Neues Album der Donots Auf sie mit Gebrüll

Münster/Köln · Das neue Album der Punkrock-Band Donots kommt am 3. Februar raus. Wir haben schon einmal in „Heut ist ein guter Tag“ reingehört und uns mit Sänger Ingo Knollmann über die Platte unterhalten.

Auf sie mit Gebrüll: Die Donots sind (v.l.) Jan-Dirk „Purgen“ Poggemann (Bass), Alex Siedenbiedel (Gitarre), Ingo Knollmann (Gesang), Eike Herwig (Schlagzeug) und Guido Knollmann (Gitarre). Die Punkband aus Ibbenbüren/Münster bringt am 3. Februar 2023 ihr neues Album "Heut ist ein guter Tag" heraus.

Auf sie mit Gebrüll: Die Donots sind (v.l.) Jan-Dirk „Purgen“ Poggemann (Bass), Alex Siedenbiedel (Gitarre), Ingo Knollmann (Gesang), Eike Herwig (Schlagzeug) und Guido Knollmann (Gitarre). Die Punkband aus Ibbenbüren/Münster bringt am 3. Februar 2023 ihr neues Album "Heut ist ein guter Tag" heraus.

Foto: Danny Kötter/Thezitteman

Ein Kind singt „Das ist der Weltuntergang“ – voller Elan und irgendwie auch voller Zuversicht. Damit beginnt das neue Album der Punkband Donots, und dieser scheinbare Widerspruch zwischen Inhalt und Form packt den Hörer innerhalb weniger Sekunden. Der Einstieg in ihre zwölfte Platte mit dem Titel „Heut ist ein guter Tag“ sollte eigentlich völlig anders aussehen, wird Donots-Sänger Ingo Knollmann später sagen. Zum Glück haben sich die Musiker aber noch einmal umentschieden.

Das kurze Intro rollt auf perfekte Weise den Teppich für den ersten Song aus. Das Album beschleunigt mit einer ungeheuren Wucht und prescht schon im ersten Song mit einer beeindruckenden Energie nach vorne: „Auf sie mit Gebrüll“ ist ein total eingängiger Song mit einem für Punk eher außergewöhnlichen, aber mitreißenden Beat – der Kopf beginnt unwillkürlich mitzuwippen, der Refrain wird beim zweiten Durchgang sofort mitgesungen, das Lied bleibt im Kopf, auch Stunden später noch. „Wir haben mit dem Song unsere beiden Konzerte in Münster Ende November eröffnet, da hatten wir das Lied gerade erst veröffentlicht“, sagt Ingo Knollmann. Ganz frische Stücke zum Auftakt eines Konzerts zu spielen, sei eigentlich keine besonders gute Idee: „Die Leute hören bei neuen Liedern erst mal zu, gehen nicht ab – hier war das aber komplett anders“, sagt der Donots-Sänger. Die Halle Münsterland ist beim Grand Münster Slam komplett ausgerastet, und das an zwei Abenden hintereinander.

Neben „Auf sie mit Gebrüll“ haben die 1994 in Ibbenbüren gegründeten Donots in den vergangenen Wochen noch zwei weitere Lieder veröffentlicht: „Hey Ralph“ und „Augen sehen“. Bei letzterem singt Gitarrist Guido Knollmann, Ingos Bruder. „Er singt, naja, sagen wir mal unorthodox“, sagt Ingo Knollmann. Die rauchig-kratzige Stimme hat Charakter, passt hervorragend zu diesem Punk-Liebeslied. Danach folgt auf dem neuen Album „9 Leben“, ein etwas gemächlicher Song, bei dem Ingo Knollmann von Gastmusiker Jörkk Mechenbier („Love A“, „Schreng Schreng & La La“) unterstützt wird. „Hunde los“ klingt nach Ska, bei „Traurige Roboter“ geht es zu Beginn in Richtung 80er-Jahre, bei „Es tut nur weh, wenn ich lache“ kommen Oldschool-Punks auf ihre Kosten, „Hey Ralph“ finden wahrscheinlich auch Menschen gut, die sonst vor Punk weglaufen. „Heut ist ein guter Tag“ ist ein ziemlich vielseitiges Punkalbum. Die Songs reißen selten die Drei-Minuten-Marke („Wir wollen nicht rummäandern, wenn bereits alles gesagt ist“, sagt Ingo Knollmann), der Sound ist harmonisch und entweder sofort oder nach wenigen Takten klar als Donots-Werk erkennbar – ohne als Wiederholung zu wirken. „Wir haben noch nie so sehr nach uns selbst geklungen“, sagt Ingo Knollmann.

