Valery Tscheplanowa mit Alfred-Kerr-Darstellerpreis geehrt

Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen : Alfred-Kerr-Darstellerpreis geht an Valery Tscheplanowa

Tanz, eine neue Art von Puppenspiel und Inszenierungen, die eher Kunst-Installationen als Bühnenkunst gleichen - das 51. Theatertreffen war vielfältig wie selten. Zum Abschluss wird in Berlin der begehrte Kerr-Darstellerpreis verliehen.

Die Schauspielerin Valery Tscheplanowa ist zum Abschluss des 51. Theatertreffens deutschsprachiger Bühnen mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet worden. Die 1980 in Russland geborene Tscheplanowa wurde von der diesjährigen Kerr-Preis-Jurorin, der Schauspielerin Edith Clever, aus dem Kreis der zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Künstler ausgewählt. Der Kerr-Preis für die beste Leistung eines jungen Schauspielers ist mit 5000 Euro dotiert.

Tscheplanowa wurde mit der Auszeichnung am Sonntag für ihre Rolle der Njurka in der Aufführung von Heiner Müllers "Zement" des Münchner Residenztheaters geehrt. Die Inszenierung ist die letzte Regiearbeit des im vergangenen Jahr verstorbenen Regisseurs Dimiter Gotscheff.

"Schon gleich als sie erschien und die Bühne betrat, hatte sie mich gewonnen", begründete Clever ihre Wahl. "An ihr hat mir alles gefallen. Und ihre klare leuchtende Stirn, ihr fester und doch leichter Schritt, ihr Singen, ihr Temperament, ihr Humor - das alles hat mich bezaubert", so Clever. "Alles war so selbstverständlich und mutig."

Tscheplanowa studierte Schauspiel an der Berliner Ernst-Busch-Hochschule. Nach Engagements am Deutschen Theater Berlin und am Schauspiel Frankfurt gab sie in ihrer Rolle in "Zement" ihr Debüt am Münchner Residenztheater, wie die Berliner Festspiele mitteilten.

Beim 51. Theatertreffen wurden 17 Tage lang die "bemerkenswertesten" Inszenierungen der Saison gezeigt. München schickte mit insgesamt vier Inszenierungen die meisten Stücke in die Hauptstadt.
Aufführungen kamen auch aus Stuttgart, Zürich und Wien. Die zehn eingeladenen Inszenierungen werden traditionell von einer Jury von Theaterkritikern ausgewählt.

Dieses Jahr war das Festivalprogramm mit Tanz, Puppenspiel, Dokumentartheater und Inszenierungen, die Kunst-Installationen ähnelten, besonders vielfältig. Als letzte Inszenierung zeigte zum Festivalabschluss Alvis Hermanis seine am Schauspielhaus Zürich entstandene Regiearbeit "Die Geschichte von Kaspar Hauser", eine Art Puppenspiel. Auf alt geschminkte und kostümierte Kinder spielen in dem Stück die Biedermeier-Gesellschaft, werden in Wirklichkeit aber von hinter ihnen agierenden Schattenschauspielern gelenkt.

(dpa)
Mehr von RP ONLINE