Isabella Levina Lueen fährt zum ESC 2017: eine erfahrene Sängerin

Levina fährt zum ESC 2017: Germany geht auf Nummer sicher

Nach zwei verpatzten ESC-Teilnahmen geht Deutschland nun auf Nummer sicher. Mit Isabella "Levina" Lueen tritt eine erfahrene Sängerin in Kiew an. Das reicht für ein gutes Mittelfeld, sagen die Fans.

Es ist doch interessant. Da schimpfen die Gegner der Europäischen Union, die Vielfalt Europas werde zu Einheitsbrei zerstampft. Und da reibt ihnen ein Schlagerwettbewerb im Theatralik-Kostüm getarnt unter die Nase, dass sie mehr als falsch liegen.

Von einem einheitlichen Musikstil ist Europa weit entfernt

Kein Grund zur Sorge also, für die EU-Gegner. Wenn die Europäische Union auf dem Weg zu einem europäischen Superstaat wäre — sie wäre doch nicht mächtig genug, auch etwas am Musikgeschmack zu drehen.

Das mussten die deutschen Kandidaten der vergangenen Jahre beim Eurovision Song Contest ertragen. Jamie Lee Kriewitz belegte 2016 den letzten Platz beim europäischen Gesangswettbewerb, genauso wie Ann Sophie ein Jahr zuvor. Germany Zero Points. Das war hart. Aber Europa wollte es so. Doch immer wieder fragt man sich, wieso mag der Rest Europas unser Lied eigentlich nicht?

Zweimal hintereinander auf dem letzten Platz gelandet zu sein, beunruhigt dann doch. Die Macher vom deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2017 hatten sich deshalb etwas Neues einfallen lassen, wie man schon im Vorfeld besser auf Europa hören konnte. "European Vibes", heißt das Konzept. Die Europäer durften per App eine Tendenz abgeben, wer ihnen am besten gefällt. Die Ergebnisse wurden dann in der Show präsentiert. Und die Deutschen haben auch zugehört.

Die Nummer sicher gewählt

Mit Isabella "Levina" Lueen (25) hat das Publikum nach zwei verpatzten Teilnahmen nun Sicherheit gewählt. Von einem "Lena-Effekt" ist Levina weit entfernt. Die Performance ist statisch, solide, souverän im besten Sinne. Nicht laut, schrill und aufgeregt — ebenfalls im besten Sinne. Nach zwei Niederlagen verlangt es nach Besinnung und Stabilität.

Die gebürtige Bonnerin "Levina" ist eine erfahrene Sängerin und mit Abstand die Beste im Wettbewerb. Als Kind schrieb sie eigene Lieder, spielte in einem Kindermusical eine Kartoffel und gewann den ersten Preis bei "Jugend musiziert". Über sich selbst sagt sie, dass zumindest sie sich lustig finde. Wenn man auf einer einsamen Insel gestrandet sei, wäre das ja auch am wichtigsten.

Levina hat ein Gesangsstudium abgeschlossen und studiert Musik Management in London. Und ist durchaus markant. Wenn sie spricht, klingt das nach Heike Makatsch, umwoben vom Rauch einer starken Zigarette und zwei Gläsern Scotch in der Hand. Wenn sie singt, klingt sie ein wenig wie Sia. Und ihr Erfolgssong "Perfect Life", der Deutschland in Kiew nun weit bringen soll, erinnert im Beat an "Dancing on my Own" von Robyn. Aber so ist das, wenn man am Anfang seiner Karriere steht. Dann wird man verglichen, bis man für sich selbst stehen darf.

So wie Conchita Wurst. Die österreichische ESC-Gewinnerin war auch beim deutschen Vorentscheid 2017 dabei und trat zusammen mit Nicole ("Ein bisschen Frieden") und Ruslana aus der Ukraine, die 2004 den ESC gewonnen hatte, in einem Medley auf. Conchita Wurst sang darin den deutschen Siegersong aus dem Jahr 2010 "Satellite".

Dass Levina den Deutschen wieder einen ersten Platz beschert, daran glauben die Fans zwar bislang nicht. Aber so hoch sind die Erwartungen ja gar nicht. Und wer weiß, der ESC habe ja bekanntlich seine eigenen Gesetze, sagt ESC-Fan Christian Schröder (32), der von Moderation Barbara Schöneberger während der Live-Show ans Mikro geholt wurde. Sie hat ihn zum ESC-Schauen nach Hamburg eingeladen. Und sie hätten auch schon Nummern ausgetauscht, erzählt der Kölner nach der Show.

Er trägt ein silberfarbenes Latex-T-Shirt und blinkende Schuhe. Das Wichtigste am ESC sei schließlich der Spaß, die Party, die gute Laune. Und überhaupt, wollen doch alle gerade "Second" sein — nachdem Donald Trump seine Parole "America First" ausgerufen hatte.

Auch Maik Dähne hatte Barbara Schöneberger während der Live-Show zum Interview rausgefischt, weil er ein solch schönen ESC-Fanschal trug. Der 31-Jährige kommt bereits zum fünften Mal zu einem ESC-Vorentscheid und ist extra aus Halle an der Saale angereist, erzählt er nach der Show. Die deutsche Teilnehmerin aus dem Jahr 2013, Cascada, habe ihm gut gefallen ebenso wie Conchita Wurst. Levina, glaubt er, wird am 13. Mai in Kiew auf einem soliden Mittelfeldplatz landen. Das wäre für deutsche Verhältnisse ja mal wieder richtig gut.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war der ESC-Vorentscheid 2017

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