Die Texte sind intelligent, humorvoll („Der Titel zu ,Radikale Passivisten‘ war eigentlich ein schlechter Scherz, aber wir haben im Proberaum alle laut gelacht, als unser Gitarrist Alex genau das gesagt hat“, erklärt Ingo Knollmann – aus dieser Wortschöpfung entstand dann der Song) und in der Regel positiv. Nicht alles ist schlecht, und wenn doch, dann wird es nicht nur abgelehnt, sondern etwas Zuversichtliches darin gesucht. Das tut gut. Ingo Knollmann erklärt die Donots-Einstellung, die sich in den Texten widerspiegelt, so: „Eine heile Welt ist gerade ja nicht unbedingt – aber es bringt nichts, nach hinten zu fallen. Man muss nach vorne fallen, die Treppe rauf.“ So wie Ralph in dem gleichnamigen Stück, das diese Haltung auf den Punkt bringt: „Hey Ralph, ich weiß, dein Jahr war schlecht - Aber glaub, glaub mir mal in echt - Das nächste, das wird gut.“

Für Sänger Ingo Knollmann endet mit Veröffentlichung des Albums über das eigene Label Solitary Man Records am 3. Februar endlich eine lange Zeit des Wartens. In der Corona-Pandemie hat die Band mit den ersten Aufnahmen zu „Heut ist ein guter Tag“ begonnen, jedoch mit dem Anspruch, „kein Corona-Album zu machen“, sagt Ingo Knollmann. Es sollte nicht melancholisch klingen.

In rund zehn Sessions in ihrem eigenen Studio in Münster haben die fünf Musiker die Platte aufgenommen. „Wir haben Ideen mitgebracht und gemeinsam die Songs geschrieben“, sagt Ingo Knollmann. Das sei zwischendurch ein echter Ego-Killer gewesen: „Jeder hat zu jedem Song etwas gesagt, wir haben über jede einzelne Textzeile und jedes Gitarrenriff gesprochen.“ Morgens habe er oft nicht gewusst, was bis zum Abend aufgenommen werden sollte. „Es war auch nicht alles gut, was wir aufgenommen haben – es war super viel Verschnitt dabei.“

Seit einigen Monaten ist das Album im Kasten. Der Releasetermin steht aber erst in einigen Tagen bevor. Die Zeit dazwischen war für die Band ein Auf und Ab: „Mal freust du dich wie Bolle auf die Veröffentlichung, mal hast du leichte Zweifel. Ich bin sehr ungeduldig. Am liebsten hätte ich das Album sofort herumgereicht und allen gezeigt, so wie man sein Neugeborenes am liebsten jedem zeigen möchte“, sagt Ingo Knollmann. Bald kann er endlich damit loslegen.

Kurz zurück zum Anfang des Albums. Die Donots wollten eigentlich mit dem Chorgesang aus dem letzten Stück „Endlich irgendwo“ in die Platte einsteigen, staatstragend gesungen von einer japanischen Opernsängerin. „Doch dann haben wir uns die Lieder in der Reihenfolge angehört, wie sie eigentlich auf das Album kommen sollten“, erklärt Ingo Knollmann. Die Opernsängerin am Anfang hätte irgendwie nicht so richtig funktioniert. „Und dann ist uns ein zwei Jahres altes Video eingefallen: Mein Bruder Guido wollte mit seiner Tochter eine Fahrradtour machen, und dann hat Emmi dieses Lied gesungen – das passt einfach perfekt zur Grundstimmung des Albums: Irgendwie ist alles in Schieflage, aber wir nehmen es mit einer gewissen kindlichen Leichtigkeit.“

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