1. Kultur
  2. Musik

AC/DC: Kranker Malcolm Young legt Pause ein

Mitteilung auf der Band-Homepage : AC/DC-Gitarrist Malcolm Young legt eine Pause ein

Jetzt ist es offiziell: Der Gitarrist von AC/DC, Malcolm Young, ist krank und legt eine Pause ein. Dies ist auf der Homepage der Band zu lesen. Die Gruppe selbst will vorerst ohne ihn weitermachen.

Geht eine Welt bald unter? Jene Welt, in die sich Jungs in Jeansjacken am Samstagabend flüchten, wenn es längst zu spät ist zum Weggehen. Die Welt, in der Autos schnell sind und Frauen aufgeschlossen. Die Welt, in der man nicht durch Ironie verunsichert wird, sondern sich wie ein Rebell vorkommen kann, weil man Härte und Dominanz von schreienden Gitarren borgt. Es ist die Welt von AC/DC.

Auf der Webseite der Band ist seit dem Mittwoch ein Hinweis zu lesen. "Nach 40 Jahren, in denen wir unser Leben der Band AC/DC gewidmet haben, muss unser Gründungsmitglied Malcom Young eine gesundheitsbedingte Pause machen." Die Band bittet die Fans darum, die Privatsphäre des Gitarren-Idols zu respektieren. Die Band wolle aber weiter Musik machen, ist zu lesen.

Spekulationen gab es schon länger. Der Rhythmus-Gitarrist und mit seinem Bruder Angus einziges verbliebenes Gründungsmitglied, hat sich nach einem Schlaganfall nicht erholt, hieß es. Er sei nicht mehr in der Lage, Gitarre zu spielen. Er habe vergessen, wie das geht, er könne sich einfach nicht erinnern. Sänger Brian Johnson beruhigte die Fans zwar. Er sagte, für Mai habe die Gruppe ein Studio in Vancouver angemietet. Dort werde man sich wie verabredet treffen. Man plane auch, dort Musik aufzunehmen. Nach der Mitteilung scheint klar: Die Band rockt vorerst ohne Malcom Young weiter.

Im legendären Outfit rockt Angus Young die Bühne. Foto: dpa

Womöglich wussten sie selbst nicht genau, was sie tun sollten. Ob sie den kranken Kumpel ersetzen oder eine Pause machen. Für die erste Lösung sprach der immense Erfolg der letzten Alben und Tourneen: Millionen Fans wären traurig, Millionen Dollars verloren. Für die letztere Lösung spricht der Schwur: Nie wieder werde man ein Bandmitglied austauschen, lautet er.

Brian Johnson und Angus Young. Foto: dpa

Der Satz gehört zum Mythos der Band, die 1973 zusammenfand und schon mal ein prominentes Mitglied verlor. Sänger Bon Scott ist einer der großen Toten des Rock. Nach einer durchzechten Nacht mit vielen "Rustys", dem Cocktail aus Bourbon, Scotch und Gin, ließ ihn ein Freund im Auto liegen, damit er seinen Rausch ausschlafe. Am Morgen fand er Scott tot: erstickt am eigenen Erbrochenen. Im Februar 1980 war das.

Scott war die Stimme von Hits wie "TNT" und "Highway To Hell". Er gab dem Sound der Band die Aufsässigkeit. AC/DC ist ja die Abkürzung für Wechselstrom, und die Gitarren klangen wirklich, als hätte jemand die Saiten aus der Steckdose gezogen. Das Schlagzeug war dumpf, und Scott behauptete sich in diesem Lärm, indem er seine Verse einfach hineinfräste und mit größtmöglicher Gemeinheit von Feuersbrünsten kündete, vom Kartenspiel schwärmte und dem Beckenboden-Bereich huldigte. AC/DC verkleidete das Böse als halbstarkes Mackertum. Die ersten Alben waren noch im Blues verwurzelt, auf dem vierten — "Powerage" aus dem Jahr 1978 — hatten sie ihren Trademark-Sound gefunden: gerade Takte, Power-Akkorde, stumpfer Beat, räudiger Gesang. Keine Bläser, Keyboards oder Backgroundsängerinnen. Fleisch braucht kein Gemüse. AC/DC wurde zum Urmeter für den Hardrock, sie sind die Donnergötter.

Das Wunder: Johnson ersetzt Scott

Das Wundersame an dieser Band war nun, dass sie 1980 Ersatz fand für Scott. Den Briten Brian Johnson nämlich, der mit der Schiebermütze und den Hemden ohne Ärmel. Das erste Album mit ihm am Mikro wurde ein Triumph. "Back In Black" enthält Hits wie "Hells Bells", es verkaufte sich 49 Millionen Mal — nur "Thriller" von Michael Jackson wurde häufiger abgesetzt. Johnson sang höher und schriller als Scott, aber er setzte dessen Werk kongenial fort. Eine erstklassigere Zweitbesetzung gibt es nicht.

AC/DC komponierte im Grunde nur einen Song. Aber der ist so großartig, dass man ihn sich über 40 Jahre in 200 Variationen anhören mochte. "Wenn man nach fünf Sekunden nicht erkennt, dass es sich um einen Song von AC/DC handelt, ist es kein Song von AC/DC", sagte Angus Young. Er selbst tat einiges dafür, dass AC/DC zur Marke wurde. Er trat in Schuluniform mit kurzer Hose auf, die Zeigefinger als Teufelshörner an die Stirn gelegt. In Konzerten wift sich dieser ins Negative gewendete Armor, dessen Pfeile keine Liebe stiften, sondern Krawall schüren, stets zu Boden und spielt die Gitarre im Liegen. So will es das Ritual. Und das Ritual ist alles.

Viele versuchten, das Geheimnis des Erfolges zu ergründen. Dabei ist diese Musik eben deshalb erfolgreich, weil sie kein Geheimnis hat. Es ist alles so gemeint, wie es gespielt wird. AC/DC beweist, dass in Beschränkung und Einfachheit große Würde liegt. Der gleich bleibende Druck, den diese Musik erzeugt, befreit. Das ist tröstlicher Krach, er gibt Sicherheit.

Eine Welt ohne AC/DC wäre das Chaos.

(rp)