"North Philadelphia" von Daniel Traub: Verlassen, aber nicht vergessen

Bildband "North Philadelphia": Verlassen, aber nicht vergessen

Der in Philadelphia geborene Fotograf Daniel Traub hat über drei Jahre hinweg ein Porträt des nördlichen Teils der Stadt erstellt. Dabei gelang ihm eine schonungslose Darstellung des Gebiets.

North Philadelphia ist ein vorwiegend von Schwarzen bevölkerter Stadtteil. Nachdem Traub ein Jahrzehnt in China gearbeitet hatte und 2008 in die USA zurückkehrte, befand sich das Land in einer finanziellen Krise. Nachdem er in China die Menschen am Rande der Gesellschaft fotografiert hatte, wollte er auch die Ungleichheit im eigenen Land beobachten.

Die Nachbarschaft kannte er bereits als Junge. Als Teenager arbeitete Traub an einem Projekt mit, das seine Mutter, die Künstlerin Lily Yeh, ins Leben gerufen hatte: Verlassene Grundstücke wurden mithilfe von Nachbarn in Skulpturengärten und gemeinschaftlich genutzte Orte verwandelt.

Diese Erfahrung sollte ihn nachdrücklich beeindrucken. North Philadelphia zeigt Straßenecken, Hausfassaden, Kirchen, leere Grundstücke und nicht zuletzt die Bewohner des Viertels.

Rund 40.000 unbebaute Grundstücke brechen das städtische Gefüge auf. Diese Leerstellen werden oft von Bürgern umgenutzt oder der Natur überlassen. Eingerahmt von angrenzenden Häusern, handelt es sich um abgesonderte Landschaften, die zugleich eingebettet und doch entfernt wirken.

(cfk)