Mülheimer Dramatikerpreis an Thomas Köck

Für das Stück „Atlas“ : Mülheimer Dramatikerpreis an Thomas Köck

Das Drama „Atlas“ gewinnt in Mülheim nach öffentlicher Abschlusdebatte.

(dok) Ein Stück, das aus der Sicht von Frauen von Fluchtbewegungen vor 50 Jahren erzählt, von den Boatpeople anderer Zeiten, hat den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen: „Atlas“ von Thomas Köck. Und das geschieht selten: Der österreichische Autor gewann am Ende des dreiwöchigen Stücke-Festivals in Mülheim auch den Publikumspreis. Die fünfköpfige Kritiker-Jury hatte in ihrer öffentlichen Abschlussdebatte auch Texte von Elfriede Jelinek und Enis Maci in die engere Wahl genommen, in denen sich die Autorinnen mit den Themen Missbrauch und medial vermittelte Gewalt beschäftigen. Am Ende gaben die Juroren vier Stimmen an Köck, eine an Jelinek, und stellten heraus, dass „Atlas“ ein sprachmusikalischer Text ist, der kunstvoll unterschiedliche Zeiten verwebt und von menschlichen Schicksalen erzählt, ohne auf individuelle Erlebnisse zu reduzieren. In der Debatte der Kritiker zeichnete sich ab, dass bei der Beurteilung aktueller dramatischer Texte die Relevanz der Themen stark berücksichtigt wird, aber auch formale Virtuosität und ein Zugang, der ohne moralische Belehrungen auskommt. Köck habe einen Text vorgelegt, der rhythmisch und komplex komponiert sei wie ein Gedicht, von der Flucht aus Vietnam, der Aufnahme in der DDR und den Auswirkungen der deutschen Vereinigung erzählt, aber mit großer Wucht die Gegenwart trifft. Sein Stück sei universell und tief bewegend. Köck war damit zum zweiten Mal in Folge in Mülheim erfolgreich. Im vergangenen Jahr erhielt der 33-Jährige für „Paradies spielen“ ebenfalls den Dramatikerpreis, der mit 15.000 Euro dotiert ist.

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