ESC-Vorentscheid 2018: Youtuber Michael Schulte tritt für Deutschland an

ESC-Vorentscheid: Michael Schulte - ein Youtuber für Deutschland

Michael Schulte hat den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gewonnen. Mit dem Lied "You Let Me Walk Alone" darf der Musiker im Finale des Eurovision Song Contest in Lissabon antreten.

Der 27-jährige Michael Schule hat den Vorentscheid für den Eurovision Song Contest gewonnen und singt am 12. Mai in Lissabon für Deutschland. Er überzeugte mit dem sehr persönlich gefärbten Lied "You Let Me Walk Alone", in dem er über seinen früh verstorbenen Vater singt. Schulte, der einen eigenen Youtube-Kanal mit 200.000 Abonnenten hat und mit seiner roten Strubbelmähne ein wenig an Ed Sheeran erinnert, lieferte einen stimmigen, souveränen Auftritt ab.

Und der Song hat tatsächlich das Zeug, die ESC-Schlappen der vergangenen Jahre — zweimal letzter Platz, einmal vorletzter — vergessen zu machen, weil er sowohl eine einprägsame Melodie bietet als auch das Herz anspricht. Eigentlich eine ideale Kombination.

Schulte setzte sich gegen fünf Mitbewerber durch, die in einem fast mathematisch ausgeklügelten Verfahren ausgewählt wurden. Sowohl eine 100-köpfige Eurovisions-Jury, die den Geschmack der europäischen TV-Zuschauer vorempfinden sollten, als auch 20 internationale Juroren, die bereits ESC-Erfahrung besitzen, mussten begeistert werden. Beide Jurys durften auch am Donnerstagabend über das Siegerlied mitbestimmen, genauso wie die Fernsehzuschauer.

Die Stimmen wurden je zu einem Drittel gewertet und am Ende der Show ähnlich wie im ESC-Finale abgerufen. Das war zwar etwas länglich, aber auch einigermaßen spannend. Michael Schulte holte bei beiden Jurys und den Zuschauern jeweils zwölf Punkte und damit die höchste Wertung. Das Votum für ihn war damit also sozusagen einstimmig.

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Bei den Auftritten zeigten sich zuvor einige der jungen Künstler recht nervös. Als erste auf der Bühne wirkte Natia Todua etwas verloren, ihre Stimme am Anfang dünn. Ganz in Weiß gekleidet, sang sie die wenig eindrückliche Pop-Ballade "My Own Way". Zu aufgeregt zappelte sich auch Xavier Darcy durch seinen Folk-Song "Jonah" und nahm dem durchaus kraftvollen Stück etwas von seiner Wirkung.

In Lederhosen jodeln mag beim ESC durchgehen, der Volksmusik-Schlager-Pop von Voxxclub gehört aber in die Party-Scheune. Die fünf Jungs wirkten sympathisch, ihre Musik ist furchtbar. Als ganz andere Kaliber erwies sich Rick Jurthe alias Ryk, dessen sehr getragene Ballade "You And I" auch zu berühren wusste, der aber zu streberhaft daherkam und gegen eine überflüssige Tänzerin auf dem Klavier ansingen musste. Mit der schönsten Stimme unter den Wettbewerbern punktete Ivy Quainoo, hatte aber leider eines der schlechteren Lieder.

Auch die Moderation von Elton und Linda Zervakis holperte, wirkte das Duo doch bemüht locker, fast erdrückt von der Last, einen erfolgversprechenden Musiker zu küren. Zumindest das könnte mit Michael Schulte gelungen sein.

(jis)