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Unna: Internationale Lichtkunstzentrum zeigt Lichtkunst im Brauereikeller

Lichtkunstzentrum in Unna : Erleuchtung im ehemaligen Brauereikeller

Dort, wo früher Bier gebraut wurde, erstrahlen nun Kunstwerke aus Licht: Vor gut 20 Jahren hat in Unna das internationale Lichtkunstzentrum eröffnet.

Am Boden leuchten Worte von Heinrich Heine, darüber blinken Smartphones und Kameras der Besucher: Es ist ja auch ein besonderer Anblick, der sich ihnen gleich zu Beginn im Lichtkunstzentrum Unna bietet: Sie stehen auf einem Steg, der wenige Meter unter der Decke durch den Raum führt. Unter ihnen schimmern Buchstaben im Neonlicht. „Die Welt ist die Signatur des Wortes“ ist da zu lesen oder auch „es wird Licht oder es wird Finsternis“. Und erst am Ende lässt sich das ganze Zitat entziffern. „Der Lesefluss wird gezielt unterbrochen“, erklärt eine Museumführerin, die an jenem Tag eine kleine Gruppe durch das Zentrum führt.

Die Schrift hat der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth aus Neonröhren geformt. Seine Installation gehört zur Dauerausstellung und wirkt wie ein Versprechen für all das, was die Besucher im Museum noch erwartet: Das hat sich auf Lichtkunstwerke spezialisiert und gilt als weltweit einzigartig.

Unter den Besuchern leuchten Worte von Heinrich Heine. „Die Signatur des Wortes“ ist ein Werk von Joseph Kosuth. Foto: Frank Vinken

Aber erst einmal geht es ins Dunkle. Gleich hinter dem Eingang steigen die Beuscher eine Treppe hinab und finden sich in einem alten Gewölbekeller wieder. Er gehört zur ehemaligen Lindenbrauerei, in der bis 1979 Bier produziert wurde. Dort, wo früher die Gär-, Kühl- und Lagerhallen waren, sind seit knapp 20 Jahren Arbeiten von internationalen Lichtkünstlern zu sehen. 13 haben ihre Werke dauerhaft installiert und speziell an die besonderen Räume angepasst.

Da wäre der „Tunnel of Tears“ – der Tunnel der Tränen von Keith Sonnier. In einem unterirdischen Durchgang hängen seine gebogenen Neonröhren von der Decke und tauchen das Gemäuer in blaues Licht; geht man weiter, wechselt es zu rot. Je nach Jahreszeit kann es sein, dass sich auf dem Boden eine Pfütze bildet, erzählt die Museumsführerin. Dann spiegeln sich die Lichter darin, beinahe so, als wäre die Flüssigkeit Teil der vergossenen Tränen. Tatsächlich ist es aber Grundwasser, das durch den Kellerboden sickert.

Überhaupt ist der Brauereikeller ein geheimnisvoller Ort: Auf ein paar tausend Quadratmetern reihen sich die Räume labyrinthartig aneinander – die Besucher werden zu Entdeckern, die sich durch die verwinkelten Gänge bewegen, um dann immer wieder staunend vor einem Lichtwerk stehen zu bleiben.

Neben dem Tunnel der Tränen wäre da auch eine Installation des Düsseldorfer Künstlers Mischa Kuball, der Worte an den Besuchern vorbeiflitzen lässt: Sie schießen über den Boden, flimmern wie Sterne an den Wänden und lassen sich doch nicht auf Anhieb entziffern. Grund dafür sind zwei Kugeln, die die Buchstaben in viele kleine Fragmente zerlegen. Erst eine Museumsführerin verrät, aus welchem Blickwinkel sich die Worte lesen lassen. Und wirklich: Nach einem Perspektivwechsel lassen sich die Lichtpunkte zu den Worten „Space, Speech, Speed“ zusammensetzen. Das ist auch der Titel des Werks. Einige Schritte weiter blickt der Besucher einen Schacht hinauf, in dem das „Ich“ auf zehn Sprachen nacheinander aufblinkt.

Neben der ständigen Sammlung, gibt es Sonderausstellungen zum Licht. Aktuell ist „Neon Delight“ zu sehen. Die Schau widmet sich einem Material, das schon immer etwas Faszinierendes und Geheimnisvolles hatte. Wer in Neon Buchstaben schreibt, fällt auf; darum machten sich das auch die Gestalter von Reklametafeln zu nutze. Auch Künstler greifen seit den 1960er Jahren verstärkt auf Neon zurück. Besonders gerne – das wird bei der Auswahl in Unna deutlich – formen sie daraus Texte. Und so sind viele Werke, die nun in der Ausstellung zu sehen sind, immer auch Poesie.

„Never move far from color“ fordert Maurizio Nannucci in bunten Buchstaben, und wenn Jeppe Hein in einem Spiegel nach seiner Existenz fragt – „Who am I, Why am I, Where am I going“ –, bezieht er den sich spiegelnden Betrachter in seine Überlegungen ein. Wenige Meter weiter verkündet Bruce Nauman, dass ein wahrer Künstler der Welt hilft, in dem er geheimnisvolle Wahrheiten aufdeckt. Inmitten des rohbelassenen Kellerraums wirkt die Aussage noch mythischer. Subtiler in ihrer Botschaft sind da die geometrischen Figuren und Sklupturen von Keith Sonnier, Anselm Reyle und Francois Morellet: Eindruck hinterlassen sie trotzdem.

Wer das Museum in der Dämmerung verlässt, bekommt über Tage noch ein weiteres Werk zu sehen. Dort ragt nämlich der Brauereischornstein schon von weitem sichtbar in den Himmel: Auf ihm hat der italienische Künstler sich mit einer leuchtenden Fibonaci Folge verewigt.