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Mönchengladbach: So war das Konzert von Jan Delay beim Strandkorb-Open-Air

Jan Delays Konzert in Mönchengladbach : Der Hockeypark als Freiluft-Disko

Jan Delay kennt die Zutaten für ein feiertaugliches Konzert. Das bewies er mit seiner Band „Disko No. 1“ auch beim Strandkorb-Open-Air in Mönchengladbach. Es gab zudem Seitenhiebe gegen Helge Schneider.

Wo es an diesem Abend hinging, brachte Jan Delay ungewollt schon nach dem Eröffnungssong auf den Punkt. „Jetzt ist mir bei der ganzen Euphorie eine Kette weggeflogen“, murmelte Delay in sein Mikrofon und musste lachen. Bei seinen Konzerten wird gesprungen, getanzt und rotiert. Von allem etwas. Ungehemmt. Auf und vor der Bühne.

Mit Konzertbeginn um 20 Uhr schossen aus allen Strandkörben die Köpfe hervor, denn Sitzenbleiber sind bei Delay und seiner Band „Disko No. 1“ nicht vorgesehen. Regen? Der war zwar angekündigt, wollte aber bis auf kurze, leichte Schauer dann doch keine Partybremse sein. Den Besuchern wäre es ohnehin egal gewesen.

Mit dem Auftakt aus „Alles wird gut“, „Klar“ und „Spaß“ hatte der Hamburger Künstler die Zuschauer bereits in seinen Fängen. Alle drei mit mitreißendem Beat, alle sehr gut tanzbar. Als darauf noch eine Funk-Version der Partynummer „Türlich, Türlich“ des Hamburger Rappers Das Bo folgte, war die Party ohnehin ein Selbstläufer. Das gefiel auch dem Gastgeber auf der Bühne.

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Delay ist Sänger, Entertainer und Animateur, jemand, der weiß, was das Publikum wann und wie braucht: kleine Tanzchoreos sowie Aktionen wie „Freezen“, dem musikalischen Pendant zum Kinderspiel „Stoppessen“, bei dem das Publikum wild tanzt, bis die Musik aufhört zu spielen – und dann in der Position verharren muss. All das hatte Delay im Repertoire. Und es funktionierte. Das Publikum fühlte sich mitgenommen. Man sah bei keiner Party auf der Bühne zu, man war dabei. Delay hat ein Händchen dafür, dieses Gefühl zu erzeugen.

Aber auch mit dem musikalischen Programm aus Disco, Funk, Reggae oder Soul überzeugten er und seine Band. Ein Medley aus Beats des amerikanischen Rappers Dr. Dre, mehrfach wiederholte Refrains oder ausgedehnte Outros, in denen alles schnell, alles auf einmal und durcheinander auf der Bühne spielte – eine Intensität, die sich ins Stadion übertrug. Es war kein Einheitsbrei, den Delay bot, er hatte sich Gedanken über die richtigen Zutaten für ein feiertaugliches Konzert gemacht.

Zwischendrin verteilte er auch kleine Seitenhiebe gegen Helge Schneider. „Ich habe keine Lust mehr“, imitierte er seinen Kollegen mehrmals und machte sich einen Spaß daraus. Schneider hatte am Wochenende ein Konzert beim Strandkorb-Open-Air in Augsburg abgebrochen, da er dem Format nichts abgewinnen konnte. Delay holte hingegen das Maximum aus dem Konzept heraus.

Nach 90 Minuten war sein Programm erstmals zu Ende, ehe er und seine Band zweimal für Zugaben auf die Bühne zurückkehrten. Bei der ersten Zugabe spielte Delay den Song „Eule“ aus dem aktuellen Album „Earth, Wind & Feiern“. „Immer wenn der Mond scheint, dann ist Showtime“, heißt es im Refrain. Das gilt auch für die Auftritte von Jan Delay.