Das war los beim Jazz-Festival in Moers Moers Festival verbindet die Musikkulturen

Moers · Die Länder Japan und Namibia standen am Pfingstwochenende im Mittelpunkt der 53. Ausgabe des Moers Festivals. Das Publikum erlebte einen Mix aus experimentellen Klängen, Improvisation und Weltmusik.

 Bariton und Opernkomponist Eslon Hindundu eröffnete das Moers Festival mit „Oumwe“, das Einheit bedeutet.

Bariton und Opernkomponist Eslon Hindundu eröffnete das Moers Festival mit „Oumwe“, das Einheit bedeutet.

Foto: Norbert Prümen

Rund 200 Musiker aus 20 Ländern, 100 Konzerte auf zwei Hauptbühnen und an vielen weiteren Spielorten in der Stadt: Die 53. Ausgabe des Moers Festivals sparte am Pfingstwochenende nicht an Superlativen. Dagegen wirkte das vom künstlerischen Leiter Tim Isfort ausgerufene Festivalmotto „Nix Berauschendes, nix Bewegendes“ wie eine humorvolle Untertreibung. Tatsächlich war das Zitat aber als Hommage an den Kabarettisten und Niederrhein-Poeten Hanns Dieter Hüsch gedacht, der am 6. Mai 99 Jahre alt geworden wäre.

Mehrere Musiker wagten am Wochenende die Neuvertonung seiner Gedichte, Texte sowie poetischen und politischen Lebensweisheiten – allerdings nicht wie Hanns Dieter Hüsch früher an der obligatorischen Orgel, sondern als eine experimentelle Versuchsanordnung an Bass, Gitarre, Saxofon, Schlagzeug und mit elektronischen Mitteln. Die Combo um Peter Engelhardt, der wie der Kabarettist aus Moers stammt, unterlegte die musikalische Improvisation mit Ton-Dokumenten aus alten Hüsch-Programmen. Und der Duisburger Joachim Henn inszenierte im Zusammenspiel mit der Band um den Trompeter Markus Türk die Hagenbuch-Texte des Kabarettisten neu.

Das Moers Festival blieb sich 2024 als Experimentierfeld der aktuellen zeitgenössischen Musik treu. Die Musikfreunde bewegten sich vier Tage lang zwischen der Konzerthalle am Solimare und der Open-Air-Bühne im Freizeitpark zwischen experimentellen und tosenden Klanggewittern, Free Jazz, Improvisation und Weltmusik. Festivalleiter Tim Isfort legte den musikalischen Fokus auf Japan und Namibia. Das Land in Südwestafrika verbindet mit Deutschland eine Kolonialgeschichte. Musiker wie der Opernkomponist und Bariton Eslon Hindundu und die in Namibia populäre Sängerin Shishani gaben Einblicke in die aktuelle Musikszene sowie die politische Lage ihres Landes. Mit dem Engagement der neunköpfigen Gruppe „JU/’Hoansi“ vom Stamm der San lernten die Besucher des Moers Festivals sogar eine der wohl ältesten Musikkulturen kennen.

Wem dies zu viel Folklore und zu wenig Experiment war, ließ sich entweder von den schroffen Klängen japanischer Bands oder den musikalischen Begegnungen von Koto-Spielerin Michiyo Yagi mit der Harfenistin Zeena Parkins aus den USA mitreißen. Die ganz großen Namen der aktuellen und improvisierenden Musik vermisste zwar mancher Besucher im Programm. Mit der Posaunen-Legende Conny Bauer, dem Saxofonisten Jan Klare und dem Gitarristen Caspar Brötzmann kamen aber auch sie auf ihre Kosten. Mit geschätzt 1250 verkauften Festivalkarten blieb die Resonanz ungefähr auf Vorjahresniveau.