Lesung Dirk von Lowtzow

„Aus dem Dachsbau“ : Dirk von Lowtzow feiert die Freundschaft im Zakk

Der Sänger der Band Tocotronic präsentierte sein erstes Buch in Düsseldorf. Es wurde ein schöner, sehr melancholischer Abend.

Das war ein melancholischer Abend, aber Melancholie kann ja schön sein, und in diesem Falle war sie es, sehr sogar. Dirk von Lowtzow trat im Zakk in Düsseldorf auf, der Sänger der Band Tocotronic las aus seinem Buch „Aus dem Dachsbau“, und zwischendurch sang er Lieder zur Gitarre, eigene und Coverversionen.

Das Buch tarnt sich als ABC, als Enzyklopädie, in Wirklichkeit ist es aber eine Autobiografie, und ihr größter Teil ist der Jugend gewidmet. Niemand singt ja so wahrhaftig von jener Zeit des Suchens und Nicht-Findens wie er, und selbst wenn Dirk von Lowtzow spricht und redet, singt er. Da sind dieser Rhythmus und der Flow, seine Sprache und vor allem: diese Stimme!

Links auf der Bühne stand ein Tisch zum Lesen, rechts eine Gitarre zum Spielen, Deko gab es nicht. Von Lowtzow drückte die Zunge beim Umblättern zwischen die Zähne, und wenn eine Textstelle von seinem einstigen Ich handelte, schüttelte er manchmal den Kopf – darüber zum Beispiel, dass er mal ein Lexikon des Okkultismus besessen habe. Er hatte nachmittags eigentlich in die Munch-Ausstellung gehen wollen, erzählte er, aber dann sei er doch lieber im NH-Hotel sitzen geblieben und habe eine Tafel Schokolade auf den Bett gegessen.

Der Abend, das merkte man erst allmählich, war ein Requiem auf den Jugendfreund Alexander, der nur 26 Jahre alt wurde – 20 davon waren die beiden befreundet. Alexander trat in den meisten Szenen auf, er war ein Blutsbruder, ein Blues-Brother, er war der Geist, der diesen Vortrag beseelte. Das Tocotronic-Lied „Gott sei Dank haben wir beide uns gehabt“, das von Lowtzow auf dessen Beerdigung spielte, wird man künftig jedenfalls anders hören.

Von Lowtzow spricht wie ein Freund, wie ein Mensch, man fühlt sich wie sein Vertrauter, und deshalb nahm einen das alles so mit. Er gab „Freiburg“ in einer Country-Version, übertrug „Flexible Flyer“ seiner Lieblingsband Hüsker Dü ins Deutsche, coverte Turbonegro und verabschiedete sich mit „Moon River“ und dem Gruß „Schlaft gut!“

Gerne hätte man noch mit ihm auf dem Sofa gesessen und gemeinsam ein bisschen geschwiegen. Stattdessen ging man seufzend heim.

Dirk von Lowtzow: „Aus dem Dachsbau“, Kiepenheuer & Witsch, 192 S., 20 Euro.