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Kunstfotos des alten Düsseldorfer Rheinstadions

Fotos des alten Rheinstadions : Die Schönheit des Stadions

Der Düsseldorfer Künstler Marcus Schwier hat mit seinen Fotos das alte Düsseldorfer Rheinstadion zur Kunst werden lassen.

So hat wohl noch niemand das alte Düsseldorfer Rheinstadion gesehen. Nicht wegen seiner melancholischen Leere. Und auch nicht, weil diese Wettkampfstätte 2002 abgerissen wurde und weichen musste für die neue Arena. Dieser Blick ist deshalb einzigartig, weil uns Marcus Schwier im wahrsten Sinne hinters Licht führt. Nämlich fototechnisch, genauer: mit einem Infrarot-Film. Der bewirkt, dass das helle Blau des Himmels viel dunkler wirkt und das Chlorophyll die Rasenfläche regelrecht erstrahlen lässt. 2001 hat der Düsseldorfer Künstler seine Fotos auf Film gebannt, also ein Jahr vor dem Ende der Arena. Und wer die Bilder heute betrachtet, der glaubt, eine Sportstätte in einem heroischen Licht vergangener, auch glorreicher Zeiten präsentiert zu bekommen.

Dabei führt Marcus Schwier nichts Romantisierendes im Schilde. Er will ja nicht aufhübschen, was vielleicht nicht ganz so pittoresk erscheint. Schwier will nicht einmal umfangreich inszenieren. Seine Verwandlung der Welt ist zwei Eingriffen geschuldet: zum einen dem Blick des Fotografen (dem Ausschnitt), zum anderen dem Infrarot-Filter, mit dem etwas sichtbar wird, was tatsächlich da ist, nur dass wir es bislang mit anderen, also unseren Augen so nicht sehen konnten.

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Das Rheinstadion ist auf diesen Fotos ohne Zuschauer. Aber es wirkt nie trostlos. Vielmehr strahlt es eine Erhabenheit aus, die fast zeitlos ist. Das harmonische Rund der Arena und die Aufnahme der Form durchs Tribünendach ist die ästhetische Wahrnehmung einer Sportstätte, die heute allein wegen der beträchtlichen  Entfernung zum Spielfeld zwar kaum jemand preisen würde, die aber in ihrer Zeit eine wichtige Landmarke für Düsseldorf gewesen ist. Fast so wie der Fernsehturm, sagt Schwier. Er hat nicht nur an der Kunstakademie studiert, sondern zuvor auch Architektur. Vielleicht macht er auch dadurch leichter Strukturen und Räume aus, die sinnfällig sind für Zeit und Bauwerk.

Das durchaus Erhabene der Stadion-Bilder hat zudem einen anderen Effekt: Die Arena wirkt zeitenthoben, eingefroren im Augenblick und somit gültig noch über ihr Bestehen hinaus. Keiner, der heute in die Esprit zum Bundesliga-Spiel der Fortuna geht, denkt noch ans Rheinstadion. Beim Anblick der Bilder von Marcus Schwier hingegen denkt niemand an die Esprit-Arena.

Jule Schaffer, Wissenschaftlerin der Photografischen Sammlung in der SK-Kulturstiftung in Köln, sieht in den Arbeiten eine „Rückschau“, die „zum atmosphärischen Erinnerungsmarker eines nicht mehr vorhandenen öffentlichen Raums wird“. Die Fotos dokumentieren Stadtgeschichte nicht als Beleg dafür, was mal da war. Die Bilder erinnern eher an das, was den Geist der Stadt dieser Jahre bestimmt hat und was die Menschen damals bewegte.

17 Jahre nach dem Abriss scheinen die Bilder von Schwier eine Brücke zwischen der Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Nicht nur im Bauwerk, sondern auch im Sport. Als werde die glorreiche Zeit von damals wieder belebt mit dem Aufstieg der Fortuna in die erste Bundesliga. Die Bilder verweisen auf eine Tradition. Sie holen hervor, was vielleicht in Vergessenheit geraten ist. Marcus Schwier, der gebürtige Düsseldorfer, kennt das alte und das neue Stadion. Er hat die Zeit des Abrisses erlebt wie auch die Phase des Neubaus. Aufstieg, Abstieg, Aufstieg. Nichts ist wirklich vergangen, auch daran erinnern die Bilder.

Was die Bilder indes nicht verraten und was dem Sportfan vertrauter sein dürfte als dem Kunstfreund, ist der letzte Torjubel, der im alten Rheinstadion. Das war am 3. März 2002, als der nigerianische Fußballprofi Ganiyu Aremu Shittu  gegen Rot-Weiß Essen den Ausgleich zum 1:1 erzielt – vor knapp 20.000 Zuschauern.