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Ausstellung in Rotterdam: Mit diesen Murmeln spielte Anne Frank

Ausstellung in Rotterdam : Mit diesen Murmeln spielte Anne Frank

Ein Nachbarsmädchen hatte die Glasmurmeln all die Jahre aufbewahrt. In Rotterdam sind sie nun erstmals in einer Ausstellung zu sehen.

Es sind die Dinge, die Anne Frank lieb und teuer sind und die sie sicher aufbewahrt wissen will. Die 13-Jährige übergibt dem Nachbarsmädchen Toosje Kupers am 6. Juli 1942 eine Blechkiste mit Glasmurmeln, ein Puppen-Tee-Service und ein Buch mit niederländischen Sagen und Legenden. Anne Frank vertraut der Spielfreundin ihre kleinen Schätze an, bevor sie sich zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot in das Versteck vor den Nazis im Hinterhaus an der Prinsengracht 263 in Amsterdam begibt. Zwei Tage später notiert das deutsch-jüdische Mädchen in ihrem rot-weiß karierten Tagebuch, das sie zu ihrem 13. Geburtstag im Juni bekommen hat: "Um halb acht schlossen auch wir die Tür hinter uns. Die Einzige, von der ich Abschied nehmen musste, war Moortje, meine kleine Katze, die ein gutes Heim bei den Nachbarn bekommen sollte, wie auf einem Briefchen an Herrn Goldschmidt stand."

Fast 70 Jahre nach dem Tod

Fast 70 Jahre nach Anne Franks Tod sind ihre Glasmurmeln wieder aufgetaucht. Die inzwischen 83 Jahre alte Toosje Kupers hatte die Murmeln die ganze Zeit aufbewahrt. Jahrelang stand die kleine Kiste im Schrank. Nach dem Krieg wollte sie die Schätze Anne Franks Vater Otto übergeben. Er hatte als Einziger der Familie die Konzentrationslager überlebt. "Die Murmeln durfte ich behalten", sagte Kupers jetzt im niederländischen Fernsehen. Bei einem Umzug habe sie diese wiederentdeckt und dem Amsterdamer Anne-Frank-Haus übergeben. Die Murmeln sind nun erstmals in einer Ausstellung über den Zweiten Weltkrieg zu sehen.

 Anne Frank kam Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben.
Anne Frank kam Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben. Foto: dpa
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König Willem-Alexander eröffnete gestern die Schau in der Kunsthalle Rotterdam. Dort sind neben den Murmeln 99 weitere Gegenstände aus 25 niederländischen Kriegs- und Widerstandsmuseen ausgestellt, die alle eine persönliche Geschichte von Widerstandskämpfern, Deportierten und Opfern der NS-Zeit erzählen. Etwa die Brille der berühmten holländischen Widerstandskämpferin Hannie Schaft, die diese nutzte, um sich zu verkleiden. Oder der Kinder-Pullover, den eine Mutter während des Hungerwinters aus Hundehaar spann.

Murmeln waren besonders wertvoll

Wie für viele Kinder waren die bunten Murmeln für Anne Frank besonders wertvoll. Sie spielte gerne und oft damit. Auch andere jüdische Kinder in Amsterdam, denen die Deportation drohte, warfen ihre Murmeln aus dem Fenster, damit ihre Freunde weiter damit spielen konnten, berichten Mitarbeiter der Kunsthalle Rotterdam.

Der jüdische Kaufmann Otto Frank hatte im Hinterhaus der Firma in der Prinsengracht 263 ein Versteck für seine Familie vorbereitet. Auf der ersten Etage gab es zwei kleinere Zimmer mit Bad und Toilette, darüber ein großes und ein kleines Zimmer; von letzterem führte eine Leiter auf den Dachboden.

Die Tür zum rund 50 Quadratmeter großen Hinterhaus, das über eine steile Treppe mit dem Gang vor den Büroräumen verbunden war, wurde mit einem Bücherregal verdeckt. Doch 1944 wurde die Familie Frank verraten und in Konzentrationslager deportiert. Anne, ihre Schwester und ihre Mutter überlebten nicht.

(RP)