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Trauerfeier wird zu Staatsbegräbnis: Solschenizyn in Moskau beigesetzt

Trauerfeier wird zu Staatsbegräbnis : Solschenizyn in Moskau beigesetzt

Moskau (RPO). Im Beisein zahlreicher Trauergäste ist der russische Schriftsteller und frühere Dissident Alexander Solschenizyn am Mittwoch im Moskauer Donskoi-Kloster beigesetzt worden. An der Feier, die den Charakter eines Staatsbegräbnisses hatte, nahm auch Präsident Dmitri Medwedew teil. Solschenizyn war am Sonntag im Alter von 89 Jahren in seinem Haus außerhalb der russischen Hauptstadt gestorben.

Vier Jahre später erschien sein Lebenswerk "Archipel Gulag", in dem er schonungslos die Bedingungen in russischen Arbeitslagern beschrieb. Die Beerdigungszeremonie begann mit einem Gottesdienst im Donskoj-Kloster. An der Messe in der Kathedrale des Klosters nahmen etwa 100 Trauergäste teil. Um den offenen Sarg Solschenizyns standen weiß gekleidete orthodoxe Geistliche. Staatschef Medwedew legte einen Strauß roter Rosen vor dem Sarg ab, andere Trauernde küssten den Toten zum Abschied auf die Stirn.

Auf dem Friedhof des Klosters wurde Solschenizyn in der Nähe einer Kapelle begraben. Nachdem eine Militärkapelle einen Trauermarsch gespielt hatte, warf Solschenizyns Witwe Natalja eine Hand voll Erde auf den Sarg, und ein anderthalb Meter hohes Holzkreuz wurde über dem Grab errichtet. Zahlreiche Kränze wurden an Solschenizyns Grab niedergelegt, darunter auch von der Menschenrechtsorganisation Memorial, die sich für die Rechte ehemaliger Häftlinge der kommunistischen Arbeitslager einsetzt. Der weltbekannte Autor hatte sich den Ort vor fünf Jahren für sein Begräbnis ausgesucht. Auf dem Friedhof sind weitere Kritiker der ehemaligen Sowjetunion beerdigt.

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  • Literaturnobelpreisträger : Alexander Solschenizyn ist tot

"Er war eine unsere stärksten Persönlichkeiten, ein einzigartiger Mensch", sagte der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow vor der Zeremonie über den Verstorbenen. Die landesweit live im Fernsehen übertragene Beerdigung glich einem Staatsbegräbnis, eine Militärwache begleitete den Sarg, und es wurde ein dreifacher Salut gefeuert. Medwedew sprach den Hinterbliebenen Solschenizyns sein Beileid aus.

"Als er noch lebte, tat der Staat nichts für ihn", kritisierte ein Anhänger Solschenizyns, der zu dem Kloster gekommen war, um sich von dem Schriftsteller zu verabschieden. "Jetzt, da er tot ist, wollen sie ihn für sich vereinnahmen." Solschenizyn war am Sonntag an Herzversagen gestorben, sein Tod hatte weltweit Bestürzung und Trauer ausgelöst.

Alexander Solschenizyn wurde am 11. Dezember 1918 im Kaukasus geboren. 1962 gestattete Staatschef Nikita Chruschtschow die Veröffentlichung seiner Erzählung "Ein Tag im Leben des Iwan Dennissowitsch" über einen Gefangenen in einem Gulag. Die Geschichte sorgte in der Sowjetunion für großes Aufsehen. Weitere Werke Solschenizyns erschienen im Untergrund oder im Ausland. 1970 erhielt der inzwischen weltweit bekannte Autor den Nobelpreis für Literatur. Vier Jahre später erschien sein Lebenswerk "Archipel Gulag", die sowjetische Führung bürgerte ihn daraufhin aus. 1994 kehrte er aus seinem Exil in Deutschland, der Schweiz und den USA nach Russland zurück.

Rumäniens Präsident Traian Besescu teilte am Mittwoch mit, Solschenizyn werde posthum für "seinen Mut und seine Würde" mit dem Nationalorden geehrt. Der Schriftsteller sei eine der bedeutendsten Stimmen Russlands des 20. Jahrhunderts gewesen.

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(ap)