Foto-Ausstellung „UK Women“ Männer bräuchten diese Aufmerksamkeit nicht

Oberhausen · Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt in einer sehenswerten Ausstellung 28 Serien von britischen Fotografinnen. Themen wie Feminismus und nationale Identität machen sie hochaktuell.

Ein Foto aus der Serie „My Favourite Colour was Yellow“ (2016) von Kirsty Mackay.

Ein Foto aus der Serie „My Favourite Colour was Yellow“ (2016) von Kirsty Mackay.

Foto: Kirsty Mackay

Wenn eine Ausstellung mit dem Titel „UK Women“ eröffnet wird, deutet das auf ein Problem unserer Zeit hin. Die Schau in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen zeigt „britische Fotografie zwischen Sozialkritik und Identität“, wie es in der Unterzeile heißt, und zwar ausschließlich aus der Sicht von Frauen. Die 28 Serien von Fotografinnen sind zwischen den späten 1970er-Jahren und der Gegenwart entstanden und zeigen ein breit gefächertes Bild der britischen Wirklichkeit in Kunst, Leben und gesellschaftlichen Diskursen. Eine Schau mit dem Titel „UK Men“ wäre überflüssig, denn Männer sind bis heute in den Bereichen der gut bezahlten Mode- oder journalistischen Fotografie und auch im künstlerischen Bereich stark überrepräsentiert.

„Von diesen 28 Frauen werden Sie wahrscheinlich keine kennen“, sagt Kurator Ralph Goertz vor versammelten Journalisten im Vorfeld der Ausstellungseröffnung. Das habe allerdings nicht mit der künstlerischen Qualität ihrer Arbeiten zu tun. Die sieht er nämlich mindestens auf einer Stufe mit berühmten männlichen Kollegen. Das Werk von Markéta Luskačová etwa, die 1975 von Tschechien nach England immigrierte, hält er für ebenbürtig mit dem von Henri Cartier-Bresson. „Trotzdem werden ihr zumindest hierzulande keine Einzelausstellungen gewidmet.“

Zusammen mit Cartier-Bresson wurde Luskačová Ende der 1970er-Jahre vom Fotokollektiv Amber eingeladen, den Nordosten Englands zu fotografieren. Sie entschied sich für die Küstenregion Whitley Bay und ging dort auf Tuchfühlung mit Familien, die auch beim berühmten kalt-feuchten britischen Wetter ihre Freizeit am Strand verbringen. Dabei entstand eine Art Sozialfotografie, die keinen kühlen dokumentarischen, sondern einfühlsamen Charakter hat. Bilder mit einer spannenden Aufteilung, die die Aufmerksamkeit in verschiedenen Richtungen lenken.

Auch ihre Kollegin Fran May hat in schwarz-weiß soziale Realität abgelichtet; in der Londoner Brick Lane, wo heute ein berühmter Straßenmarkt floriert und damals Menschen aus sozial schwachen Schichten mit ihrem kleinen Hab und Gut handelten – auch aus dem Kofferraum heraus. Nur ein paar Schritte weiter lag der Finanzbezirk mit einer völlig anderen Wirklichkeit. „Die Straße war für mich wie eine Bühnen-Situation“, erinnert sich May.

Andere Fotografinnen wählten ganz andere Ansätze: Rachel Louise Brown baut ein artifizielles Setting wie beim Film, um darin ein Mädchen zu zeigen, das sich in die Welt der besser Situierten träumt. Dabei wirkt sie allerdings immer etwas verloren und fehl am Platz. Kirsty Mackay hat sich 2016 mit der immer noch aktuellen Frage beschäftigt, warum Jungs eigentlich immer blau und Mädchen rosa tragen. „Meine Lieblingsfarbe war gelb“ heißt ihre Serie von 2016 – sie zeigt aber ausschließlich Mädchen in rosa Kleidungsstücken, mit rosa Spielzeug oder in rosa Zimmern. Der Stolz der Kleinen auf diese Besitztümer hat sie überrascht.

Themen wie Queerness, Feminismus (stark im Werk der Künstlerin und Aktivistin Sarah Maple), nationalen Identitäten und die Heilung durch Mutter Natur treiben die britischen Fotografinnen ebenfalls um. Die Schau ist damit auf der Höhe der Zeit – und absolut sehenswert.

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