Kürzungen in NRW auch von Kanzlerin kritisiert: Proteste gegen Sparkurs bei Denkmalschutz

Kürzungen in NRW auch von Kanzlerin kritisiert : Proteste gegen Sparkurs bei Denkmalschutz

Ein alter Bauernhof, eine Mühle, ein Schlösschen, eine Kirche - bisher bekamen Eigentümer in NRW Landeszuschüsse für den Erhalt von Baudenkmälern. Rot-Grün hat hier den Rotstift angesetzt. Dagegen regt sich Protest - bis hin zur Kanzlerin.

Die Protestwelle gegen drastische Kürzungen beim Denkmalschutz in Nordrhein-Westfalen wird größer. Rund 27.000 Menschen sowie Verbände und Museen im In- und Ausland unterzeichneten eine Petition mit der Forderung, die Landesregierung solle die Streichungen beim Erhalt von Baudenkmälern zurücknehmen.

Rot-Grün will die Förderung auf Darlehensbasis umstellen. Heimatpfleger befürchten, dass Eigentümer von denkmalgeschützten Kirchen, Bauernhöfen, Mühlen oder Häusern dann nicht mehr privat in den Erhalt investieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) übergab die Petition am Dienstag NRW-Bauminister Michael Groschek und Landtagspräsidentin Carina Gödecke (beide SPD).

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Sparmaßnahmen offen kritisiert. Die Landeszuschüsse für Bau- und Bodendenkmalpflege in NRW werden in diesem Jahr um zwei Millionen auf rund 9,3 Millionen Euro gekürzt.

Landtag soll bald abstimmen

Archäologen und Denkmalpfleger befürchten, dass das Land bis 2015 vollständig aus der privaten und kirchlichen Denkmalförderung aussteigen will. "Für viele Denkmäler führt das zur undokumentierten Zerstörung, weil das Geld für die nötigen Rettungsgrabungen und ihre Dokumentation fehlt", heißt es in der Petition.

Zugleich forderte die DGUF Nachbesserungen beim neuen Denkmalschutzgesetz. Zwar sei es richtig, dass Bauherren oder Projektträger künftig die Kosten für Ausgrabungen auf Baugrundstücken tragen müssten, sagte der stellvertretende DGUF-Vorsitzende Frank Siegmund der dpa.

Nach Ansicht der DGUF sollten Bauherren aber auch die Folgekosten wie etwa Konservierung der Funde tragen. Andernfalls kämen auf das Land Zusatzkosten von schätzungsweise 16 Millionen Euro jährlich zu. Die DGUF forderte zugleich aber eine Höchstgrenze für die Beteiligung der Bauherren, um ihnen Planungssicherheit zu geben.

Der Landtag soll noch vor der Sommerpause über das neue Denkmalschutzgesetz abstimmen. Die DGUF kritisierte auch die wohl wichtigste neue Regelung, wonach Finder alte Münzen, Scherben oder andere archäologische Objekte künftig den Denkmalbehörden übergeben müssen. "Das motiviert Sammler und Sondengänger zur Unterschlagung ihrer Entdeckungen", sagte Siegmund.

"Eine der reichsten Fundlandschaften in Europa"

"Nordrhein-Westfalen gehört zu den reichsten Fundlandschaften in Europa, das verpflichtet", sagte der DGUF-Vorsitzende Rengert Elburg. Es gebe dort Fundstellen von internationaler Bedeutung wie das Neandertal, Xanten, die Römerlager und die gesamte Innenstadt von Köln. Das jetzt geplante "Schatzregal", demzufolge archäologische Funde dem Staat gehören, gilt bereits in allen anderen Bundesländern außer NRW und Bayern.

Scharf kritisierte die DGUF das geplante fast uneingeschränkte Betretungsrecht der Denkmalbehörden für Grundstücke und Wohnungen. "Das wird die Akzeptanz der Denkmalpfleger und Archäologen erheblich verschlechtern", sagte Siegmund. Für Wohnungen müsse das Betretungsrecht eingeschränkt werden.

Die DGUF ist der nach eigenen Angaben mitgliederstärkste bundesweit tätige Fachverband für mitteleuropäische Archäologie. Die Gesellschaft setzt sich für bessere Rahmenbedingungen der modernen Archäologie in Forschung und Lehre sowie beim Bodendenkmalschutz ein.

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(lnw/csr/jco)
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