Nach acht Monaten Pause Apache 207s Comeback – 'Loser' trifft ins Herz mit glamouröser Traurigkeit

Düsseldorf · Nach acht Monaten ohne neuen Song veröffentlicht Apache 207 die Single „Loser“. Sie bietet Melancholie, Freundschafts-Romantik und einen Refrain mit Widerhaken. Was ist das Geheimnis des 26-Jährigen?

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Das ist Rapper Apache 207

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Foto: dpa/Nepomuk Fischer

Weil er ein paar Monate lang nicht Neues veröffentlich hatte und man das vorher gar nicht kannte von dem in hoher Frequenz produzierendem Apache 207, darf man jetzt ruhig von einem kleinen Comeback sprechen. „Loser“ heißt die neue Single des Mannes, der im vergangenen Jahr gemeinsam mit Udo Lindenberg das Lied „Komet“ auf dem ersten Platz der deutschen Charts abstellte und erst nach 21 Wochen wieder abholte.

Apache 207 wird meist als Rapper bezeichnet, er war das ja auch tatsächlich mal, ganz am Anfang zu seinen Macker-Zeiten. Inzwischen ist er aber eher so etwas wie der Chefromantiker des Genres, der Buddy-Poet und Fame-Melancholiker. In „Loser“ geht es vereinfacht gesagt darum, dass Berühmtsein gar nicht mal so toll ist, wie alle denken. Apache 207 beweihräuchert sich zwar ausführlich selbst („Die Crowd schreit laut / Alles ausverkauft“), wird aber demütig, wenn es geboten ist. Denn: Was zählt, ist wahre Freundschaft.

Standardmotive im Werk von Apache 207 sind die Erwähnung der Mutter, die „Vom-Bordstein-zur Skyline“-Erzählung über den Aufstieg aus dem sozialen Prekariat und das durchgedrückte Gaspedal. Das ist auch in „Loser“ so, wobei der Titel natürlich Koketterie ist: Im Video sieht man fette Karren, bestes Leben, viel Fun. Und wer die Amazon-Doku über sein Leben gesehen hat, wird nochmal erinnert: „Acht Zimmer, Zwei-Mio-Villa mal einfach so für die Mama“.

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Foto: Markus Rick (rick)

Das Geheimnis dieses Künstlers (oder wie man den Glutkern auch immer nennen möchte, der diese Lieder generationenübergreifend leuchten lässt) ist die Sadness: eine glamouröse Traurigkeit, die er wie warmen Honig über die von Jumpa effektvoll arrangierten Beats gießt. Das ist Kitsch, der im entscheidenden Moment runtergekühlt wird. Schlager von einem, der eigentlich ein Harter ist, aber kurz mal sein Herz auf der Zunge trägt. Ein Geständnis von jemandem, der sonst lieber schweigt. „Was weißt du von tausenden Menschen, die mit dir über deine Ängste sing’n?“, singt Apache 207 an einer Stelle in „Loser“ a cappella.

Er zeigt sich ja nur mit Brille (wegen Emotion und Verwundbarkeit), auch im neuen Video sind seine Augen verpixelt, wenn er mal keine trägt. Und er bekommt es irgendwie hin, dass das Publikum trotzdem in seine Seele zu blicken meint. Glaubt man den Kommentaren, die schon wenige Stunden nach Veröffentlichung von „Loser“ bei YouTube unter das Video gepostet wurden, ist in Deutschland selten so viel geheult worden wie am Freitagmorgen. Obwohl es draußen fast zehn Grad hatte, meldeten viele: Gänsehaut! Und das sind nur die, die zum Formulieren fähig waren. Die meisten waren so sprachlos, dass sie einfach mehrfach aufs Herz-Emoji drückten.

„Ich bin nur ein Loser, so hast du mich doch geseh’n.“ Bekommt man nicht mehr aus dem Ohr. Apache ist zurück.

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