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Manuela Alphons erinnert sich an ihren ersten Auftritt am Düsseldorfer Schauspielhaus vor 40 Jahren.

Jubiläum Schauspielhaus : „Ich war immer relativ mutig“

Die Schauspielerin Manuela Alphons erinnert sich an ihren ersten Auftritt am Düsseldorfer Schauspielhaus vor 40 Jahren.

Nicht die gesamten fünf, aber immerhin stramme vier Jahrzehnte überspannt Manuela Alphons mit ihrem Wirken am Schauspielhaus. In der Operette „Pariser Leben“ hatte sie 1979 ihren ersten Auftritt. Ein Foto aus dieser Inszenierung zeigt eine lasziv hin gegossene Diva im fließenden Kleid, neben ihr ein anschmiegsamer Herr mit Schnauzbart.

„Das ist der Wolfi!“ sagt Manuela Alphons. Tatsächlich, trotz seiner geschlossenen Augen erkennt man Wolfgang Reinbacher. Ein bemerkenswertes Kollegen-Paar: Beide sind bis heute am Schauspielhaus präsent. Zwar schlug die gebürtige Österreicherin weitaus mehr Haken als ihr Landsmann Reinbacher. Sie gehörte den Ensembles in Köln, Hamburg, Frankfurt und Bochum an, spielte in Wuppertal, Oberhausen und Bonn. Aber immer wieder kehrte sie nach Düsseldorf zurück. Eine Stadt, in die sie gar nicht gern wollte, wie sie unverblümt zugibt. „In Köln, wo ich zuvor war, wurde politisch-kritisches Theater gemacht. Hier war mir hier alles zu schick und ein wenig zu affig, ich fühlte mich fremd.“

Nicht einmal ihre grandiose Rolle in „Der Zyklop“ vermochte sie umzustimmen, obwohl das Satyrspiel von Euripides zur Kultvorstellung wurde. „Wir spielten in der Messe, weil die Inszenierung eine absolute Nähe zum Publikum verlangte“, erzählt sie. „Eine in jeder Hinsicht berührende Erfahrung, für die Besucher und auch für mich.“ Sie sei in Roberto Ciullis Inszenierung ein zarter, dennoch willensstarker Zyklop gewesen. Dann macht sie vor, wie sie damals mit dem faszinierten Publikum spielte und sieht dabei aus wie ein verzücktes junges Mädchen.

Es muss ein nachhaltiges Erlebnis gewesen sein. „Unvergesslich“, bestätigt Manuela Alphons. „Da hat sich erfüllt, was ich mir als Schauspielerin erträumte – so tief empfinden zu können und so Theater machen zu dürfen.“ Ihre Belohnung war 1979 die Auszeichnung „Schauspielerin des Jahres“, die sie 1998 erneut erhielt. Für ihre Rolle in Peter Turrinis „Josef und Maria“ wurde sie 2016 als „Beste Schauspielerin des Landes NRW“ nominiert.

Sie hat es sich nie bequem gemacht. Ihr Prinzip: „Kommen und gehen, nicht bleiben.“ Eine Absicherung sei in ihrem Beruf nun mal nicht gegeben. Und auch gar nicht gut. „Für junge Kollegen mag ein unfreiwilliger Abgang bedrohlich sein. Aber manchmal ist es besser so. Vermeintliche Rückschläge können sich als Weg zum Ziel erweisen.“

Auch in Düsseldorf gab es nach jedem Intendantenwechsel starke Umbrüche, viele vertraute Gesichter verschwanden von der Bühne. „So bitter das auch ist, eine Anstellung darf nicht in ein Gewohnheitsrecht ausarten“, sagt Manuela Alphons. „Ich war immer relativ mutig, trotz meiner zwei Kinder.“ Eines hat sie mit dem Regisseur und Theaterdirektor Roberto Ciulli, 12 Jahre waren sie ein Paar. Der Vater ihres zweiten Kindes arbeitete am Düsseldorfer Theater. Ein Grund für sie, sich ebenfalls ans Haus zu binden. Die private Beziehung hielt nicht lange, doch das feste Engagement bedeutete Stabilität für die alleinerziehende Mutter.

Ihre intensivsten Schauspielhaus-Jahre hatte Manuela Alphons ab 1982 unter Intendant Günther Beelitz. Bei seinem Nachfolger Volker Canaris fühlte sie sich weniger gut aufgehoben. „Ein normaler Vorgang am Theater. Ich hatte das Gefühl, ich gehöre nicht mehr richtig dazu.“ Mit dem Stück „Alpenglühen“ ihres Lieblingsautors Turrini verabschiedete sich Manuela Alphons vorerst aus Düsseldorf und brach in eine neue Dimension auf. Man hatte ihr eine Hauptrolle in der Fernseh-Soap „Verbotene Liebe“ angeboten. Vier Jahre blieb sie als Barbara von Sterneck dabei, was natürlich auch mit einem mächtigen Popularitätsschub verbunden war.

„Ein Schock“, sagt sie noch heute. „Oft traute ich mich kaum in den Supermarkt. Da hieß es dann, guck mal, die kauft Katzenfutter.“ Dennoch begleitete den Seitensprung eine gute Erfahrung. „Die Auszeit war wertvoll“, sagt sie. „Aus der Ferne gewann das Theater eine andere Dimension. Irgendwann merkte ich, es geht nicht ohne. Deshalb erbat ich mir alle paar Wochen eine Drehpause.“ Hartnäckige Fans folgten ihr bis zur Bühne. Sie erinnert sich an eine Vorstellung von „Emilia Galotti“ in Oberhausen: „Da saß eine ganze Gruppe, beim Applaus gab es lautes Geschrei. Ich habe mich so geschämt vor den Kollegen.“

Ins Düsseldorfer Theatergeschehen war Manuela Alphons nach der TV-Episode wieder regelmäßig eingebunden. Seit dem Antritt von Wilfried Schulz spielte sie in Elfriede Jelineks „Licht im Kasten“, Arthur Millers „Hexenjagd“, in „Terror“ (als Staatsanwältin, abwechselnd mit Nicole Heesters) und zuletzt die freche Oma in „Abiball“.

Schulz sei ein guter Intendant. „Er hat sich klar überlegt, wie er hier erfolgreich Theater machen kann und brachte das Schauspielhaus klug und schnell in die Stadt ein.“ Es amüsiert sie, wenn Besucher sich über die Unzulänglichkeiten der noch bestehenden Baustelle ärgern. „Warum muss denn alles perfekt sein?“, fragt Manuela Alphons. „Besser, man sieht nicht nur den entrückten Zauberkasten. Das Theater ist ein Teil der Stadt und ihrer Menschen, das macht es lebendig.“

Und was lockt sie nach derart erfüllten Schauspielerjahren weiterhin auf die Bühne? „Wenn ich das wüsste“, seufzt sie und lacht. „Das ist ja gerade das Geheimnis, das ein Schauspieler haben sollte. Das nämliche Gefühl, das man nicht beschreiben kann.“