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Ein Tag auf der Rheinkultur: Zwischen Bands, Bier und Bungeejumping

Ein Tag auf der Rheinkultur : Zwischen Bands, Bier und Bungeejumping

Bonn (RPO). Das Bonner Festival Rheinkultur lockt mit vielen Angeboten: 50 Bands, fünf Bühnen und reichlich sportliche Betätigungen. Das alles ist kostenlos. Unser Mitarbeiter Hans Rusinek hat sich ins Getümmel gestürzt. Als einer von 200.000 erwarteten Gästen machte er sich auf den Weg gen Bonn. Hier sein Erfahrungsbericht.

7:00 Uhr Aufstehen! Ich muss noch das Survival-Kit für Rheinkultur zusammenstellen. Die Erfahrung vom letzten Jahr lehrt mich, lieber gut vorbereitet Richtung Bonn zu fahren. Diesmal nehme ich einen Spielplan und eine Übersichtskarte mit. Was sonst nicht fehlen darf: Getränke, Brötchen und natürlich die Feuerzeuge. Die werden bei Balladen gezückt sind auch für Nichtraucher ein Muss. Bei Sportfreunde Stillers "Ein Kompliment" das Feuerzeug zu vergessen, würde ich mir ewig vorwerfen. Ich darf folgende Dinge auf keinen Fall vergessen:

Beim Blick aus dem Fenster stellt sich eine Frage, die mich noch den gesamten Tag beschäftigen wird: Regenjacke ja oder nein? Letztendlich eine Charakterfrage. "Ich bin ja nicht aus Zucker", denke ich übermütig und mache mich auf den Weg.

9:30 Uhr Hauptbahnhof. Düsseldorf. In weniger als zwei Stunden beginnt das Festival. Die Vorbereitungen laufen bis dahin auf Hochtouren. Nicht nur für die Veranstalter, sondern auch für mich und meine Begleiter. Nach langem Für und Wider wollen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Wir kaufen uns die sogenannte "GreenCard", die ausschließlich für Rheinkultur gilt. Mit der GreenCard gibt es zwar kein Einreisevisum in die USA aber immerhin ein Ticket zu Deutschlands größten kostenlosen Festival. Rheinkultur hat dieses Jahr den Green'n'Clean Award gewonnen und diesen Ruf wollen wir nicht mit unseren Abgas-Emmissionen beschmutzen. Naja, eigentlich wollten wir nur nicht in den Stau geraten.

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Auf dem Düsseldorfer Bahnhof sehen wir schon Gleichgesinnte, die auch zum Festival wuseln: Woran man die erkennt? Abgewrackte Schuhe - "Die gehen ja eh kaputt!", wie Schulfreund Heiko weiß, einen Vorrat Getränke unter den Armen und ein Grinsen im Gesicht. Wir fühlen uns heimisch und reihen uns ein.

11:15 Uhr Nach Plan, wie wir es auch nicht anders von der Deutschen Bahn gewohnt sind, fährt unser Zug ab. Noch geht es relativ zivilisiert zu. Aber von von Haltestelle zu Haltestelle nimmt die Zahl der Rheinkulturellen zu. Vor Bonn sitzen nur noch ein paar von den "Normalen" im Abteil. Einer sitzt noch verklemmt mit einem Koffer auf dem Schoß im Zug. Dadurch fällt er im feiernden Getümmel auf wie ein bunter Hund.

11:40 Uhr Die Bahnfahrt von etwa einer Stunde samt lästigem Umsteigen in Bonn nutzen wir zum Planen. Auf fünf Bühnen läuft parallel Rock, Elektro, HipHop und Reggae. Die Sportfreunde Stiller, da sind wir uns einig, will jeder sehen. Dann kommen exotische Vorschläge wie "Der Neue Westen" und "Dune". Ich kann damit nichts anfangen aber stimme bereitwillig zu. Schließlich ist Rheinkultur das optimale Festival um neue unbekannte Bands kennenzulernen. Katia macht ein dickes Häkchen unter Dune auf dem Spielplan. Während das Planungsbüro Richtung Bonn rollt, verdunkelt sich der Himmel. Die Regenjacke ist zu Hause.

