Böhse Onkelz: Warum sollte man sich auf das Comeback freuen?

Böhse Onkelz: Warum soll man sich auf dieses Comeback freuen?

Die deutsche Band Böhse Onkelz hat via Internet ein Comeback nach neun Jahren Stille in Aussicht gestellt. Viele Menschen freuen sich, zumindest klickten 18.000 User den "Gefällt mir"-Button auf der Facebook-Seite der Gruppe. Nur: Warum eigentlich?

Die Böhsen Onkelz veröffentlichten 1984 ein Album mit dem Titel "Der nette Mann". Die Platte gilt als stilbildend für das, was man Rechtsrock nennt. Die Musiker stammen aus Frankfurt am Main, einst bezeichneten sie sich als Anarcho-Punks, zu jener Zeit sympathisierten sie indes mit der Skinhead-Szene. Passend dazu handelten ihre Texte von Randale, Suff und Gewalt. "Wir saufen mit links und herrschen mit der Rechten", hieß es da. Von der Fußball-EM 1984 schwärmten sie als "Frankreichüberfall", Bandmitglieder wurden bei dem Turnier bei Ausschreitungen festgenommen. Das Titelstück erzählt Sänger Kevin Russell aus der Perspektive eines Kindermörders. Die Platte wurde 1986 wegen Jugendgefährdung indiziert, schließlich wegen Gewaltverherrlichung beschlagnahmt. 2011 wurde die Indizierung erneuert.

In den folgenden Jahren wandten sich die Bandmitglieder von der rechten Szene ab. Sie änderten zwar nicht ihren Namen, gaben sich aber geläutert. Wer auf ihren Konzerten die Hand zum Gruße hob, wurde mitunter verprügelt, gelegentlich sogar von den Musikern selbst. Sogar Kritiker bescheinigten der Band, sie habe sich geändert. Es waren die 90er Jahre, und die Böhsen Onkelz wurden zu einer der populärsten Hardrock-Gruppen im Land. Mehrfach Platz eins, volle Konzerte, Platin-Auszeichnungen. Die Lieder handelten nun von Umkehr, Einsicht, die Böhsen Onkelz zitierten Hermann Hesse. 2005 gaben sie ihr Abschiedskonzert vor 120 000 Fans. Und was spielten sie dort? "Der nette Mann", das Kindermörder-Lied von 1984.

Wie glaubwürdig ist eine Band, die sich so verhält? Was soll man von einem Werk halten, das dort endet, wo es nie hätte beginnen dürfen?

Sänger Kevin Russell verursachte 2009 unter Drogeneinfluss mit seinem Audi R8 einen Verkehrsunfall bei Tempo 232. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, Russel floh zu Fuß. Er wurde zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, begab sich in eine polizeilich überwachte Therapie. 2013 gab er sein Solo-Comeback. Er vergaß Texte, stand aber laut Eigenaussage zum ersten Mal seit 20 Jahren nüchtern auf einer Bühne.

Warum genau sollte man sich freuen auf diese Wiederkehr?

(RP)
Mehr von RP ONLINE