Martin Zingsheim im Kom(m)ödchen Bekloppt sind immer nur die anderen

Düsseldorf · Musikkabarett auf hohem Niveau bot Martin Zingsheim im Kom(m)ödchen. Der 39-Jährige gastierte mit seinem Programm „Normal ist das nicht“ und sang Lieder über den täglichen Wahnsinn.

 Der Musiker und Kabarettist Martin Zingsheim.

Der Musiker und Kabarettist Martin Zingsheim.

Foto: Tomas Rodriguez

Was ist schon normal? Eine Frage, die Martin Zingsheim eine ganze Weile umtreibt und die er im Kom(m)ödchen ausführlich beleuchtete. Der 39-Jährige stand nicht allein auf der Bühne. Gemeinsam mit Claus Schulte (Schlagzeug) und Martin Weber (Geige und Gitarre) präsentierte er Musikkabarett vom Feinsten, mit cleveren Texten und ausgefeilten Arrangements, die vom Blues bis zur Rammstein-Parodie reichten. Zingsheim griff dabei in die Tasten seines E-Pianos.

Eine Besetzung, die im Kabarett eher selten anzutreffen ist. Die Drei sind ein gut eingespieltes Team mit klar verteilten Aufgaben. Während Schulte und Weber ausschließlich für die Instrumentierung zuständig sind, übernimmt der studierte Musik- und Theaterwissenschaftler, der über Stockhausens intuitive Musik promovierte, den Wortanteil im Programm. Und der hat es wirklich in sich.

Zingsheim erinnerte an die Zeit von Mindestabstand, Zoom-Konferenzen, nächtliche Ausgangsregularien („nach 22 Uhr nur mit eigenem Hund“) und die Tatsache, dass nicht nur er plötzlich von „Hobbyvirologen“ umgeben war. „Normal ist das nicht“, befand Zingsheim und merkte an, dass er es zwischenzeitlich auch mit „Militärstrategen“ und „Basketballexperten“ zu tun bekommen habe. Nicht zu reden von denen, die irgendwo was gelesen hätten: „Wenn Ihnen jemand sagt, er habe dieses oder jenes in einer Studie gelesen, brechen Sie den Kontakt ab“, warnte der Kabarettist und zitierte als running gag immer wieder „dazu gibt es eine Studie“.

Bekloppt sind sowieso immer nur die anderen oder? Zingsheim fand, „wenn wir ehrlich sind, dann haben wir doch alle einen an der Klatsche“. Er appellierte ans Publikum, den Irrsinn öfter mal rauszulassen. Zum Beispiel, wenn im Coffee-Shop mal wieder die Frage nach „mit Kuh- oder Hafermilch“ käme und die Antwort zum Beispiel lauten könnte: „Mit Tasse wäre schön“.

Im Verlauf des kurzweiligen Abends streifte er unkonventionell die unterschiedlichsten Themen und stellte wilde Überlegungen in den Raum, wie Hochkultur mit mehr Schwung vermittelt werden könnte. Schließlich gingen jährlich mehr Besucher in die Museen als in Fußballstadien. Da lag für ihn die Lösung auf der Hand: Hooligans könnten ihre Sprechchöre doch auch mal in einer Kunstausstellung anstimmen. Und weil die Vorstellung so herrlich schräg war, legte der Kölner noch eins drauf und imitierte einen Geistlichen, der als Stadionsprecher im typischen Singsang katholischer Predigten ein Fußballspiel kommentierte. Na klar, „normal ist das nicht“, aber lustig war die Vorstellung gerade deshalb. Wortgewandt ging es in den rund zwei Stunden auch um Nachhaltigkeit, Ernährungsfragen. Selbstoptimierung und ums Kino.

„Normalität ist ein Kampfbegriff, der dafür sorgen soll, dass man auf Linie bleibt“, stellte Zingsheim schließlich fest.