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Fotograf Ralph Gibson in Berlin: Mystisches und Aktfotografie im Detail

Fotograf Ralph Gibson in Berlin : Mystisches und Aktfotografie im Detail

Der US-Fotograf Ralph Giobson zählt ohne Zweifel zu den wegweisenden Vetretern der Fotokunst überhaupt. Eine Ausstellung in Berlin zeigt sein Schaffenswerk aus über vier Jahrzehnten - von mystisch-surrealen Werken aus der weltbekannten Serie "The Somnambulist" bis hin zu Aktfotografien der jüngsten Vergangenheit.

Die verbindenden bildsprachlichen Charakteristika innerhalb des Gesamtwerkes von Ralph Gibson zeichnen sich einerseits durch ein ausgeprägtes Spiel mit starken Schwarz-Weiß-Kontrasten und eine kennzeichnende Grobkörnigkeit aus.

Darüber hinaus wohnt den Fotografien trotz der Motiv- und Sujetvielfalt eine geheimnisvolle Aura inne, die die Grenzen zwischen Realismus, Surrealismus, Expressionismus und metaphysischer Symbolik verschwimmen lässt.

Bereits das Frühwerk von Ralph Gibson zeugt von einer besonderen künstlerischen Gestaltungsweise, wodurch Form und Motiv zu einer neuen Ausdrucksform verschmelzen und direkt beim Betrachter Emotionen hervorrufen.

So verhält es sich auch bei der Serie "The Somnambulist", aus der zahlreiche Fotografien in der Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work zu sehen sind. Anlehnend an den Titel erzählt Gibson darin die Geschichte eines Traumwandlers — narrativ, mystisch, spirituell und gepaart mit transzendentalen Erlebnissen, die der Betrachter selbst erfahren kann.

Bereits zur Entstehungszeit Ende der 1960er Jahre galt die Serie aufgrund des fotokünstlerisch experimentellen Charakters und Gibsons Selbstverständnisses, die Fototechnik allein definiere noch nicht die Kunst, als herausragendes Werk.

Das wohl bekannteste und am meisten zitierte Bild aus der Serie — das Motiv zeigt eine solarisierte Hand im Spalt einer offenen Tür — diente unter anderem als LP-Innencover des Albums "Unknown Pleasures" der englischen Rockband Joy Division.

Faszinieren ihn seit jeher Motive mit surreal-metaphysischen Stimmungen, hat sich Ralph Gibson im Laufe seiner Karriere stärker auf die photographische Darstellung des weiblichen Aktes konzentriert.

Gibson vermag es, den Blick für den besonderen Ausschnitt zu haben, einen bestimmten Teil des weiblichen Körpers zu isolieren, herauszuarbeiten und zu betonen.

Die naturgetreue Wiedergabe, Formverehrung des Körpers und leidenschaftliche aber dennoch subtile Erotik bestimmen die Akte, deren reizvolles Spiel in der Bildsprache zwischen Realismus und abstrakter Form Ralph Gibsons Ästhetik kennzeichnet. Verstärkt wird dieser Effekt durch den wirkungsvollen Kontrast zwischen Schwarz und Weiß.

Ralph Gibson kam 1939 in Los Angeles zur Welt. 1960 zog er nach Newe ork, etablierte sich dort als Fotograf. Seit über 50 Jahren fotografiert er ausschließlich mit Kameras der Marke Leica.

Über 150 Museen weltweit, darunter das Metropolitan Museum of Art und Museum of Modern Art in New York sowie die National Gallery of Art in Washington, führen Werke von Ralph Gibson in ihren Sammlungen.

Ralph Gibson
16. Juni — 4. August 2012
Camera Work ⋅ Kantstraße 149 ⋅ Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag — Samstag ⋅ 11—18 Uhr

(csr)