Düsseldorf: Maler Norbert Tadeusz gestorben

Düsseldorf: Maler Norbert Tadeusz gestorben

Er hatte seine Krankheit lange mit sich herumgetragen, hatte zuweilen auch von sich aus das Gespräch darauf gelenkt und nüchtern davon berichtet, wie es nun weitergehe mit ihm. Er sprach dabei so, dass man in ihm nicht in erster Linie den zu Tode Erkrankten, sondern den Künstler sah – einen, der in seiner Malerei Menschen in Szene setzte, "die sich anstrengen", wie er es nannte. Jetzt ist Norbert Tadeusz 71-jährig in seinem Düsseldorfer Atelier an Krebs gestorben.

Der gebürtige Dortmunder studierte an der Werkkunstschule seiner Heimatstadt und wechselte dann an die Düsseldorfer Akademie, wo er sich von Gerhard Hoehme, Joseph Fassbender und Joseph Beuys ausbilden ließ. Später betreute er selbst Studenten, erst an der damaligen Dependance der Düsseldorfer Akademie in Münster, später an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Dort war er von 1991 bis 2003 Professor für Monumentalbildnerei.

Die Bezeichnung passt genau zu dem, was Tadeusz selbst hervorbrachte: riesige, teilweise acht Meter hohe und vier Meter breite Bilder, deren Monumentalität sich gleichermaßen auf das Format und die Motive bezieht. Diese Motive stammen aus Militär, Zirkus und Schlachthof und wirken auf den Betrachter, als sei ein alter Meister der Freskenmalerei auferstanden und entwerfe Bilder, in denen sich die Existenz des Menschen in der Moderne spiegeln soll. Tadeusz' Gestalten und Gegenstände werfen jene Schlagschatten, die man auch aus der Malerei de Chiricos kennt und die typisch sind für die Länder rings ums Mittelmeer. In Italien kannte sich Tadeusz aus.

Anders als bei de Chirico sind Tadeusz' Menschen nackt. Ob am Trapez oder auf dem Boden – die sich anstrengenden Männer und Frauen erscheinen als Gleichnis des Lebens. Die Tätigkeiten allerdings wirken grotesk. Nackte tragen riesige Leinwände quer durch eine Arena, einige springen einsam auf einer Art Trampolin, das Fleisch geschlachteter Tiere mutet wie eine Dekoration an. Im Tadeusz-Pavillon der Neusser Kunst-Insel Hombroich kann man das erleben. Zwei der dort ausgestellten Großgemälde ergeben durch ihre Hängung ein Kreuz.

Nicht nur durch dieses heimliche Symbol erwecken sie den Eindruck, als wollten sie metaphysisch begriffen werden. Doch verstand sich ihr Schöpfer nicht als Philosoph und schon gar nicht als Priester, sondern einzig und allein als Maler. Seine auf Körperlichkeit und Nacktheit bauenden Bilder veranschaulichen den ewigen, existentiellen Kampf des Menschen. Und sie dramatisieren diese unablässige Auseinandersetzung durch spektakuläre Farbwirkungen.

Auf Tadeusz geht wesentlich die "Neue Figuration" zurück, die sich in den 1970er und 80er Jahren durchsetzte – auf seine Malerei, die den Betrachter oft schon durch ihre riesigen Ausmaße in sich hineinzieht, verstört und zugleich auf eine herbe Weise bezaubert. Jetzt ist Norbert Tadeusz dem Daseinskampf erlegen, den er zeit seines künstlerischen Lebens so einprägsam in Bilder fasste. In der Düsseldorfer Rochuskirche wird Pater Friedhelm Mennekes am 22. Juli das Schlusswort sprechen.

(RP)