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Literaturspaziergänge "Flanieren/Flexen": Als Flaneur durch Düsseldorf

Literaturspaziergänge in Düsseldorf : Mit allen Sinnen als Flaneur durch die Stadt

Spazieren ist zum beliebten Zeitvertreib in der Corona-Pandemie geworden. Das Zakk greift diesen Trend auf und veranstaltet mit der Börse Wuppertal literarische Audio-Walks zum Thema „Flanieren/Flexen“. Denn statt gemütlich durch die Stadt zu schlendern, setzen sich die Künstler und Teilnehmer mit dem Bewegen im Raum auseinander.

Spazieren, ohne ein bestimmtes Ziel, einfach mal raus, allein oder in Gesellschaft – in Corona-Zeiten ist das zum Trend geworden. Im 19. Jahrhundert kannte man diesen Zeitvertreib unter dem Begriff „Flanieren“. Er bedeutet langsames, genüssliches Umherschlendern und ein bewusstes Aufnehmen der Umgebung mit allen Sinnen.

Was damals ein Privileg der gehobenen Schicht war, will das Zakk in Kooperation mit der Börse Wuppertal und mit Hilfe der Kuratoren Carolin Keufen und Avan Weis für alle ermöglichen. Unter dem Motto „Flanieren/Flexen.22.“ werden von Mai bis September zehn literarische Audio-Walks in Düsseldorf und Wuppertal angeboten. Dabei wird dem ziellosen Umherschlendern ein bewusstes, feministisches Bewegen im städtischen Raum – das Flexen – gegenüber gesetzt. Die Reihe startet am 28. Mai an der Kunstakademie Düsseldorf.

Doch was bedeutet Flexen? Laut Heike Billhardt-Precht vom Zakk wird der Begriff als Synonym für „biegen“ oder „formen“ genutzt. Auf die Literaturspaziergänge übertragen, gehe es um die Aneignung des öffentlichen Raums. „Wie werde ich wahrgenommen? Passe ich hierhin? Damit beschäftigen wir uns bei den Literaturspaziergängen“, sagt Billhardt-Precht. Denn Fragen nach der passenden Kleidung oder der fehlenden Begleitung können Frauen das Flanieren erschweren, sogar unmöglich machen.

 Caro Baum (v.l.) und Christine Brinkmann, Programmplanung Wort & Bühne und Projektverantwortliche sowie Kuratorin Caroline Keufen demonstrieren das Prinzip der literarischen Audio-Walks: Den Vortrag hören die Teilnehmer über Kopfhörer.
Caro Baum (v.l.) und Christine Brinkmann, Programmplanung Wort & Bühne und Projektverantwortliche sowie Kuratorin Caroline Keufen demonstrieren das Prinzip der literarischen Audio-Walks: Den Vortrag hören die Teilnehmer über Kopfhörer. Foto: zakk
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Mit dem Sich-Draußen-Bewegen beschäftigen sich auch Künstler wie Stefanie de Velasco, die im Mittelpunkt des ersten Literaturspaziergangs am 28. Mai steht. Ihr Debütroman „Tigermilch“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und verfilmt. 2019 erschien ihr zweiter Roman „Kein Teil der Welt“, in dem sie vom Aufwachsen bei den Zeugen Jehovas erzählt. Im selben Jahr streikte sie vor der Akademie der Künste in Berlin für eine gerechtere Klimapolitik. Daraus entwickelte sich der Gedanke, aus Schrott ein Wohnfahrrad zu bauen und durch die Republik zu fahren. Über das Thema Mobilität wird sie auch in Düsseldorf sprechen.

Die Veranstaltungen haben alle einen unterschiedlichen thematischen Rahmen: Von Mobilität über Rassismus bis zu Poetry Slam. Neben Stefanie Valesco sind weitere Künstler wie der Lyriker Dincer Güçyeter oder die Slam-Poetin Aylin Celik geladen. Die Künstler tragen ihre Texte vor, die Teilnehmer hören sie jedoch über Kopfhörer. „Das ermöglicht eine Fokussierung auf das Gehörte, was im öffentlichen Raum schwierig sein kann“, erklärt Billhardt-Precht.

Nichtsdestotrotz kann und soll die Umgebung in ihrer Alltäglichkeit wahrgenommen werden, denn sie kann den Spaziergang beeinflussen: „Wie reagieren Passanten? Welche zufälligen Begegnungen ergeben sich? Das kann man nicht planen“, gibt Billhardt-Precht zu bedenken.

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