Vor den Konzerten in Köln Die elf besten Songs von Depeche Mode

Düsseldorf · Welches Lied der britischen Band ist das beste? Die Auswahl ist gigantisch, die Qualität hoch. Versuch einer Hitliste vor den anstehenden Auftritten.

Martin Gore (l.) und Dave Gahan sind Depeche Mode.

Martin Gore (l.) und Dave Gahan sind Depeche Mode.

Foto: dpa/Anton Corbijn

Die besten Songs aus dem Werk von Depeche Mode auszuwählen, ist eigentlich so sinnlos, als wollte man die schönsten Wörter von Shakespeare oder die am effektivsten gesetzten Farbtupfer von Claude Monet herauspicken. Nur, um mal die Fallhöhe anzuzeigen. Aber natürlich tut man es dennoch, und zwar gerne, denn diese Stücke wiederzuhören, macht Spaß. Und außerdem steigert es die Vorfreude auf die anstehendem Konzerte, etwa die am 3., 5. und 8. April in Köln.

11. „Ghosts Again“ (2023)

Genau genommen gehört dieses Lied nicht in diese Liste. Es gibt Dutzende, die besser sind. Dass es dennoch aufgeführt wird, hat andere Gründe als die Qualität der Komposition: eine Verneigung vor der Lebensleistung. Davor, dass es diese Band noch gibt. Und dass es sie überhaupt gibt. Und natürlich auch davor, dass sie es schafft, fast 45 Jahre nach Band-Gründung Alben wie „Memento Mori“ zu produzieren, das endlich wieder eine rundum gelungene Platte war. Wie singt Dave Gahan: „Heaven’s dreaming.“

10. „World In My Eyes“ (1990)

Hätte es die Konzerte im Sommer 2023 nicht gegeben, würde auch dieses Lied nicht auf dieser Liste stehen. Dann würde „A Question Of Lust“ an dieser Stelle genannt werden oder „Just Can`t Get Enough“ oder „People Are People“ oder so. Aber im vergangenen Sommer gedachten Martin Gore und Dave Gahan des verstorbenen Kumpels Andy Flechters mit diesem Lied. Sie zeigten ein Porträt von „Fletch“, das sich während der etwa vier Minuten Spielzeit des Lieds allmählich veränderte: Seine Augen schlossen sich langsam. Deshalb steht das Lied hier.

9. „Personal Jesus“ (1989)

Bitte mal erinnern: Die erste Single zum „Violator“-Album war ein Stilbruch. Depeche Mode machen Gitarrenmusik! Vielleicht war dieses Lied deshalb so geeignet, von Johnny Cash gecovert zu werden. Bis heute einer der populärsten Songs der Band, spätestens im Konzert merkt man das. „Reach out and touch faith.“

8. „Home“ (1997)

Das Stück soll stellvertretend für alle von Martin Gore gesungenen Stücke stehen. So eine Engelsstimme! In den meisten Konzerten gibt es den Moment, da er alleine auf der Bühne steht und ein oder zwei Lieder singt. Das mindestens ebenso großartige „Somebody“ zum Beispiel. Und wer es noch nicht kennt, sollte sich „Compulsion“ anhören, den ersten Titel auf seiner Solo-EP „Counterfeit“ aus dem Jahr 1989. Vielleicht das beste Depeche-Mode-Stück, das gar nicht von Depeche Mode ist.

7. „Shake The Disease“ (1985)

Mit den Hits von Depeche Mode geht es einem wie Lebensmitteln oder besser Süßigkeiten, die man zu einer bestimmten Zeit total gerne mag, dann hat man sie über, aber irgendwann erinnert man sich wieder an sie und freut sich. Dieses Lied übersieht man leicht, weil es auf keinem regulären Album war, sondern „nur“ auf der Single-Compilation „81-85“. Man sollte es unbedingt wiederentdecken. Es spiegelt das Prinzip Depeche Mode in jenen Jahren: moderat düster, melodieverliebt, warm.

6. „Enjoy The Silence“ (1990)

1990, kurz vor Erscheinen des „Violator“-Albums, die Phase größten Erfolgs. Das berühmte Video mit Dave Gahan als König im Liegestuhl. Alan Wilder war damals noch dabei und überredete Martin Gore, das langsamere Demo bitte unbedingt zu beschleunigen. Weil das Stück so schön ist, und so beispielhaft für die klassischste Phase steht, dehnen sie es auf Konzerten immer aus. Man steht dann da und schaut auf ein Meer aus winkenden Menschen. „Words are very unnecessary.“

5. „Behind The Wheel“ (1987)

Vom Album „Music For The Masses“. Die Single-Version unterscheidet sich von der Album-Fassung, und beide sind auf ihre je eigene Art sehr gut. Wickelt das Publikum in eine warme, schwere Decke. Schöne Sogwirkung durch den Gesang von Dave Gahan. Könnte wie jeder mit der Perfektion flirtende Song ewig laufen.

4. „Blasphemous Rumours“ (1984)

In diesem Song meint man zu hören, dass Martin Gore die frühen Einstürzenden Neubauten mochte. Sehr allmählicher Aufbau. Bei 1:43 beginnt der beschleunigte Refrain. Schön das Blubbern, Prusten und Schäumen gegen Ende. Sehr trauriges Lied, das wie eine giftig eingefärbte Sumpflandschaft anmutet. Beklemmend dann das ersterbende Atem-Geräusch am Ende.

3. „Everything Counts“ (1983)

Am Ende von Margaret Thatchers erster Amtszeit werden Depeche Mode politisch: „Grabbing hands grab all they can.” Und natürlich kontrastieren sie den harschen Text im raffinierten Arrangement, in dem die Oboe am verblüffendsten ist. Wer den legendären Konzertfilm „101“ gesehen hat, wird nie die Szene vergessen, in der der rührend jung aussehende Dave Gahan dem Publikum im Rose Bowl in Pasadena dieses Lied übergibt. Er hockt in weißer Jeans und Muscleshirt auf dem Steg und kann nicht fassen, wie sie es singen, und irgendwann geben es die Menschen dem völlig fertigen Sänger zurück. Martin Gore schaut von hinten zu, er trägt eine weiße Spielführer-Binde, lange her.

2. „Never Let Me Down Again“ (1987)

Auch eine mögliche Nummer eins. „We’re flying high / we’re watching the world pass us by.“ Ein All-Time-Hit auf Konzerten. Wer Glück hat, erlebt Dave Gahan, wie er den Song open air und vorne auf dem Steg singt, sein Hemd aufreißt, es ins Publikum wirft und zu schweben beginnt. Martin Gore fallen dann immer treffende Worte ein: „See the Stars, they’re shining bright.“

1. „Photographic“ (1981)

Glaubensfrage: „Photographic“ in der Version vom „Some Bizarre“-Sampler oder die vom „Speak & Spell“-Album? Vielen eingefleischten Fans ist erstere lieber, aber die etwas später veröffentlichte ist die prägnantere, bewusstere, auf Glanzeffekt polierte. Der Höhepunkt dieses sehr frühen Geniestreichs sind die rund 30 Sekunden zwischen Minute 1:26 und 1:54 in Version zwei. Wie sie das Tempo erhöhen, Volumen in den Song geben. Herrlich.

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