, zum EuroClub, der Partyzone der angereisten Delegationen, ist mit türkisen Schmetterlingen gepflastert. Den Gästen wird auch ein Teppich ausgerollt — ein grüner. Der diesjährige ESC ist auch ein Öko-ESC. Passend zum neuen Image Malmös.

Austragungsort mit multikulturellem Flair

Malmö ist nämlich nicht mehr die triste, graue Industriestadt, die sie vor einigen Jahrzehnten noch war. Der Malmöer von heute bewegt sich mit dem Fahrrad fort und bedient sich an den zahlreichen Leitungswasserzapfstellen in der Stadt. Studenten besiedeln die hippe Hafengegend, im Zentrum wird es historischer, aber trotz einiger Baustellen nicht minder gemütlich. Menschen aus 174 verschiedenen Nationen sollen in Malmö ihr Zuhause gefunden haben und geben der Stadt ein multikulturelles Flair. Zu essen gibt es am Straßenrand statt schwedischer Köttbullar oftmals Döner oder Ente süß-sauer.

Bekanntester Malmöer ist wohl das schwedische Fußball-Idol Zlatan Ibrahimovic, das im einstigen Problembezirk Rosengard aufwuchs und Gerüchten zufolge auch beim diesjährigen ESC eine Rolle zugewiesen bekommen haben soll. Mit dem Bau und der Öffnung der Öresund-Brücke im Jahr 2000, die Schweden mit Dänemark verbindet, ist Malmö zudem ein größes Stück näher an das restliche Europa gerückt. Passend zum Motto "We Are One".

Eine Stadt in Wandel — wie der ESC.

Hier geht es zur Bilderstrecke: ESC - Bilder von der großen Eröffnungsparty

(csi/jre/csi)