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Elvis Presley zum 80. Geburtstag: Der ewige King

Elvis Presley zum 80. : Der ewige King

Vor 80 Jahren wurde Elvis Presley in Tupelo, Mississippi, geboren. Bis heute wird der Rock'n'Roll-Sänger fast kultisch verehrt und mit seiner Musik ein Vermögen verdient. Die Geschichte einer beispiellosen Karriere.

Für einen Toten ist Elvis sehr lebendig. Und bemerkenswert widerstandsfähig. Ob schmerbäuchige Doubles oder öde Musicals, ob Sichtungen an nahezu jedem Ort der Erde (und auf dem Mars), ob nichtssagende Biografien oder Versteigerungen peinlichster Memorabilia - der Sänger aus Tupelo, Mississippi, hat bisher noch alles ausgehalten. Nichts und niemand, so scheint es, vermag den Mythos Elvis ernsthaft zu beschädigen. Seine Platten werfen immer noch mehr Geld ab als die der meisten lebenden Künstler - mit 45 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr belegt Elvis auf der Forbes-Liste toter Prominenter den zweiten Platz, hinter Michael Jackson. Und das 38 Jahre nach seinem Tod. Elvis Presley starb am 16. August 1977, geboren wurde er am 8. Januar 1935. Heute wäre sein 80. Geburtstag gewesen.

Wie ist eine derartige Erfolgsgeschichte zu erklären? Zum einen hat er dem prüden Amerika die Unschuld geraubt, und den ersten Liebhaber vergisst man nie. Seine vordergründig harmlosen Texte intonierte er als laszives Geflüster, dazu kam auf der Bühne ein ekstatisch-elastischer Becken-Tanz - alles zusammen traf die Jugend direkt unter der Gürtellinie. Als "sexueller Freibeuter" wurde Elvis verhöhnt, seine Auftritte als "Striptease in Kleidern" bezeichnet. Dabei war er es, der den Rock'n'Roll von bürgerlichen Konventionen befreite. "Seine Musik das erste Mal zu hören war wie aus dem Gefängnis auszubrechen", sagte Bob Dylan.

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Ein moderner Messias

Elvis verkörperte eine Freiheit, die bis dahin unvorstellbar war; sein liberales Credo entsprach dem Zeitgeist einer Jugend, die das konservative Korsett einer unseligen Apartheid-Politik abschütteln wollte. Elvis mischte nicht nur in seiner Musik schwarze und weiße Rhythmen in bis dato unerhörter Weise, er lebte dieses Miteinander auch vor - in einer Zeit, in der Schwarze und Weiße im Süden der USA nicht nebeneinander im Bus sitzen durften. Elvis hat dies nie interessiert; nicht den Zehnjährigen aus Tupelo, nicht den Jugendlichen aus Memphis, Tennessee. Er schlug eine Brücke zwischen Afrika, Europa und Amerika, musikalisch, spirituell, aber auch politisch. Denn zugleich war seine Musik reine Revolte, die alles veränderte, die die verlogene Moral der 50er entlarvte. Abgesehen vom Punk war Rock'n'Roll nie mehr so umstürzlerisch, so befreiend, so anders. "Es war, als ob er jedem einen Traum ins Ohr geflüstert hätte", sagte Bruce Springsteen. "Und wir alle träumten mit."

Elvis war eine Art moderner Messias; nicht von ungefähr besitzt seine bis heute ungebrochene Verehrung religiöse Züge, pilgern jedes Jahr 600 000 Menschen nach Graceland, seinem grandios größenwahnsinnigen Anwesen in Memphis - mit Dschungelraum inklusive Wasserfall. Graceland war Elvis' Antwort auf seine Kindheit in einer ärmlichen Holzhütte, die gepfändet wurde, als der Vater wegen Scheckfälschung hinter Gitter musste. Jahre später löste er mit "That's All Right, Mama" das Ticket, das ihn aus dieser Welt hinausführte und mit den folgenden Hits wie "Mystery Train" (1955), "Blue Suede Shoes" (1956) oder "Love Me Tender" (1956) in eine andere Umlaufbahn schoss. Elvis wurde zum King.

Flucht in den Alkohol

Seine Karriere ist aber auch die Geschichte einer perfekten Marketing-Strategie. Gemanagt wurde Elvis zu Lebzeiten von "Colonel" Tom Parker, der vorher gelb angemalte Spatzen als Kanarienvögel verkauft hatte. Parker entwickelte Elvis zur Marke, indem er seinen testosteronhaltigen Rock'n'Roll domestizierte und massentauglich machte. Was nicht unbedingt die Musik verbesserte, aber die Verkaufszahlen erhöhte. Zudem durfte sich Elvis durch 31 Spielfilme stümpern; das mehrte den Ruhm und füllte das Konto. Für den King war das bald zu viel, er flüchtete sich in den Alkohol, nahm Tabletten, futterte sich eine Wampe an. Eine Zeitlang ging es bergab, bis er sich doch noch mal aufraffte, es erneut wissen wollte. Und es allen Zweiflern zeigte. Die TV-Show "Aloha from Hawaii" sollen 1973 weltweit mehr als eine Milliarde Menschen gesehen haben - nicht mal die Mondlandung konnte ein solche Quote verbuchen.

Trotzdem war Elvis' Abstieg nicht aufzuhalten. Frieden fand er irgendwann nur noch mit sich allein. Dann setzte er sich ans Klavier und sang die Gospels aus seiner Jugend, suchte die Wärme der alten Spirituals, die Erlösung im Glauben. Bis er auch den verloren hatte. Seine Fans aber glauben weiter an ihn, tot oder lebendig. Unterstützt werden sie dabei von Elvis' Witwe Priscilla und seiner Tochter Lisa-Marie, die den Mythos weiter clever vermarkten, einschließlich einer Welttournee mit virtuellem Elvis. Der King ist seit seinem Tod stets präsent - kein Wunder also, wenn man ihn hier und da leibhaftig zu sehen wähnt.

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(RP)