Sandskulpturen auf Rügen: Riesen-Störtebecker aus Sand

Sandskulpturen auf Rügen : Riesen-Störtebecker aus Sand

Sagard (RPO). Die Zeiten der Hanse-Piraten werden auf Rügen wieder lebendig: Ein internationales Team von Bildhauern bereitet eine Ausstellung mit riesigen Sandskulpturen vor. Alle gezeigten Szenen drehen sich um das Leben des deutschen Freibeuter-Königs Klaus Störtebeker.

Vorsichtig streicht Yosef Bakir mit dem Kellenblatt durch die Falte im Gesicht eines fast drei Meter großen Soldaten. Dann verleiht der 37-jährige Künstler seiner Sandfigur mit einem feinen Pinsel den letzten Schliff. Eine ganze Woche hat der gebürtige Syrer gebraucht, um aus einem Dutzend Tonnen Spezialsand eine aus mehreren Hanse-Kriegern bestehende Kampfszene zu modellieren. Bis zur Eröffnung der großen Sandskulpturenschau am 13. Juni soll nun noch die legendäre Hansekogge "Bunte Kuh" komplett aus Sand entstehen.

Bakir, der an der Kunstakademie Damaskus studierte und als Maler in Deutschland lebt, ist einer von 55 Sandskulpturen-Bildhauern, die derzeit auf einer riesigen Sandbaustelle bei Sagard auf Rügen vergängliche Kunstwerke mit Szenen aus dem Leben des legendären Seefahrers Klaus Störtebeker schaffen. Als die Einladung der holländischen Agentur "Sculpture Events" nach Rügen kam, habe er sofort angenommen, sagt der Spezialist für Figurengruppen. "Die Vorgaben der Gastgeber sind für mich eine völlig neue Herausforderung."

Für die auf Sand gebauten Piratenabenteuer hat das Neddesitzer Hotel Jasmar Resort Rügen als Ausrichter Experten aus aller Welt nach Rügen geholt. Auf einer überdachten Fläche von 3500 Quadratmetern wühlen sich schon seit zwei Wochen Sandkünstler aus Deutschland, Großbritannien, dem Iran, Italien, Kanada, Lettland, den Niederlanden, Portugal, Russland, Ungarn und den USA durch Sandberge - und schnitzen, glätten und spachteln nach einem vorgegebenen Gesamtkonzept fantasievolle Seefahrer-Welten in die vorgepressten Blöcke.

Die Gestaltungsidee entwickelte Michel de Kok. Der Holländer, der vor zwei Jahren in Kanada mit sechs großen Gesichtsdarstellungen Sandskulpturen-Weltmeister wurde, hat für das Rügener Festival genau recherchiert. "Vor zwei Monaten wusste ich noch nicht einmal, wer eigentlich Klaus Störtebeker war", gesteht er. Nun erklärt er den Besuchern beim Rundgang durch die Ausstellungszelte die wichtigsten Stationen des Freibeuters, dem alljährlich auf Rügen ein Open-Air-Theater-Festival gewidmet ist.

Für das Stralsund-Panorama zum Beispiel sei er zwei Tage lang mit der Kamera durch die Stadt gestreift. In Filmen, Büchern und im Internet recherchierte er Szenen und Legenden über den Piratenhauptmann, darunter natürlich auch die berühmte Hinrichtung von Störtebeker im Jahre 1401 auf dem Hamburger Grasbrook, an deren Darstellung gegenwärtig ukrainische Künstler arbeiten.

Insgesamt 8000 Tonnen Sand ließen die Organisatoren auf die neue Kunstbaustelle fahren. Weil sich Rügens rundgeschliffener Strandsand nicht für derartige Bauwerke eigne, werde scharfkantiger Flusssand aus der Maas sowie leicht lehmhaltiger Sand aus einem Kiestagebau auf Rügen verwendet, sagt Bauleiter Huib Joor, der schon Baustoff für Festivals in den Niederlanden, England und Deutschland besorgte, aus dem das Alte Rom, das Ägypten der Pharaonen und Bibelwelten geformt wurden.

Mit einem Etat von 1,2 Millionen Euro sind die Veranstalter in Vorkasse gegangen. Sie rechnen mit etwa 200 000 Gästen. "Bei Erfolg soll das Sandskulpturenfestival auf Rügen zu einer regelmäßigen Veranstaltung im Sommer werden", sagt Werner Kutter, Chef des Hotels Jasmar Resort Rügen, das das Festival unterstützt. Ideen gebe es genug. Die Hansegeschichte zum Beispiel, die norddeutschen Märchen oder die Tierwelt der Nationalparks in Mecklenburg-Vorpommern böten viele Motive für traumhafte Welten aus Sand.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2010: Störtebecker-Sandskulpturen auf Rügen

(DDP/ndi)
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