Capital Bra - Der rappt doch, wie ein Messdiener flucht

Instagram-Rapper Capital Bra: Der rappt doch, wie ein Messdiener flucht

Capital Bra ist der größte deutsche Rapper 2018 und hat bei Instagram mehr Follower als Kollegah. Unser Autor hat vor wenigen Tagen zum ersten Mal von ihm gehört und will von seinen Fans nun wissen: Warum bitte steht ihr denn auf den?

Bisher hatte ich vor Jugendlichen Respekt, um nicht zu sagen: Angst. Sah ich sie in Gruppen ab zwei Personen auf mich zulaufen, fürchtete ich gleich die Faust oder um meinen Geldbeutel.

Unmöglich kann ich dieses Gefühl noch aufrecht erhalten, und das liegt an Vladislav Balovatsky.

Der Berliner Vladislav Balovatsky heißt als Rapper Capital Bra, er ist in Sibirien geboren. Bra heißt Bruder auf Russisch, Capital steht für Berlin. Das einzige, was mich an ihm beeindruckt, sind die Zahlen. Sein erfolgreichstes Video geht bei Youtube gerade auf die 50-Millionen-Marke zu. Er hat zwischen April und Juni vier Singles veröffentlicht, die alle Platz 1 der Charts erreichten. Auch sein Album „Berlin lebt“ landete auf dem Spitzenplatz und auf Instagram hat er gerade Kollegah als reichweitenstärksten Deutschrapper abgelöst - mit 1,6 Millionen Followern. Das ist ziemlich viel für jemanden, von dem ich bis gestern noch nie gehört hatte. Gerade hat ihn das Bushido-Label Ersguterjunge unter Vertrag genommen.

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Gleichzeitig erschrecken mich die Zahlen auch, denn ich habe keine Ahnung, wie sie sich erklären lassen.

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Warumwarumwarum? Warum, liebe Kids – und ich weiß, man sagt nicht mehr Kids, aber ich will euch einfach hart beleidigen – steht ihr auf diesen 23-Jährigen?

Ist das die Musik, mit der ihr euch von den anderen Generationen abgrenzen wollt? Ist das die Musik, die eure Seele spiegelt? Seid ihr wirklich so harmlos, ihr Lurche? Ich dachte, Rap hätte etwas mit Sprachgewalt zu tun. Wenn Capital Bra rappt, versteht man sowieso die Hälfte nicht, in der anderen Hälfte verlangt er „Ich will 22-Zoll-Räder und die Sitze aus Leder“ und informiert „Nur noch Cash in mein Head, jeder Song ist ein Brett“. Er beschreibt seine Vorstellung von Romantik: „Ich fühl mich frei, wenn ich einfach mit ihr rumfahr, komm wir fliegen nach Dubai und ich kauf dir voll viel Klunker“. Und dann der hier: „Das Leben ist ne Bitch, ich pack die Schlampe an der Gurgel.“ Ui! Er hat Bitch gesagt! Er hat Schlampe gesagt! Der rappt doch, wie ein Messdiener flucht.

Ich dachte auch, als Jugendlicher will man harte Rapmusik hören. Aber dann höre ich mir einen Track wie „Neymar“ oder „5 Songs in einer Nacht an“ und frage mich, ob dem Capital Bra die Leute die Beats bauen, die auch für Mike Singer arbeiten. Kinder, ich sag’s nur ungern, aber mit dieser Popmusik kann man nicht mal Tauben verjagen.

Der Capital Bra hat das wohl auch gemerkt und packt so viele Gefährlichkeitsmarker wie möglich in die Videos. Nämlich seine Homies, die schnellen Autos, einen ganzen Beutel voller Gras. Und dann, dann setzt er sich auf einen Steg an einem Bergsee. Steg! Bergsee!

Kids, wenn ihr mir das nächste Mal auf der Straße entgegenkommt, da renne ich nicht weg, da gebe ich euch ein Eis aus. Aber nur Vanille und Erdbeere. Alles andere ist viel zu hart für euch.