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Albumkritik "Shore" von den Fleet Foxes

Albumkritik : Heilsame Musik von den Fleet Foxes

Die Band aus Seattle hat „Shore“ im Lockdown produziert. Zu hören gibt es melancholische Stücke mit geradezu therapeutischer Wirkung.

Folkrock Diese Platte tut gut. Die amerikanische Band Fleet Foxes hat sie während des Lockdowns eingespielt, und die Atmosphäre ist tröstlich; man atmet beim Hören immerzu aus: „Shore“ ist Waldbaden für die Ohren.

Die Fleet Foxes sind das Bandprojekt von Robin Pecknold aus Seattle, und der veröffentlichte 2008 sein schlicht „Fleet Foxes“ betiteltes Debütalbum, das so schön und zeitlos arrangiert ist, dass es längst als Klassiker gilt. Ein früher Geniestreich. Inzwischen ist Pecknold 34 Jahre alt, und man hört seinem neuen Werk an, dass er zuletzt noch häufiger die Beach Boys aufgelegt hat als zuvor.

Auf „Shore“ wickelt Pecknold den Hörer mit seiner Stimme ein. Er legt mehrere Gesangsspuren übereinander, er singt a cappella, er singt mit sich selbst im Duett und im Chor, er lässt die Worte als Echo zurückwerfen. Man hat ständig den Eindruck, man sei unter Menschen – aber ohne Aufregung und Trubeligkeit, sondern als Stütze und Rückgratverstärker.

Die Stimmung ist melancholisch, aber nicht beschwert, das ist die Melancholie desjenigen, der mit sich selbst im Reinen ist. Pecknold reichert seinen maritimen Naturversteher-Folk mit Soul an und verneigt sich vor Nina Simone, Sam Cooke und Arthur Russell. Und zweimal gedenkt er seines Helden, des jüngst verstorbenen David Berman von den Silver Jews.

Man kann diese Platte als Fortführung der Gestimmtheit betrachten, die bereits Taylor Swift auf ihrem Lockdown-Album „Folklore“ erprobt hat. Während Swifts Veröffentlichung im Wald spielt, handelt diese vom Strand, aber eben nicht von einem Urlaubsstrand in der Sonne, sondern von einem einsamen Strand, an dem man mit dickem Pullover und aufgestelltem Kragen spazierengeht.

Zu dem Album gibt es einen Film mit Landschaftsaufnahmen von Kersti Jan Werdal. Den sollte man sich unbedingt anschauen. Und dazu das jubilierende Lied „Young Man’s Game“ hören. Musik kann so schön sein. Philipp Holstein