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Stricken für den Frieden: Panzer bekommt eine Kuscheldecke

Stricken für den Frieden : Panzer bekommt eine Kuscheldecke

Umstrickt und umstritten: Ein Panzer des Militärhistorischen Museums bekommt eine bunte Strickhülle - als Zeichen gegen Krieg und Gewalt. Das sorgt für heftige Diskussionen in Dresden.

Ein Panzer vor dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden ist nichts Ungewöhnliches. Wenn er vom Kanonenrohr bis zur Kette jedoch in eine bunte Flickendecke eingestrickt ist, sorgt das für Aufsehen. Mit der Aktion "Auf ins Geflecht" will ein Dresdner Verein ein ungewöhnliches Zeichen gegen Krieg und Gewalt setzen. "Und zwar, indem wir ein Kriegsgerät in weiche Wolle packen und damit außer Gefecht setzen", erklären die beiden Initiatorinnen, Barbara Niklas und Kristina Krömer.

In der Dresdner Ateliergemeinschaft "Louisen Kombi Naht" haben sich Mode- und Kostümdesignerinnen sowie passionierte Strickerinnen zusammengeschlossen. Auslöser für ihre Panzer-Idee war die Debatte darüber, wie der 13. Februar - der Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg - begangen wird. Friedliches Gedenken und Erinnern auf der einen Seite, Neonazi-Aufmärsche und Gegendemonstrationen auf der anderen Seite.

60 Menschen strickten mit

"Wir wollten eine Alternative anbieten", sagt Niklas. Verschiedene Generationen sollen über Krieg und Gewalt ins Gespräch kommen. Handarbeiten seien dafür gut geeignet, nebenher lasse es sich leichter erzählen. Das Konzept ging auf: Seit September haben bei den wöchentlichen Treffen rund 60 Menschen an der Panzerhülle mitgestrickt - die Jüngste sieben Jahre, die Älteste 83 Jahre alt.

"Die Menschen haben viel erzählt, mehr als wir erwartet haben", sagt Niklas. Über ihren Alltag während des Krieges oder davon, wie die eigene Familie betroffen war. Bei dem Strick-Projekt gehe es allerdings nicht darum, die Bombardierung Dresdens in den Mittelpunkt zu stellen, sondern um das Leiden im Krieg, betonen die Initiatoren.

Ganz nebenbei sind so rund 50 Quadratmeter Gestricktes entstanden. Genug Material, um selbst den mehr als 40 Tonnen schweren Kampfpanzer Typ Leopard I einzustricken. Bunte Blumen- und Zopfmuster sind darunter, das Bild einer Schwangeren oder das einer Friedenstaube. Vom 11. Februar an wird das umhüllte Kampfgerät vor dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr zu sehen sein.

Projekt muss auch Kritik einstecken

"Und zwar an prominenter Stelle direkt vor dem Haupteingang. So werden die Besucher gleich damit konfrontiert", sagt Museumssprecher Alexander Georgi. Bereits im Vorfeld sorgt der Strickpanzer für Diskussionen: Die Bundeswehr mache sich damit lächerlich und nehme den Krieg nicht ernst, schreiben etwa User bei Facebook.

"Unser Haus fördert die kritische Auseinandersetzung mit der Kulturgeschichte der Gewalt", erklärt Georgi. Dazu gehörten eben auch Kunstprojekte, die zum Nachdenken anregen. Erst kürzlich wurde vor dem Museum der Bundeswehr, das Ende 2011 wiedereröffnet wurde, ein Origami-Panzer aus Papier in Originalgröße aufgestellt.

Auch die Strickerinnen mussten Kritik einstecken: Der ursprünglich für die Aktion eingeplante sowjetische T-34 Panzer wurde ausgetauscht, nachdem ein "Bündnis gegen Verstrickungen" ihnen vorgeworfen hatte, damit die NS-Opfer zu verhöhnen. Schließlich sei dieser Panzer im Einsatz gewesen, um den von Deutschland angezettelten Krieg zu beenden, hieß es zur Begründung. Um den Streit zu entschärfen, bot das Militärhistorische Museum schließlich den Leopard I an, der in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kleid statt Kanonen: Ein Panzer wird eingestrickt

(dpa/jre)