Mönchengladbach: Mozarts "Figaro" interaktiv

Mönchengladbach: Mozarts "Figaro" interaktiv

Nach zweijähriger Schließung ist das Mönchengladbacher Theater wieder voll funktionsfähig. Mit Mozarts Schlüsseloper "Die Hochzeit des Figaro" zeigt das Gemeinschaftstheater nicht nur, dass sein Rheydter Haus technisch und akustisch wieder mithalten kann im Konzert der Stadttheater. Der südafrikanische Regisseur und Sänger Kobie van Rensburg setzt noch eins drauf: Mit raffinierter Video-Einrichtung rüstet er die Bühne für die komplexe Intrigenkomödie zur animierten, interaktiven Oberfläche um.

Das beginnt in der Ouvertüre, die ihren Unterhaltungswert nicht allein dank der blitzsauberen, spritzigen Wiedergabe durch die von Graham Jackson geleiteten Niederrheinischen Sinfoniker gewinnt. Ein Trio war allein mit der Produktion aufwändiger Videoeinspielungen befasst. Diese liefen bei der Premiere störungsfrei und famos auf die Musik abgestimmt. Goldene Mozart-Kugeln scheinen vom Theaterzettel der Uraufführung zu kullern, Meister Mozarts Schädel klappt auf, ihm entsteigt ein Karussell mit Namen und Fotos der Akteure.

Auch das Szenario in den 14 Arien und 14 Ensembles setzt auf illustrierende Video-Technik. So wird das von Dorothee Schumacher und Lutz Kemper eher schlicht gestaltete Bühnenbild aus drei blockhaften Quadern zur Spielwiese für Projektionen – auch für die Übertitelung. Jede Figur der im italienischen Original gesungenen Oper verkündet ihre Botschaft zeitgleich in launig-frech aufblendender Übersetzung, so dass der Blick nicht mehr hin und her wandern muss. Der Zuschauer versteht den Ablauf, bis zu zarten Andeutungen und psychologischen Pointen, ganz direkt.

Auch das quirlig-turbulente Spiel selbst verrät van Rensburgs unverkrampften Willen zur Kreativität. Seine Ideen-Schwemme repräsentiert die zentrale Stärke der Inszenierung, die freilich durch die mediale Gestaltung – so die überflüssigen Buchstabenspiele im Power-Point-Stil – doch etwas überladen wirkt. Dass sich dennoch Mozarts geniale Musikdramaturgie prachtvoll behaupten kann, liegt sicherlich am Komponisten.

Andrew Nolen, der neu engagierte amerikanische Bass-Bariton, gefällt in der Titelrolle durch selbstbewusstes Spiel ebenso wie kraftvoll-geschmeidige Artikulation. Eine Entdeckung ist Laura Nicorescu, die als flinke Soubrette in der Rolle der Zofe Susanna bezaubert. Tobias Scharfenberger als gräflicher Schürzenjäger wirkt durch seinen soliden Kavalierbariton sympathischer als seine Rolle. Koloratursopran Dara Hobbs verkörpert die von ihrem untreuen Ehemann enttäuschte, dann doch generös verzeihende Gräfin anrührend, wobei das Requisit einer oft angesetzten Whiskyflasche augenzwinkernd Verständnis erheischt.

(RP)