Lebende Bilder Lieblings-Gemälde nachgestellt

Während die Museen geschlossen sind, stellen Leute berühmte Werke zu Hause nach – mit dem eigenen Körper. Das hat Tradition.

 „Die Wäscherin“ von Jean-Baptiste Greuze (1761) aus dem Besitz des J. Paul Getty Museums und eine Nachahmung von Elizabeth Ariza mit Tochter Emma.

„Die Wäscherin“ von Jean-Baptiste Greuze (1761) aus dem Besitz des J. Paul Getty Museums und eine Nachahmung von Elizabeth Ariza mit Tochter Emma.

Foto: dpa

Es begann mit dem Werk eines mexikanischen Malers, das einen Mann in Nachdenkpose vor einer Schale mit Getreide zeigt. Tom Wolff, Friedhofsgärtnermeister aus Düsseldorf, war nach einer Operation krankgeschrieben, die Welt draußen stand wegen Corona still. Also suchte Wolff nach einer Beschäftigung daheim. Er fand eine ähnliche Schüssel, legte statt des Getreides eine Bastmatte hinein und schob sich eine weiße Papierkrämpe unter das Hosenbein, um auszusehen wie der Mann auf dem Gemälde. Drappierter Hintergrund, Denkerpose, Selfie, fertig war das erste Kunstwerk – und Wolff Teil der wachsenden Gemeinde von Kunstfreunden weltweit, die ihre Corona-Zurückgezogenheit gerade nutzen, um ihre Lieblingswerke nachzustellen. „Ich hab mich früher nicht sonderlich für Kunst interessiert“, sagt Wolff (43), „aber das hat so viel Spaß gemacht, dass ich nach weiteren Motiven gesucht und immer mehr über Maler und ihr Werk gelesen habe.“ Inzwischen umfasst sein Oeuvre eine beachtliche Galerie. Die aufwendigste Inszenierung ist ein Caravaggio, für den Wolff sogar eine Requisite gekauft hat: Weintrauben.