Eurovision Song Contest (ESC): Ann Sophie bekommt null Punkte

Eurovision Song Contest : Germany: Zero Points

Die deutsche Kandidatin Ann Sophie gibt sich tapfer, doch die Niederlage ist bitter: Deutschland hat beim Eurovision Song Contest keinen einzigen Punkt bekommen.

Null Punkte. So eine bittere Niederlage hat Deutschland schon seit einem halben Jahrhundert nicht mehr beim Eurovision Song Contest erlebt. Damals, im Jahr 1965, hatte Ulla Wiesner mit "Paradies, wo bist Du?" das letzte Mal nirgendwo in Europa einen Stich gemacht.

Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel, der selbst manches Mal seine Wunden lecken musste, hatte es geahnt. Er hatte der deutschen ESC-Hoffnung Ann Sophie im Vorfeld wenig Chancen eingeräumt: "Die Schweden haben eigentlich ganz Europa im Griff", sagte er "Focus Online". Der Schwede Måns Zelmerlöw (28) galt allgemein als Favorit - und landete am Ende souverän an der Spitze - vor Russland und Italien. Ehrengast Australien wurde Fünfter.

Die Hamburgerin Ann Sophie hatte, obwohl durch eine Erkältung angeschlagen, einen soliden Auftritt hingelegt. "Man kann Ann Sophie überhaupt nichts vorwerfen, sie hat einen super Job gemacht", sagte ESC-Kommentator Peter Urban nach dem Finale. Der Song habe allerdings offensichtlich nicht den Nerv der anderen Nationen getroffen. Hinzu sei ein Sondereffekt gekommen: "Es gab eine Reihe von Favoriten, die haben alle Stimmen abgesahnt."

Sogar das Auswärtige übte sich in spontaner Krisenintervention: "Kopf hoch @AnnSophie!", twitterte das Ministerium nach der ernüchternden Punktevergabe.

Es war offenbar ein Trost für die 24-Jährige, dass Gastgeber Österreich sich mit Deutschland die Rote Laterne teilt. Gut gelaunt posierte sie mit den Leidensgenossen The Makemakes aus dem Nachbarland: "Wir haben beide null Punkte und wir freuen uns darüber." Sie betont: "Es war definitiv eine Achterbahn. Es hat trotzdem super Spaß gemacht."

Bei der deutschen ESC-Party auf der Hamburger Reeperbahn versuchte auch Moderatorin Barbara Schöneberger das Debakel mit Humor zu überspielen: "Null Punkte, das hat schon wieder Charakter."

Wieder einmal also die Schweden. Zum sechsten Mal seit dem Triumph von Abba mit "Waterloo" im Jahr 1974 holte das skandinavische Land den Titel. Besonders innovativ ist die zum Mitgrölen einladende Pophymne "Heroes" musikalisch nicht. Die Stimme von Måns Zelmerlöw ebenso wenig - spektakulär war allerdings die perfekt orchestrierte Bühnenshow mit Strichmännchen-Animationen. Der Grand Prix wandert nun wieder nach Skandinavien, wo er gerade hergekommen war. Erst 2014 hatte Dänemark Europas größten Songwettbewerb ausgerichtet.

Obwohl alle Buchmacher zwischen Hammerfest und Sizilien Zelmerlöw den Sieg vorhergesagt hatten, zeigte der 28-Jährige sich fassungslos: Er stellte sich zur Vorjahressiegerin, der Dragqueen Conchita Wurst, und sagte: "Wir sind alle Helden, egal, wen wir lieben, mit wem wir zusammen sind, wer wir sind." Die Satz ist nicht so banal wie er klingt, sondern hat eine Vorgeschichte. Der Schwede hatte sich nach einem umstrittenen TV-Auftritt dem Vorwurf der Homophobie ausgesetzt gesehen. Traditionell hat der ESC eine große schwule Fan-Gemeinde.

Was man noch über den ESC 2015 wissen muss: Das vermutlich schlechteste Lied hatte mal wieder Großbritannien, das es diesmal mit Electro Swing probierte, aber immerhin 5 Punkte bekam.

Die wohl bizarrste Bühnenshow lieferte Aserbaidschan mit wilden Verrenkungen von zwei Tänzern ab. Und den Sonderpreis für das schlimmste Kostüm dürfte die georgische Teilnehmerin mit einem schwarzen Latex-Dress und Vogelfedern an den Schultern verdient haben.

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(dpa)
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