Zero-Kunst im Arp-Museum Rolandseck

Arp-Museum : Otto Piene, der Feuerkopf

Das Arp-Museum im alten Bahnhof zu Rolandseck widmet dem Zero-Künstler eine große Ausstellung. Hierbei kommt es zu einem erhellenden Dialog mit Werken von Lucio Fontana.

Remagen-Rolandseck Otto Piene war ein Feuerkopf. Bis ins Alter erprobte er Neues und brachte damit das Publikum zum Staunen. Gleichzeitig war es ihm vergönnt, gegen Ende des Lebens zu erfahren, wie sich die Kunstwelt wieder verstärkt für seine Anfänge interessierte, für die Zero-Zeit. So stand er, der jahrzehntelang zwischen Düsseldorf und den USA gependelt war, im Zenit seines Ruhms, als er 2014 während einer Taxifahrt in Berlin unerwartet starb, einen Tag nach Eröffnung seiner großen Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie.

Im Remagener Arp-Museum Bahnhof Rolandseck lässt sich nun in intimerem Rahmen verfolgen, wie der 1928 im Siegerland geborene Piene zunächst mit Heinz Mack die kurz darauf um Günther Uecker erweiterte Gruppe Zero gründete und nach 1966 wie die beiden Mitstreiter einen eigenen Weg beschritt. Der Rundgang durch das helle, weiße, von Richard Meier entworfene Museum am Rheinhang führt nicht nur an 53 Werken von Piene vorbei, sondern ebenso an acht Arbeiten von Lucio Fontana. Piene hatte dem italienischen Avantgardekünstler, der durch seine Schnittbilder Weltruhm erlangte, nach eigenen Angaben viel zu verdanken. Unter Fontanas Einfluss entwickelte er sich zu einem Lichtkünstler, Raumspezialisten, Bewunderer des Weltalls und am Ende noch zum Keramiker.

In Rolandseck stehen Pienes und Fontanas Werke von vornherein im Dialog, so zum Beispiel Pienes Rasterbild „Frequenz“, womöglich das Urbild der Zero-Bewegung, und Fontanas „Lichtsirene“, ein Kreis aus erhabenen Punkten auf weißem Grund.

Seit je wecken Pienes Feuerbilder das besondere Interesse des Publikums. Als vor einem halben Jahr sein einstiges Atelier im Düsseldorfer Zero-Haus wieder zugänglich wurde, erzählte man sich von Neuem die Geschichten, die sich darum ranken: dass Piene dort bei zugezogenen Vorhängen mit offenem Feuer gearbeitet habe, dass er Bilder malte, indem er sie über der Flamme bewegte, und dass ahnungslose Nachbarn einmal die Feuerwehr gerufen hätten.

Eines der ersten Feuerbilder, „Die Geburt des Regenbogens“, ist jetzt in der Ausstellung zu sehen. Unweit davon blickt man hinaus auf eine Terrasse, auf der, wenn es nicht gerade stürmt, sich eines seiner „Inflatables“ in alle Richtungen reckt. Das ist in diesem Fall eine Kopie der monumentalen Luftplastik „Paris Star“ von 2008, ein sieben Meter hoher, sieben Meter breiter aufblasbarer Stern in Weiß, der von Pienes Begeisterung für den Weltraum zeugt. Eine handliche Version befindet sich in einer Vitrine der Schau: der „Kleine Urknall“, eine mit Platin- und Goldglanz besprühte Keramik, deren Oberfläche an jene von Gestirnen erinnert. „Magma“ und „Komet“ sind Titel von Bildern Pienes in der Nähe; damit korrespondieren in einer Vitrine „Spheres“, zwei keramische Kugeln von Fontana.

Ein paar Schritte weiter lässt ein später „Lichtraum“ von 2007 an Pienes frühe Jahre zurückdenken. Auf zwei angrenzenden Projektionswänden wandern Lichtkreise über ein statisches Gebilde aus Linien, die sich gleichfalls zu Kreisen fügen.

Otto Piene hat viel getan, um mit immer wieder neuen Anreizen seine Begeisterung für Materie, Licht und Weltraum mit dem Publikum zu teilen. Nicht jedes Experiment erwies sich als Knaller, doch langweilig wird einem angesichts der Fülle von Effekten nicht. Die überwiegend mit Arbeiten des Privatsammlers Edgar Quadt bestückte Schau im Bahnhof Rolandseck trägt ihren Titel zu Recht: „Otto Piene – Alchemist und Himmelsstürmer“.

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