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Neubau ist vom Tisch: Schauspiel Köln wird saniert

Neubau ist vom Tisch : Schauspiel Köln wird saniert

Köln (RP). In einer Sondersitzung hat der Kölner Stadtrat gestern entschieden, sein Theater aus den 60er Jahren zu sanieren. Der geplante Neubau ist damit vom Tisch. Wie lange die Arbeiten dauern werden, ist noch offen. Mit der Entscheidung revidierte der Stadtrat seinen Beschluss vom Dezember 2009.

Die skeptischen Bürger haben sich durchgesetzt. Gestern hat sich der Kölner Stadtrat in einer langwierigen Sitzung dem Bürgerbegehren gegen den geplanten Neubau des Kölner Schauspiels angeschlossen. Die Initiative "Mut zur Kultur" hatte sich gegründet, nachdem der Rat der Stadt im Dezember entschieden hatte, statt eines eigentlich geplanten Theaterzentrums mit großzügigen Proberäumen und unterirdischen Werkstätten eine deutlich abgespeckte Version zu bauen. Die Bürgerinitiative sah unter dieser Voraussetzung keine Notwendigkeit mehr, das bestehende Riphahn-Theater aus den 60er Jahren abzureißen.

In kurzer Zeit sammelte die Initiative 50 000 Unterschriften gegen das Neubauprojekt. Auch die Intendantin des Kölner Schauspiels, Karin Beier, wandte sich gegen den Abriss ihres Hauses und riskierte zuletzt harte Auseinandersetzungen mit ihrem Intendanten-Kollegen Uwe Eric Laufenberg von der Oper. Gestern bekam sie nun Recht. Der Rat beugte sich dem Willen der Bürger, wandte sich gegen den eigenen Neubau-Beschluss und bestimmte, die Sanierung des bestehenden Theaters in Angriff zu nehmen.

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In der Debatte vor der Abstimmung hatte die SPD noch versucht, für den Neubau zu werben. Noch einmal trat der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) ans Rednerpult, verglich den Entwurf für das neue Schauspielhaus mit dem Centre Pompidou in Paris und appellierte an die Abgeordneten, Mut für moderne Architektur zu beweisen. "Angst vor der eigenen Courage ist kein guter Wegbegleiter", so Roters. Doch mit seinem Pompidou-Vergleich erntete er nur noch Lacher. Köln, so schien es gestern, ist die Lust auf große Bauprojekte abhanden gekommen. Wiederholt bezogen sich Redner auf die Katastrophe beim U-Bahnbau. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs geisterte als Horror-Szenario durch die Debatte.

Auch die Vertreter der Bürgerinitiative, die mehrfach Rederecht eingeräumt bekamen, wiederholten ihre Bedenken gegen einen Neubau, der in ihren Augen dem alten Bau kaum überlegen wäre. Außerdem wehrten sie sich gegen Vorwürfe, sie seien Zukunftsverhinderer: "Wir sind nicht kleinlich, unser Begehren ist ein Aufruf zu intelligentem Sparen."

Bei der Abstimmung war dann am Ende entscheidend, dass sich die Grünen im Kölner Stadtrat geschlossen mit der CDU, den Linken und ProKöln dem Bürgerbegehren anschlossen. Eine pikante Entscheidung mitten im Landtagswahlkampf, ließen die Grünen damit doch ihren eigentlichen Partner, die SPD, im Stich. Damit verhinderten sie einen direkten Bürgerentscheid, denn dazu wäre es im Juli automatisch gekommen, hätte sich das Bürgerbegehren nicht schon jetzt durchgesetzt. Die SPD hatte zwar ihre Ablehnung des Bürgerbegehrens noch damit begründen wollen, dass dann die Bürger direkt gefragt werden müssten. Doch diese Strategie ging nicht auf. Die Bürgerinitiative selbst hatte davor gewarnt, es zu einem direkten Entscheid kommen zu lassen, weil dann weitere Zeit verloren gegangen wäre.

Nun wird der Kölner OB einen runden Tisch einberufen, an dem über die Sanierung konkret beraten werden soll. Diverse Möglichkeiten, etwa die Anlieferbedingungen am Theater zu verbessern und den Zuschauerraum zu verkleinern, stehen im Raum. An dem runden Tisch sollen neben Politik und Verwaltung auch die beiden Intendanten von Schauspiel und Oper sitzen sowie Vertreter der Bürgerinitiative.

Die freuten sich nach der Abstimmung über ihren Sieg. "Wir sind natürlich noch nicht am Ziel", sagte Peter Bussmann, einer der Sprecher der Initiative, "aber wir sind jetzt auf dem richtigen Weg". Auch Intendantin Karin Beier, die die gesamte Debatte von der Zuschauertribüne aus verfolgte, freute sich über das Ergebnis. "Ein guter Tag für Köln, eine Wende in letzter Minute", sagte sie. "Jetzt müssen wir die Kosten der Gesamtmaßnahmen in eine vernünftige Dimension bringen und die Interimszeit so kurz wie möglich halten."

Zuletzt hatte es Spekulationen darüber gegeben, ob Beier die Stadt im Falle eines Neubaus verlassen würde. Gestern sagte sie: "Ich sehe jetzt, dass ich nicht allein auf das Interesse der Bürger, sondern auch auf den Gestaltungswillen der Politiker bauen kann — da macht es wieder Spaß, hier zu arbeiten."

Für den Opernintendanten dagegen ist die Entscheidung keine gute Nachricht, da nun auch der Beginn der Sanierung wieder unter Vorbehalt steht. Nun muss geprüft werden, ob auch die Sanierung der Oper neu ausgeschrieben werden muss, weil sich das Gesamtkonzept verändert hat. Auch wird es ohne Theaterneubau keine klare Trennung zwischen Oper und Schauspiel geben, da die Theaterleute in Zukunft einen Teil der Opernräumlichkeiten werden mitnutzen müssen. Wie genau das in Zukunft gehen soll, wird nun ausgehandelt werden müssen. Auch Sanierungen sind schon teurer geworden als gedacht. Karin Beier versuchte jedenfalls, die Wogen zu glätten: "Jetzt heißt es für alle: Friedenspfeife rauchen und ran an die Arbeit."

(RP)