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Deutschlands große Fotografin Herlinde Koelbl: Schonungslos, neugierig, direkt

Deutschlands große Fotografin Herlinde Koelbl : Schonungslos, neugierig, direkt

Düsseldorf (RPO). Die Fotografin Herlinde Koelbl zählt in Deutschland zu den Stars ihrer Berufsgruppe. In München ist nun eine Werkschau aus ihrer 34-jährigen Schaffenszeit zu sehen. Immer wieder hat sie sich dabei Tabuzonen genähert. Koelbl schaut in Schlafzimmer, hält der Schickeria den Spiegel vor, wagt den Blick in die Seele. Aufsehen erregte ihre Serie "Spuren der Macht", in denen sie zeigte, wie im Laufe der Jahre das Amt einen Menschen verändert.

Die Werkschau im Münchner Stadtmuseum bringt wohl das auf den Punkt, was Koelbl so groß gemacht hat: Immer wieder gelingt es ihr, zum Wesen der Menschen und Dinge vorzustoßen. Dabei umfassen ihre Arbeiten einen Zeitraum von inzwischen 34 Jahren. Damals, 1973, begann sie als Autodidaktin. ein Freund hatte ihr ein paar Filme geschenkt. Die ersten Objekte vor der Linse waren ihre eigenen Kinder.

Nun hat sie Stars und Personen der Zeitgeschichte vor der Kamera. Auch deswegen gilt Koelbl als eine der ganz Großen ihrer Branche. In den Feuilletons wurde sie als Chronistin einer Epoche gefeiert - "wie früher die Romanciers, wie Zola oder Balzac, nur mit andern Mitteln." Grund genug, das Schaffen der Frau mit den feuerroten Haaren angemessen zu würdigen. Die umfassende Ausstellung in München dokumentiert nun die wichtigsten Stationen ihres Werkes.

Schlafzimmer erzählen eine Menge

Anders als manche Kollegen nähert sie sich ihren Themen nicht spontan. Auch das Einzelbild ist nicht ihre Sache. Stattdessen geht sie konzeptionell vor. Zahlreiche Bildbände spiegeln das wider. Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet etwa eine ihrer ersten Fotoserien, die ab 1980 entstandenen Arbeiten zu "Das deutsche Wohnzimmer". Koelbl porträtiert darin Menschen aus allen sozialen Schichten — Filmemacher, Künstler, Arbeiter oder Beamte, Landwirt oder Minister — in ihren Wohnzimmern. Ein vergleichbares Thema griff die Fotografin nochmals 2002 in der umfangreichen Arbeit mit dem vielsagenden "Schlafzimmer" auf.

Ganz anders befasste sie sich mit Sexualität und Körperlichkeit. Eine eigene Sprache entwickelte sie mit den Bildern aus dem Zyklus "Starke Frauen". Sie zeigt nicht das gängige Bild der schönen schlanken Frau, sondern kreiert eine völlig neue Form der Ästhetik mit der Inszenierung der Körperfülle, Vitalität und Präsenz ihrer Modelle.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Koelbl schließlich mit den langjährigen Arbeiten zu "Spuren der Macht" bekannt. Jahrelang begleitete sie bekannte Politiker wie Angela Merkel, Gerhard Schröder oder Joschka Fischer. Ihre Bilder dokumentieren, wie das Amt diese Menschen physisch und psychisch veränderte.

Beispiele aus der Werkschau Herzlinde Koelbls zeigt unsere Fotostrecke. Im Stadtmuseum München sind ihre Arbeiten bis zum 10. April zu sehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Herlinde Koelbl wagt den Blick in die Seele

(pst)