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Kunstverein Düsseldorf: Kathrin Bentele wird die neue Leiterin

New York, Berlin, Düsseldorf : Viel Erfahrung und neue Ideen für den Kunstverein

Kathrin Bentele übernimmt im Oktober die Leitung des Kunstvereins. Für die gebürtige Schweizerin ist Düsseldorf bereits die vierte Station. Vor allem die lokale Kunstszene schätzt sie in der Stadt.

Kathrin Bentele ist die neue Leiterin des Kunstvereins am Grabbeplatz. Die 35-jährige Schweizerin tritt ihre Stelle als Nachfolgerin von Eva Birkenstock am 1. Oktober an und verspricht ihr erstes Programm für Februar 2022. Sie wurde vom Vorstand des Kunstvereins unter Georg Kulenkampff einstimmig gewählt. Eine unabhängige Jury gab es nicht. Was für sie spricht, sind weniger eigenständige Projekte, sondern die Standorte, an denen sie als Kuratorin bislang tätig war. Sie versprechen zumindest keine Eingleisigkeit, sondern eine breite Vielschichtigkeit von der klassischen Moderne bis zur extremen Avantgarde.

 Gleich nach dem Studium hatte sie ihre erste Station 2016 und 2017 im Kunsthaus Glarus. Obwohl dies ein kleiner Ort fernab des Mainstreams ist, hat er einen guten Ruf in der Schweizer Kunstszene, denn dort wird Aufbauarbeit geleistet. Die Kuratoren, denen sie damals assistierte, verfolgten ein Ziel, das Kathrin Bentele im Telefongespräch so umreißt: „Das Kunsthaus Glarus organisiert mit jungen Künstlern eine erste institutionelle Einzelausstellung. Das ist ein Aspekt, der auch in der Tradition des Düsseldorfer Kunstvereins liegt.“

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 Als gelte es, die Voraussetzungen für die Direktion in Düsseldorf bestens zu erfüllen, wechselte sie nach nur zwei Jahren von 2017 bis 2019 ans Artists Space nach New York. Auch hier liegt das Ziel darin, jungen aufstrebenden Künstlern zu helfen. Dabei kam zum Interesse an der jüngsten Avantgarde zugleich als weiterer Schwerpunkt der Rückblick auf historische Positionen. Dabei betont Bentele etwas, das eigentlich selbstverständlich ist: „Arts Space ist eine Institution, die auch recherche-basierte Ausstellungen zeigt, in denen es um die intellektuelle Arbeit geht.“

 Die meisten Erfahrungen sammelte die 35-Jährige bei den Kunst-Werken Berlin, einem öffentlich finanzierten Haus. Diese international berühmte Institution an der Augusta-Straße in Berlin-Mitte hatte Klaus Biesenbach als Gründungsdirektor, den Ziehvater gleichsam von Julia Stoschek. Stoschek ist Koalitionspartnerin der KW für bestimmte Projekte. Über ihre Stiftung werden pro Jahr zwei Neuproduktionen im künstlerischen Bewegtbild finanziert. „Das Stoschek-Projekt ist inspiriert von den Gründungsprinzipien der KW als einem Ort für Produktion, Reflexion und kritischem Austausch“, heißt es im Internet-Auftritt des Berliner Instituts. 

Julia Stoschek saß jedoch nicht in der Jury, und Kathrin Bentele kooperierte auch nicht mit ihr. Benteles letztes Projekt war die Gruppenausstellung „Zeros + Ones“, an der sie mitarbeitete. Hier untersuchte die Kuratorin mit ihren Kolleginnen die Anweisungen oder Befehle, die ein Künstler sich selbst oder seinem Ausstellungsmacher mit auf den Weg gibt. Man fragte sich etwa, ob man Konzeptkunst mit leichten Abweichungen neu aufführen dürfe? Die Frage ist sicherlich im Beuys-Jahr schwierig zu beantworten, wenn etwa die Ausstellung in der Bundeskunsthalle die Honigpumpe ohne Honig und ohne einen funktionierenden Arbeitsplatz zeigt.

 Nun verwundert es natürlich, dass Bentele abermals nach zwei Jahren ihre Stelle wechselt. Nach Glarus, New York und Berlin ist Düsseldorf der vierte Standort in nur fünf Jahren. Sie beantwortet diese Frage nicht, sondern gibt stattdessen ein großes Lob für ihre neue Position. Sie spricht vom „exzellenten Ruf des Kunstvereins“, von seiner „überregionalen und auch internationalen Bedeutung“, vom „guten Programm der Vorgänger“, von der „sehr reichen lokalen Geschichte“ sowie dem „gut informierten und anspruchsvollen Publikum.“ 

Das wirkt sehr schmeichelhaft. Konkret wird sie allerdings nicht. Sie werde sich als erstes in den Ateliers einen Eindruck verschaffen, „welche Personen hier arbeiten, wie sie arbeiten und was ihnen wichtig ist“. Sie glaube, dass man die lokale Szene immer auch international einbinden könne. Für Details sei es aber noch zu früh.