12:30 Uhr "Macht hinne", drängt Markus. Schon seit Tagen schwärmt er vom Freestyle Battle mit dem das Festival eröffnet wird. Unter Freestyle Battle versteht der gemeine HipHopper altmodisch die "Stegreif Schlacht". Es geht um das unvorbereitete Reimen vorm Publikum und ist die Königsdisziplin des Raps.

13:02 Uhr Fast da! "Wir sind nicht alleine", müssen wir ernüchtert feststellen. Punks mit überdimensionalen Vernichtungs-Stiefeln, HipHopper mit Hosenbünden jenseits der Gürtellinie und andere Jugendszenen treffen hier auf einander. Ich komme mir zwischen all den bunten Vögeln wie eine graue Maus vor. Wir müssen uns beeilen. Denn Markus' Freestyle Battle ist um 14 Uhr schon wieder vorbei. Das Gedränge vor dem Eingang wird zur Tortur.

13:58 Uhr Das Warten hat ein Ende. Wir sind endlich in den Rheinauen und haben die Freestyle Battles knapp verpasst. Als Trost versprechen wir dem Freestyle-Fan Markus, um 17 Uhr wieder an der HipHop-Bühne zu sein.

14:20 Uhr Wir legen uns an den Tanzberg, von dem wir eine tolle Übersicht haben. Im Hintergrund hören wir Elektro-Beats. Das Wetter wird zu meiner Beruhigung besser.

15 Uhr Genug gedöst. Wir wenden uns den anderen Aktivitäten zu zu. Bungeejumping! Für alle Jungs in der Gruppe ist es die Chance, den Mädchen was zu beweisen. "Zu teuer", "Keine Lust, so lange zu Warten" oder "Später" sind die gängigen Ausreden. Die Enttäuschung macht sie weit. 40 Euro sind tatsächlich viel für einen sekundenlangen Sprung. Da schauen wir uns lieber "Eternal Tango" an. Die Luxemburger Band sorgte für gute Stimmung vor der Roten Bühne.

16 Uhr Wir holen uns eine Stärkung. Ein Wasser kostet 2,80 Euro plus einem Euro Pfand. Das ist nicht in die hohle Hand gespuckt und verleitet viele zum "Schmuggeln". Wir lassen davon selbstverständlich die Finger. Rheinkultur ist kostenlos und soll auch so bleiben. Deshalb drücken wir bei den gepfefferten Preisen mal ein Auge zu. Eine Alternative wären Tetrapaks, denn nur die darf man mitnehmen - daran denken wir nächstes Jahr.

17 Uhr Wir gehen mit dem HipHop-Fan Markus zu dem Braunschweiger Rapper F.R. Der Musiker weiß auch bekennende Nicht-HipHopper, wie mich, zu überzeugen. Nach einer halben Stunde wird der 18-jährige von der Bühne "geworfen", wie viele Fans finden. Bei der Rheinkultur herrscht eben ein sehr enger Zeitplan.

18:30 Uhr Wir sind am Tanzberg. "Mal was anderes", sagt Katia optimistisch. Mich irritieren die Elektroklänge eher.

22:45 Uhr Nach dem Abklappern von allen Bühnen und Angeboten werfen wir noch einen Blick auf die Sportfreunde Stiller. Eigentlich sind wir schon viel zu müde. Seit 13 Stunden sind wir schon unterwegs und die Heimreise steht auch noch bevor.

23:30 Uhr Wir sind immer noch in Bonn und warten auch einen Zug nach Köln, um dort dann auf einen Zug nach Düsseldorf zu warten. Das drückt die Laune erheblich. Unsere Unterhaltungen sind auf ein Minimum zurückgegangen. Wir wollen alle nach Hause.

2:35 Uhr Das war ein langer Tag! Stunden und Bands später lasse ich mich ins Bett fallen. Die Ohren klingeln immer noch. Macht nichts. Ich bin zu müde, um von solchen Wehwehchen nicht einschlafen zu können. Bis zur Rheinkultur 2009 will ich unbedingt wieder erholt sein!

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