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Cro-Konzert in Köln: Vertrauen Sie dem Mann mit der Panda-Maske

Cro-Konzert in Köln : Vertrauen Sie dem Mann mit der Panda-Maske

Cro hat nur zwei Alben. Trotzdem hat er in Köln ein zweistündiges Konzert abgeliefert, das sich hören lassen konnte. Nur einmal ist er auf die Unterstützung seiner Backgroundsängerinnen angewiesen – und auf den ein oder anderen Überraschungsgast.

Cro hat nur zwei Alben. Trotzdem hat er in Köln ein zweistündiges Konzert abgeliefert, das sich hören lassen konnte. Nur einmal ist er auf die Unterstützung seiner Backgroundsängerinnen angewiesen — und auf den ein oder anderen Überraschungsgast.

Noch bevor sein erstes Album erschien, hatte der Rapper Cro den perfekten Eröffnungssong geschrieben: "Hi Kids", das er auch in der Kölner Arena gleich nach dem Intro bringt. "Hi Kids, ich bin Carlo! Werft den Arm hoch und gebt mir ein Hallo!", singt er. Die Zeilen sind passgenau auf ein Publikum zugeschnitten, das eher aus Teenagern als aus Jugendlichen besteht — hier sind also tatsächlich ziemlich viele Kids. Ihre Eltern warten vor der Halle oder sind gleich mitgekommen.

Sie mögen Cro und vertrauen ihm ihre Sprösslinge gerne für zwei Stunden an. Wer könnte einem Mann mit Panda-Maske misstrauen? Natürlich lüftet Cro sie auch am Donnerstagabend das ganze Konzert über nicht. Damit gibt er ungefähr das Gegenteil eines Gangster-Rappers ab. Ja, er ist auch mal frech, rappt unflätige Worte, singt unbestimmt von "Überdosen" und vom "Chillen mit der Chick im Bett". Aber meistens ist bei ihm alles unbedenklich, locker und entspannt. Die Welt ist schön, die Frauen auch und die Freunde cool.

Liebeslieder wie "Hey Girl" wirken bei Carlo Waibel alias Cro eher süß als sexuell aufgeladen. Eine von vielen Überraschungen dieses Abends auf der MTV Unplugged Tour: Als er zur Textstelle "Und wärst du eine Stadt dann auf jeden Fall New York" kommt, da stoppt die Band auf einmal und nimmt eine andere Fährte auf: Das Licht wird gedimmt, die Bühnenatmosphäre gediegen. Der Rapper versucht sich daran, Frank Sinatra zu imitieren und "New York, New York" zu singen. Gut, dass auf der schönen, mehrstöckigen Bühne ein paar wirklich gute Background-Sängerinnen stehen und ihm unter die Arme greifen.

Ein gesangliches Highlight bekommt der Abend erst, als Cro von Profis unterstützt wird. Von einer Sekunde auf die andere stehen "Die Prinzen" auf der Bühne, die Dinosaurier des deutschen A-Capella-Gesangs. Sie stimmen ihren 1990er-Jahre-Hit "Millionär" an — und überraschenderweise singen viele der "Kids", die vorher vor allem vor Entzückung gekreischt haben, mit.

Mit dem Berliner Rapper Teesy kommt später noch ein weiterer Gast dazu und rappt mit bei "Lang her". Irgendwann schießt ein Klavier aus dem Boden. Die Band fährt etwas runter und wird dem Unplugged-Konzept von vorwiegend akustischer Musik gerecht. Cro spielt "Melodie" und zeigt eine neue, melancholische Facette. Erstaunlich: Nach nur zwei regulären Alben hat er mit der Unplugged-Show ein vollständiges, abwechslungsreiches und überraschendes Abend-Programm auf die Beine gestellt, das gut zwei Stunden trägt.

Als er das erste Mal von der Bühne geht, schlägt ihm Begeisterung entgegen. Dennoch ist ein Phänomen zu beobachten, das mittlerweile oft bei Konzerten mit jungem Publikum vorkommt: Niemand klatscht mehr zur Zugabe. Ab und an kreischen vereinzelt Gruppen auf, dazwischen ist es gespenstisch still im Raum. Ein echter Rockstar würde so keine Zugabe mehr geben. Aber Cro kommt wieder. Er ist einfach zu nett.