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Pop-Oratorium in Düsseldorf: Luther und seine 3000 Mitstreiter

Pop-Oratorium in Düsseldorf : Luther und seine 3000 Mitstreiter

Im Pop-Oratorium wird der rebellische Mönch als Star einer Revolution des christlichen Glaubens im ISS Dome in Szene gesetzt.

"Luther, Luther, wer ist Luther?" Wenn im ISS Dome zum ersten Mal der mächtige Chor seine Stimme erhebt, dann bebt die Halle, und es wirkt, als werde eine Urgewalt entfacht. Fast 3000 Sängerinnen füllen die Ränge hinter der Bühne. Die Stiftung "Creative Kirche" hat sie für das Pop-Oratorium "Luther" zusammengebracht.

Viele kommen aus Düsseldorf, der Rest aus den umliegenden Städten. Sogar einige Kölner, viele Katholiken und Gläubige anderer Konfessionen bereichern den Chor, dessen ältestes Mitglied 87 Jahre und dessen jüngstes sieben Jahre alt ist. Sie alle haben Teil an der größten NRW-Veranstaltung im Luther-Jahr und geben mit den 16.000 Besuchern, die in zwei Vorstellungen in den Saal strömen, ein eindrucksvolles Statement für die Bedeutung des christlichen Glaubens 500 Jahre nach der Kirchenreform ab.

"Singen macht glücklich, das ist wissenschaftlich bewiesen." Mit diesen Worten begrüßt Eckart von Hirschhausen das Publikum in der Nachmittagsvorstellung. Er ist einer der Schirmherren des Projekts. Im Publikum brandet Jubel auf, so groß wie später beim Song "Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert".

Neben dem Comedian und Moderator kommen vor allem zur Abendvorstellung viele weitere Prominente aus Politik und Kirche: Oberbürgermeister Thomas Geisel singt bei beiden Vorstellungen im Chor. Gesundheitsminister Herrmann Gröhe steht ebenso auf der Gästeliste wie NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann. Der Präses der evangelischen Kirche Manfred Rekowski ist gekommen, eine Reihe ehemaliger EKD-Vorsitzender ebenfalls. Ruhr-Bischof Franz-Josef Overbeck und Pop-Produzent Dieter Falk, der das Oratorium zu einem Libretto von Michael Kunze komponiert hat, sind auch da.

Sie erleben einen fulminanten Beitrag der Kirche zur Eventgesellschaft - oder tragen zu ihm bei. Die Vorladung des rebellischen Mönchs Martin Luthers vor den Reichstag in Worms hat Regisseur Andreas Gergen wie "Breaking News" im Fernsehen inszeniert; das gut zweistündige Musical hält gemäß dieser Vorlage ein rasantes Tempo mit schnellen Wechseln aus Bildern, Nummern und musikalischen Stilen, die sich vermischen.

Wenn Martin Luther, der den Ablasshandel kritisiert und den Menschen einen eigenen Kopf und ein eigenes Konzept des Glaubens zugestehen will, in Worms ankommt, dann singt er mit markigen Worten, "keinem Untertan" zu sein als seinem Gott.

Der Song beginnt mit einem typischen Eurodance-Synthesizer-Motiv. Über die im Viervierteltakt stampfende Bassdrum legt sich später eine Rockgitarre. In diesem Stilmix fehlt eigentlich nur noch, dass jemand rappt.

Schauspieler Frank Winkels steckt als Luther in einem schwarzen Kapuzenpulli, der wohl ein modernes Mönchsgewand abgeben soll, aber auch an den Aufzug von Antifa-Straßenkämpfern erinnert. Der Darsteller und Sänger verleiht seiner Figur eine stoische Stärke, lässt sie aber auch manchmal leise zweifeln.

Bühnenbild und Requisite sind in der Produktion überraschend schlicht gehalten: Choreografin Doris Marlis arbeitet in der Aufführung nur mit den Sängern, einigen Stühlen, Nebel und Licht - und schafft trotzdem eindrucksvolle, spannende Bilder, die dem Charakter "ihres" Martin Luthers entsprechen: Er ist ein Mensch wie Du und ich, der seine Stimme erhoben hat und der Kraft der Wahrheit und des Glaubens vertraut.

(RP)