Diese 11 unbekannten Platten sind auf Youtube ein Hit

Klick-Millionäre: Diese 11 unbekannten Platten sind auf Youtube Hits

Obwohl Youtube eine Videoplattform ist, laden User dort auch Musikalben hoch. Viele davon sind dem Großteil der Menschheit zwar völlig unbekannt - trotzdem erzielen einige bis zu 28 Millionen Aufrufe.

Es gibt eine Verbindung zwischen einem New Yorker Avantgarde-Musiker und einer griechischen Stonerrock-Band. Von einem japanischen Jazzpianisten führt ein geheimer Weg zu einem Metaltrio aus San Francisco. Auf Youtube laden Privatmenschen nicht nur Videos hoch, sondern auch Platten, für die sie nicht die Rechte besitzen. Die Künstler scheinen in vielen Fällen nicht einzuschreiten. Wer sich durch die Rubrik "Nächstes Video” klickt, kann dort zwischen den Welten springen. Das Erstaunliche: Obwohl selbst viele Musikkenner von diesen Künstlern nie etwas gehört haben, erreichen einige dieser Alben Millionen-Aufrufe.

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Wir stellen elf erstaunliche Klick-Millionäre vor.

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Cal Tjader - Latin Kick (1,3 Millionen Seitenaufrufe)

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Das Cover zu Cal Tjaders Platte "Latin Kick” zeigt Menschen mit Sombrero, die in der Wüste exakt im Schatten eines Kaktus sitzen und einem Konzert von Tjader und seinen Jungs zuhören. Tjader war ein US-amerikanischer Latin-Jazz-Musiker, er spielte das Vibraphon, eine Art riesiges Xylophon, und seine Platte von 1956 sollte man sich unbedingt in horizontaler Position und mit einem kühlen Getränk in der Hand anhören. 1,3 Millionen Mal wurde die auf Youtube bereits aufgerufen.

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William Basinski - Watermusic II (2 Millionen)

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Der New Yorker Avantgarde-Musiker William Basinski macht die rätselhaftesten Songs. Seine meditative Ambientmusik besteht aus Loops, die Stücke ändern sich kaum merklich. "Watermusic II” (2003) ist zwar nicht sein bekanntestes Werk, aber mit 2 Millionen Aufrufen sein erfolgreichstes auf Youtube. Es besteht bloß aus dem Track "Watermusic II”, der über eine Stunde dauert und bei dem man sich irgendwann fühlt wie unter Wasser.

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Om - Advaitic Songs (2,1 Millionen)

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Ein Youtube-User beschreibt die Musik so: "Listening to Om is like giving your brain a massage." Laut Wikipedia handelt es sich bei Om um ein Metaltrio aus San Francisco. Es ist aber nicht dieser markerschütternd laute Metal, sondern ein sehr getragener, geradezu spiritueller. Auf dem Cover von "Advaitic Songs” (2012) ist sogar Johannes der Täufer abgebildet. Die Songs sind teilweise mehr als elf Minuten lang. 2,1 Millionen Aufrufe hat ihnen das Werk eingebracht.

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Alfa Mist - Antiphon (3 Millionen)

Wer richtig angeben will, spielt seinen Bekannten diese Platte vor. Der Londoner Musiker Alfa Mist veröffentlichte 2017 in "Antiphon” ein dermaßen geschmackssicheres Album, dass man beinahe die Augen verdrehen möchte - aber sein Mix aus Jazz, HipHop und Soul ist einfach so dermaßen entspannt, erwachsen, warm und zugänglich, dass Ablehnung schwerfällt. 3 Millionen Aufrufe sind also kein Zufall.

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Naxatras - Naxatras (3,8 Millionen)

Wer sich das Album der griechischen Band Naxatras anhört, sollte sich auf einen langen Trip durch die Wüste einstellen. Auf ihrem Debüt von 2015 singen die Musiker wenig und mischen lieber Psychedelic, Jazz und Stonerrock. Der Mann, mit dem sie die Platte aufnahmen, heißt mit Vornamen Jesus. Mehr muss man nicht wissen. 3,8 Millionen Klicks sind das beste Argument.

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Ryo Fukui - Scenery (4,5 Millionen)

Dass Ryo Fukui so einen großen Erfolg auf Youtube hat, könnte auch daran liegen, dass seine Platten im Handel so schwer zu bekommen sind. 1976 veröffentlichte der Jazzpianist sein herrlich entspanntes Debütalbum "Scenery”, momentan steuert es auf 4,5 Millionen Klicks zu. Der Japaner betrieb mit seiner Frau einen Jazzclub in Sapporo. Im März 2016 starb er im Alter von 67 Jahren.

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Gregory Alan Isakov - That Sea, The Gambler (4,9 Millionen)

Seine Melancholie tut niemandem weh. Der in Philadelphia aufgewachsene Singer/Songwriter Gregory Alan Isakov schreibt wunderbare kleine Kunstwerke und landet damit regelmäßig in Fernsehserien ("Veronica Mars", "Suits", "Californication") und Werbespots (McDonald's, Subaru). "That Sea, The Gambler” (2007) hat sich auf Youtube zu einem mittelgroßen Hit entwickelt. 4,9 Millionen Aufrufe erzielt die dritte Platte des 38-Jährigen dort.

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The Underground Youth - Mademoiselle (5 Millionen)

Seine Fans gewann der Engländer Craig Dyer vor allem übers Internet, deshalb ist es nur logisch, dass seine Fans die Musik vor allem übers Internet hören. Mit seiner Band "The Underground Youth” veröffentlichte er im März 2010 die Platte "Mademoiselle” - und erreicht mit dem psychedelischen Postpunk bald die Fünf-Millionen-Hörer-Marke auf Youtube.

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The Sound Defects - The Iron Horse (11,9 Millionen)

Für einen Kerl, dessen Album fast zwölf Millionen Aufrufe auf Youtube erzielt hat, weiß man wenig über Brian Witzig und sein Projekt "The Sound Defects”. Er hat nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Witzig wohnt in Indianapolis und arbeitete zumindest bei Erscheinen von "The Iron Horse” 2008 als Netzwerkadministrator. Eine Webseite bezeichnet den Sound als Stoner-Rock, eine andere als Instrumental-HipHop. Gesichert ist jedenfalls, dass er es ausschließlich aus Samples zusammengebaut hat.

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The Glitch Mob - Drink The Sea (13 Millionen)

Wer auf düsteren Elektrosound steht, wird an The Glitch Mob aus Los Angeles seine Freude haben. Mit seinem Debütalbum "Drink The Sea” (2010) hinterließ das Trio zwar keinen Eindruck in den Charts, sammelte aber aber auf Youtube 13 Millionen Aufrufe. Mit dem zweiten Album "Love Death Immortality” reichte es dann auch für Platz 13 der Billboard-Charts.

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Tycho - Dive (27,8 Millionen)

Trotz einer Nominierung für den Grammy 2017 hat der Kalifornier Scott Hansen keine Berühmtheit erlangt. Auch nicht mit seinem Pseudonym "Tycho”, unter dem er Instrumentalsongs zwischen Pop, Postrock und Ambient veröffentlicht. Trotzdem hat sein zweites Album "Dive” von 2011 fast 28 Millionen Aufrufe. Das könnte auch daran liegen, dass sich mit der Platte die Welt in Sekunden ausblenden lässt.

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(seda)