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Neuss: Lüpertz' Kreuzweg für Neuss

Neuss : Lüpertz' Kreuzweg für Neuss

In Neuss soll ein ökumenischer Kreuzweg mit sieben Stationen an markanten Plätzen der Stadt entstehen. Was könnte einen Künstler mehr fordern als diese Aufgabe? Ein Projekt, das in Deutschland einmalig ist. Eine Idee, die auf einer Tradition dieser Stadt aufbaut, in der schon seit zehn Jahren katholische und evangelische Gläubige gemeinsam einen Kreuzweg in der Karwoche gehen. Markus Lüpertz ist wie elektrisiert: "Der Kreuzweg als Thematik ist einer der wichtigsten und großartigsten Aufträge für Künstler bis ins Mittelalter zurück gewesen. Ein ganzes Leben wird nachgezeichnet am Beispiel des Leidens von Jesus Christus. Jede Problematik findet Erwähnung – und jede Güte."

Vor einem Jahr hatte Pfarrer Jörg Hübner den Künstler und ehemaligen Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie angesprochen, der diesen Auftrag gerne annahm und ihn zudem als großes Glück für die Stadt wertet: "Es ist wichtig, dass solche Dinge passieren, weil sich darin die Spiritualität einer Bürgerschaft und die Fähigkeit zum Mystischen artikulieren." Lüpertz verachtet jede elektronische Hochrüstung im Privaten, da er Verkürzung der Gedanken und Verlust von Fantasie unterstellt. Er setzt auf Bilder und versteht sich als Kämpfer gegen Flüchtigkeit und Hohlheit. "Wir leben in einer Zeit, wo solche Dinge dringend notwendig sind. So wäre der Aufbau dieses Kreuzweges mit Unterstützung der Bürgerschaft und beider Kirchen eine große Tat. Weil es den Bürgern die Möglichkeit gibt, an etwas teilzuhaben, was länger lebt als sie, was Zeichen setzt und Zeit überdauert."

Die Pfarrer beider Gemeinden und der Künstler sind in Neuss die Plätze abgegangen, die sich für die bisher sieben geplanten Stationen anbieten. Die Kunst soll an zentralen Orten platziert werden, dort, wo Menschen leben: gegenüber von einem großen Kaufhaus, vor einem alten Bunker oder auf dem Vorplatz einer Kirche. Nicht abseits, sondern mit größtmöglicher Öffentlichkeit soll der künstlerische Kreuzweg in die Stadt eingefügt werden und über die Karwoche hinaus das ganze Jahr über dastehen.

Lüpertz' künstlerisches Schaffen bis heute ist umfassend und breit angelegt. Neben der Malerei liegt ein Schwerpunkt auf Skulpturen, sein monströser Herkules im Ruhrgebiet ist im Gespräch, und die Kölner Kirchenfenster sind dem 70-Jährigen gut gelungen. Die größte künstlerische Freiheit will er für die Ausarbeitung des Kreuzweges in Anspruch nehmen, dabei experimentieren, Skulpturen, Mosaike und Reliefs miteinander kombinieren, "ganz so, wie der Ort es verlangt". Nur Malerei funktioniere nicht im Außenraum, denn keine Farbe der Welt widerstehe saurem Regen. In einer Mappe hat Lüpertz die ersten Skizzen gesammelt, die meisten Motive in Trauer-Schwarz gezeichnet, für die Kreuzigungsszene denkt er an ein Mosaik. Ein farbmunteres Menschenrelief fällt aus dem Rahmen ("Christus und die weinenden Frauen"). Mit eindringlichen Texten hat Lüpertz die Skizzen umgeben, das zeigt den Ernst der Sache. In einem Jahr könnte alles stehen, wenn die Finanzierung über Sponsoren klappt.

(RP)