ESC 2018 in Lissabon: Deutschland wird mit Michael Schulte Vierter, Israel gewinnt

ESC-Finale in Lissabon : Israel gewinnt - Deutschland landet auf dem vierten Platz

Michael Schulte hat Deutschlands Niederlagenserie beim Eurovision Song Contest beendet. Der 28-Jährige erreichte in Lissabon überraschend den vierten Platz. Favoritin Netta aus Israel gewann - mit einer Botschaft an junge Frauen.

Michael Schulte bekam für seinen Song „You let me walk alone“ von den Jurys und dem Publikum aller Teilnehmerländer insgesamt 340 Punkte. Die Siegerin Netta (25) aus Israel erhielt 529 Punkte. Ihr Lied „Toy“ ist durchaus politisch in Zeiten der #MeToo-Debatte. Die Botschaft an junge Frauen: Nehmt Euch an, so wie Ihr seid und seid stolz auf Euch selbst. Ihr seid nicht das Spielzeug (Englisch: toy) von Männern.

„Platz vier, oh mein Gott“, sagte der norddeutsche Sänger Schulte zufrieden und strahlend nach der Show zu Moderatorin Barbara Schöneberger im ARD-Fernsehen. „Das ist so verrückt.“ Die Fans bei der deutschen ESC-Party in Hamburg, zu der er per Video zugeschaltet war, jubelten ihm zu. Im Lied von Michael Schulte geht es um den Tod seines Vaters - dieser starb vor einigen Jahren.

Beste Platzierung seit Lena

Michael Schulte beendete für Deutschland äußerst klar die Niederlagenserie der vergangenen drei Jahre, als immer nur letzte Plätze oder der vorletzte Platz herauskamen. Schulte erreichte die beste Platzierung seit dem Sieg von Lena Meyer-Landruth vor acht Jahren. Zuvor gab es kein besseres deutsches Abschneiden in diesem Jahrtausend; 1999 war die Band Sürpriz („Reise nach Jerusalem - Kudüs’e seyahat“) Dritter geworden. Für Israel ist es der vierte Triumph beim ESC - nach 1978, 1979 und 1998. Deutschland gewann bisher zweimal beim ESC: 2010 mitr Lena und dem Song „Satellite“ sowie mit Nicole 1982 und dem Lied „Ein bißchen Frieden“.

So war der Auftritt von Michael Schulte beim ESC

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gratulierte der Sängeirn Netta zu ihrem Sieg. „Netta, Du bist ein echter Schatz“, twitterte er. „Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Damit machte Netanjahu klar, dass der Wettbewerb 2019 voraussichtlich in der Stadt stattfinden wird, die Israel als seine Hauptstadt beansprucht. Dies ist allerdings international umstritten. Netanjahu rief Netta Barzilai nach ihrem Sieg in Lissabon auch an, um ihr zu gratulieren. Er sagte der Sängerin, sie sei „Israels beste Botschafterin“.

Störer stürmt die Bühne

Beim Finale des 63. ESC konkurrierten 26 Kompositionen. Zum vierten Mal war auch Australien als Ehrengast dabei, weil es dort so viele ESC-Fans gibt. Hinter Israel landete auf Platz zwei Zypern (Eleni Foureira mit „Fuego“), vor Österreich (Cesár Sampson mit „Nobody But You“), Deutschland und Italien (Ermal Meta & Fabrizio Moro mit „Non mi avete fatto niente“).

Beim Auftritt der britischen Kandidatin SuRie stürmte ein Störer die Bühne und entriss der Sängerin das Mikrofon, er wurde von Sicherheitsleuten weggebracht. Die souverän weitersingende SuRie lehnte eine Wiederholung ihres Auftritts ab. Sie kam am Schluss auf Rang 24.

Netta gewinnt mit „Toy“ den ESC 2018

Mit dem ESC-Sieg ist kein Geld, sondern nur eine Trophäe für die Komponisten verbunden - außerdem die Austragung der Veranstaltung im Folgejahr. Insgesamt nahmen am Song Contest in diesem Jahr 43 Länder teil, so viele wie zuletzt beim ESC in Düsseldorf vor sieben Jahren.

Deutsche Jury gibt zwölf Punkte an Schweden

17 der 43 Teilnehmer 2018 wurden in den beiden Semifinals (Halbfinals) am Dienstag und Donnerstag aussortiert, darunter auch Russland, die Schweiz und Belgien. Deutschland ist als großer Geldgeber jeweils automatisch für das Finale gesetzt, ebenso Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Auch der Gastgeber, also diesmal Portugal, muss sich nicht qualifizieren.

Die Zuschauer konnten wie immer über den Sieger mit abstimmen, jedoch nicht für die eigene Nation. Ihr Voting wurde ergänzt von nationalen Jurys. In diesem Jahr war die komplizierte und vielen als kultig geltende Punkteverkündung von Jurys und Publikum bereits zum dritten Mal getrennt voneinander. Sie dauerte rund 40 Minuten.

Die Jury-Punkte aus Deutschland gab Barbara Schöneberger bekannt. Sie war live von der ESC-Party auf der Hamburger Reeperbahn zugeschaltet. Die Höchstwertung der deutschen Juroren - zwölf Punkte - ging an Schweden, das am Ende Platz 7 belegte.

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(wer/dpa)